BARCELONA / LONDON (IT BOLTWISE) – In Sant Antoni hat eine 53-Quadratmeter-Wohnung durch einen einzigen terrakottafarbenen Einbau eine neue Raumlogik bekommen. Der Architekt Matteo Colombo bündelte dort Küche, Stauraum, Ankleide und Technik – inklusive Kühlschrank in der zentralen „Würfel“-Geometrie. Statt die Architektur hinter neutralen Tönen zu verstecken, setzt er den Farbakzent als Leitstruktur ein. So entsteht ein offener, heller Look mit klaren Übergängen zwischen Wohnen, Schlafen und Kochen.

Auf 53 Quadratmetern wirkt eine Wohnung schnell wie ein Kompromiss: Wege werden enger, Tageslicht erreicht weniger Zonen und Stauraum verschwindet hinter dem Ziel, alles „irgendwie unterzubringen“. Genau an dieser Stelle setzt das Projekt aus dem Viertel Sant Antoni in Barcelona an. Im obersten Stockwerk eines rund 100 Jahre alten Gebäudes mussten die neuen Eigentümer mit einer vorher heruntergekommenen Situation leben: Die Wohnung stand jahrelang leer und war wiederholt renoviert worden, wodurch ursprüngliche Bauteile nach und nach verloren gingen. Colombo Architecture nutzte das enge Korsett nicht für eine Radikalkur, sondern für eine präzise Neuordnung – sichtbar an einem terrakottafarbenen Raummöbel, das den Grundriss nicht nur füllt, sondern strukturiert.
Der entscheidende Dreh gelingt über die Idee, Öffnung und Abgrenzung zugleich zu lösen. Auf den ersten Blick sollte der Grundriss offen und hell bleiben, ohne die Funktionen zu vermischen. Dafür verteilen sich Wohn-, Ess- und Schlafbereich rund um den zentralen Block. Praktisch heißt das: Zwei Türen schaffen gezielte Übergänge, ohne den optischen Fluss zu zerbrechen. Eine große Schwenktür trennt den Wohn- vom Schlafbereich, während eine Schiebetür ins Badezimmer führt. Colombo beschreibt den Ansatz als ineinander übergehende Räume, die durch Licht und Bewegungsführung zusammenwirken. Genau dort, wo sonst klassische Möbelstellungen den Fluss unterbrechen würden, übernimmt der multifunktionale Einbau die Rolle eines „mittigen Pförtners“.
Dass der zentrale Block nicht untergeht, liegt am Farbkonzept. Der terrakottafarbene Einbau in „Egyptian Clay“ von Benjamin Moore wird bewusst zum Bezugspunkt, statt sich mit einer neutralen Wandfarbe zu tarnen. So werden nicht nur Baukörper hervorgehoben, sondern auch Zusammengehörigkeit erkennbar gemacht: Elemente, die funktional zusammengehören, sitzen im selben warmen Farbrahmen. Zusätzlich zieht sich eine horizontale Linie direkt unterhalb der Decke wie ein roter Faden durch die Wohnung. Darüber liegt ein weißer Wandabschluss, teils auch abgehängte Decken, hinter denen Installationen verschwinden. An manchen Stellen reicht bereits ein Versatz von etwa zehn Zentimetern, damit ein Schrank oder ein anderes Volumen als eigenständiges Element wahrgenommen wird. Das Ergebnis ist eine Geometrie aus Linien, Ebenen und Farbwechseln, die in einer kleinen Grundfläche Ordnung schafft.
Auch konstruktiv wird das Prinzip „Licht rein, aber nicht alles zu einem einzigen Raum“ konsequent umgesetzt. Wo es die Gegebenheiten erlaubten, entfernte man abgehängte Decken und legte stattdessen die katalanische Gewölbedecke frei. Sie wurde gereinigt und anschließend in Weiß gestrichen, wodurch die Reflexion im Raum ansteigt. In den Wohn- und Esszonen sind die Wände unten im cremigen Beigeton gehalten und darüber in Weiß; im Schlafzimmer wird die Logik gespiegelt. Helligkeit kommt zudem über zwei zur Straße ausgerichtete Fenstertüren, ergänzt durch original erhaltene grüne Lamellenfensterläden, die das Licht filtern. Der Essbereich geht sanft in die Küche über, die Colombo Architecture nach Maß fertigte und in warmen Grautönen ausstattete; rechts schließt sie direkt an den terrakottafarbenen Einbau an, in dem Kühlschrank und zusätzlicher Stauraum untergebracht sind. Eine Wandnische mit leuchtend roten Keramikfliesen rückt die Küche visuell in den Mittelpunkt, von wo aus sogar die Kücheninsel seitlich in den Raum hineinragt.
Die Küche löst das typische Platzproblem von kleineren Wohnungen über Form und Material. Die Eigentümer: innen wünschten sich einen eigenen Frühstücksplatz, eine klassische Insel hätte aber zu viel Fläche beansprucht. Colombo entschied sich daher für ein schwebendes Design: Die Insel steht nur auf einem einzelnen zylinderförmigen Fuß, der farblich auf den zentralen Einbau abgestimmt ist. Dadurch bleibt der Boden darunter optisch frei, und der Raum wirkt trotz Insel nicht „zugestellt“. Für den grafischen Stil kommen Stahlhocker und eine „Ambrosia“-Leuchte von Marset hinzu; im Esszimmer greift eine filigrane Wandleuchte von Luceplan den Look auf und ergänzt den markanten schwarzen Glastisch. Damit die Kubatur nicht zu streng wird, rundet Colombo das Gesamtbild mit persönlichen Objekten und Kunstwerken ab – darunter schwarze Keramikarbeiten des kubanischen Künstlers Diego Hernández Beauroyre und weitere Arbeiten, die das Paar im Laufe der Zeit gesammelt hat.
Der zentrale Einbau ist gleichzeitig Technik- und Stauraumlogistik, aber in der Außenwirkung bleibt er bewusst ruhig. Hinter der terrakottafarbenen Schwenktür liegen die „privateren“ Funktionen: Waschmaschine, Trockner und Stauraum für Reinigungsmittel. Einen Schritt weiter bringt eine Schiebetür ins Badezimmer, danach folgt der Schlafbereich. Im Inneren des Raumblocks ist besonders das Badezimmer ungewöhnlich gelöst, weil schräge Wandverläufe gezielt dafür genutzt werden, Schranksysteme, Nischen und kleine Ablageflächen zu integrieren. Beim Badezimmer wird der Farbgedanke konsequent weitergedreht: Glänzende kirschrote Fliesen bedecken die Wände, begleitet von einem Feinsteinzeug-Waschtisch und Edelstahl-Akzenten. Das erhaltene Duschfenster wurde restauriert, und eine mattierte Glastrennwand lässt Tageslicht bis in den Flur. Damit der Raum nicht zu dominant wird, findet sich im Schlafbereich eine Rücknahme über helle Farbtöne; direkt neben dem Bett liegt ein begehbarer Kleiderschrank im zentralen Einbau, der mit einem rostroten Vorhang vom Schlafbereich getrennt werden kann. Eine transluzente Vorhanglösung an der gegenüberliegenden Fensterfront filtert das Licht, sodass die Fläche größer wirkt, als es die Quadratmeterzahl vermuten lässt – genau dieses Gefühl scheint das Projekt als Zielgröße zu verfolgen.
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