Wer kennt das nicht: Man lädt eine scheinbar harmlose App, etwa für das Wetter, herunter und wird sofort mit einer Flut von Berechtigungsanfragen konfrontiert, von denen einige völlig unlogisch erscheinen – wie etwa der Zugriff auf das Mikrofon oder die Kontaktliste des Geräts? Solche übermäßigen oder unklar begründeten Anfragen sind ein deutliches Warnsignal für den möglichen Missbrauch sensibler Nutzerdaten und eine Gefahr für die Online-Privatsphäre.
In diesem Artikel möchten wir der zentralen Frage nachgehen, welche Kriterien eine legitime, vertrauenswürdige App von einer potenziell datenhungrigen Anwendung unterscheidet. Wann sind bestimmte Berechtigungen tatsächlich notwendig, um die beworbenen Funktionen zu erfüllen (wie etwa bei einer Navigations-App, die zwingend Standortzugriff benötigt) und wann dienen sie lediglich dazu, im Hintergrund persönliche Informationen zu sammeln?
Zudem beleuchten wir, warum Vorsicht beim Erteilen von App-Berechtigungen grundsätzlich ratsam ist und welche konkreten Risiken damit verbunden sein können. Unser Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, welche Berechtigungen legitim und welche verdächtig sind, damit Nutzerinnen und Nutzer ihre Privatsphäre effektiv schützen können.
Vertrauenswürdige App vs. Datensammelnde Anwendung
Im Folgenden werden die wichtigsten Kriterien gegenübergestellt, die eine vertrauenswürdige App von einer datenhungrigen bzw. datensammelnden Anwendung unterscheiden:
1. Funktionale Notwendigkeit
Vertrauenswürdig:
Die Berechtigung ist zwingend erforderlich, um die beworbene Kernfunktion der App zu ermöglichen (Prinzip der Datensparsamkeit).
Beispiel: Eine Navigations-App fordert Standortzugriff, um Routen berechnen zu können.
Datensammelnd:
Die App verlangt übermäßige oder nicht nachvollziehbare Berechtigungen, die keinen logischen Zusammenhang zur Kernfunktion haben.
Beispiel: Eine Wetter-App oder ein Spiel fordert Zugriff auf Kontakte oder das Mikrofon.
2. Zeitpunkt der Anfrage
Vertrauenswürdig:
Berechtigungen werden kontextbezogen angefordert, also genau in dem Moment, in dem der Nutzer die betreffende Funktion aktiv nutzen möchte.
Datensammelnd:
Alle Berechtigungen werden direkt beim Start der App abgefragt, oft in Form zahlreicher Pop-ups. Dieses Vorgehen soll Nutzer überfordern und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie zustimmen, ohne nachzudenken.
3. Granularität des Zugriffs
Vertrauenswürdig:
Die App nutzt aktuelle, restriktive APIs und fordert nur den minimal notwendigen Zugriff. Beim Standort etwa wird die Option “Zugriff nur während der Nutzung der App“ bevorzugt.
Datensammelnd:
Es werden veraltete oder übermäßig weitreichende Berechtigungen beibehalten, die unnötigen Vollzugriff gewähren, etwa auf den gesamten Gerätespeicher statt nur auf einzelne Fotos oder Dokumente.
4. Umgang mit abgelehnten Berechtigungen
Vertrauenswürdig:
Die App akzeptiert die Ablehnung einer Berechtigung und bietet alternative, weniger invasive Optionen an.
Beispiel: Wenn der Kontaktzugriff verweigert wird, kann die Telefonnummer manuell eingegeben werden.
Datensammelnd:
Die App verweigert ihre Funktion oder stürzt ab, wenn eine nicht-kritische Berechtigung abgelehnt wird, was eine Methode ist, den Nutzer indirekt zur Zustimmung zu drängen. Dies ist oft der Fall bei Spiele- oder Casino-Apps, da dort das Potenzial entsteht, dass Nutzer schnell alle Berechtigungen akzeptieren, um mit dem Spielen loszulegen. Daher sollte man vor allem solche Apps nur nach vertrauenswürdigen Empfehlungen herunterladen. AustriaCasino nennt zuverlässige Casino-Apps, die solche Praktiken nicht nutzen.
5. Transparenz beim Umgang mit Daten
Vertrauenswürdig:
Die Datenschutzerklärung ist klar formuliert, legt offen, welche Daten erhoben, verarbeitet und ggf. weitergegeben werden, und garantiert, dass keine persönlichen oder sensiblen Daten verkauft werden.
Datensammelnd:
Die Datenpraktiken sind intransparent. Häufig wird verschwiegen, dass Nutzerdaten an Dritte oder in App-SDKs weitergeleitet werden, etwa für Profilbildung, gezielte Werbung oder den Weiterverkauf von Daten.
Kriterien für legitime Berechtigungsanforderungen
Die Prüfung der Legitimität erfolgt, indem man vergleicht, ob die angeforderten sensiblen Berechtigungen tatsächlich für die Hauptfunktion der App erforderlich sind. Hier stellen wir die gängigsten sensiblen (Hochrisiko-)Berechtigungen vor und erklären anhand konkreter Beispiele, wann sie gerechtfertigt sind und welche Missbrauchsrisiken bestehen.
Standortzugriff
Legitim: Navigation, Routenverfolgung (Fitness), ortsbasierte Check-in-Dienste oder Notfall-Ortungsdienste.
Warnzeichen: Wenn Apps wie Schönheitsapps, einfache Musik-Player oder Bildungs-Apps Standortzugriff anfordern.
Risiko: Eine bösartige App, der Standortzugriff gewährt wird, kann detaillierte Bewegungsprofile erfassen, einschließlich der Wohnadresse, des Arbeitsweges und der besuchten Einrichtungen (z.B. Schulen oder medizinische Einrichtungen). Diese Daten können an Dritte verkauft oder für weitaus ernstere kriminelle Aktivitäten, wie die Planung von Einbrüchen, Entführungen oder Identitätsdiebstahl, genutzt werden.
Der Zugriff sollte primär auf die Dauer der Nutzung beschränkt sein (Zugriff nur während der Nutzung der App). Nur wenn eine kritische Kernfunktion dies erfordert, ist Hintergrundzugriff legitim, muss aber zusätzlich prominent offengelegt werden.
Kamera und Mikrofon
Eine App, die die Kamera-Berechtigung besitzt, kann jederzeit Bilder erfassen.
Legitim: Video-Messenger, Aufnahme-Apps, Augmented-Reality (AR) oder QR-Code-Scanner.
Warnzeichen: Eine Wetter-App, eine Nachrichten-App oder eine einfache Utility-App, die das Mikrofon anfordert, da dies die Erfassung von Privatgesprächen ermöglicht.
Risiko: Die Kamera-Berechtigung kann von bösartigen Akteuren genutzt werden, um die Kamera heimlich im Hintergrund einzuschalten und Fotos oder Videos der Nutzer oder ihrer Umgebung aufzunehmen (digitale Überwachung). Der Mikrofon-Zugriff ermöglicht die Aufzeichnung vertraulicher Gespräche, deren Inhalt zur Erstellung detaillierter Werbeprofile oder in extremen Fällen für Erpressungszwecke missbraucht werden könnte.
Speichermanagement
Legitim: Apps zur Dateiverwaltung, Bildbearbeitung oder Cloud-Speicher-Clients.
Warnzeichen: Sport-Apps oder System-Dienstprogramme ohne Backup-Funktion, die Vollzugriff auf alle Medien verlangen.
Risiko: Bei Missbrauch ermöglicht diese Berechtigung Tätern die Extraktion privater Fotos, Videos und Dokumente aus dem Gerätespeicher. Diese Daten können leicht an Dritte verkauft werden, was zu Verletzungen der Privatsphäre führen kann, da sie persönliche oder identifizierende Informationen enthalten. Mit Android 14 wurde die Anforderung des vollständigen Speichervollzugriffs weitgehend illegitim. Vertrauenswürdige Anwendungen müssen den Partial Photo/Video Access nutzen, der es dem Nutzer erlaubt, nur spezifische Dateien freizugeben. Entwickler, die breitere, ältere Berechtigungen beibehalten, handeln nicht im Sinne der Datensparsamkeit.
Kontakte, Anrufe und Messaging
Legitim: Kommunikations-Apps, die Kontakte abgleichen müssen, um eine Kernfunktion zu ermöglichen.
Warnzeichen: Jede App ohne Kommunikationsfunktion (z. B. Spiele, Diät-Apps), die Zugriff auf Anrufe, SMS oder Kontakte verlangt.
Risiko: Bei der Berechtigung für Anrufe/Messaging könnten bösartige Anwendungen Anrufe an Premium-Nummern tätigen oder SMS an diese senden, was zu sehr hohen Telefonrechnungen führt. Kontaktlisten-Zugriff ermöglicht es betrügerischen Apps, die Kontakte zu extrahieren und an Dritte zu verkaufen oder für Phishing-Betrügereien unter Verwendung der gestohlenen Nummern zu nutzen.
Was tun, wenn man einer bösartigen App sensible Berechtigungen erteilt hat?
Wenn man einer App versehentlich Zugriff auf sensible Daten wie Standort, Mikrofon oder Kontakte gegeben hat, sollte man schnell handeln, um einen möglichen Missbrauch der Daten zu stoppen.
Der effektivste Weg besteht darin, die erteilten Berechtigungen manuell in den Geräteeinstellungen zu widerrufen. Handelt es sich um eine App, die solche sensiblen Berechtigungen ohne nachvollziehbaren Grund angefordert hat, sollte man sie sofort deinstallieren.
Schlussbemerkung
Heutzutage finden Betrugsversuche nicht mehr nur über dubiose Anrufe oder E-Mails statt, denn auch scheinbar harmlose Apps können ein Risiko für die eigene Privatsphäre darstellen. Nutzerinnen und Nutzer sollten deshalb ein bewusstes und kritisches Vorgehen beim Umgang mit Apps entwickeln. Letztlich zeigt sich, dass Privatsphäre und Kontrolle über die eigenen Daten die wirksamsten Schutzmaßnahmen gegen moderne digitale Fallen sind.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "App-Permissions im Detail: Welche Berechtigungen bei vertrauenswürdigen Anwendungen legitim sind" für unsere Leser?

#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "App-Permissions im Detail: Welche Berechtigungen bei vertrauenswürdigen Anwendungen legitim sind" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »App-Permissions im Detail: Welche Berechtigungen bei vertrauenswürdigen Anwendungen legitim sind« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!