NEU-DELHI / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi hat Chinas Staatschef Xi Jinping mehr Einsatz der Mitgliedstaaten für Frieden im Nahen Osten und in der Golfregion verlangt. China wolle gemeinsam mit den BRICS seinen Beitrag zur Herstellung von Frieden und Stabilität leisten. Xi verwies außerdem auf zunehmende Machtpolitik und Defizite bei Frieden und Sicherheit. Für die Staatengemeinschaft gilt damit: Das politische Signal zielt auch auf eine neue Rolle Chinas in der Konfliktvermittlung.

Xi fordert bei BRICS mehr Engagement für Frieden im Nahen Osten
Xi fordert bei BRICS mehr Engagement für Frieden im Nahen Osten (Foto: IT BOLTWISE)
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Xi Jinping nutzt den BRICS-Gipfel in Neu-Delhi, um das Bündnis stärker auf Friedens- und Stabilitätsthemen zu verpflichten. In seiner Ansprache formulierte der chinesische Staatschef, die Lage in der Region sei „komplex“ und der Krieg verursache den Menschen vor Ort schwere Verluste. Damit koppelt China die internationale Diskussion über die Golfregion und den Nahen Osten unmittelbar an ein Gemeinschaftsnarrativ der BRICS-Staaten: nicht als akademische Debatte, sondern als politische Priorität, bei der Mitgliedsländer ihren Einfluss in koordinierter Form einbringen sollen.

Technisch betrachtet ist das vor allem deshalb relevant, weil geopolitische Spannungen typischerweise nicht nur die Diplomatie, sondern auch die Infrastruktur dahinter tangieren: Transportkorridore, Energieflüsse, Versicherungs- und Risikomodelle sowie Handelsabwicklungen hängen eng an Stabilität. Wenn Xi von Defiziten bei Frieden und Sicherheit spricht und gleichzeitig „Machtpolitik“ als zunehmenden Faktor nennt, zeigt das, wie China den Grad der Planbarkeit globaler Lieferketten und Märkte bewertet. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn sich operative Abläufe kurzfristig nicht ändern, verschiebt sich in den Risikorechnungen häufig der Bewertungsmaßstab für Ausfallrisiken, Lieferunterbrechungen und Haftungsfragen in der Region.

Im politischen Kontext ordnet Xi seine Forderungen in eine Positionierung ein, die die BRICS-Gruppe ausdrücklich als Gegengewicht zum Westen versteht. Dass dabei „auf der richtigen Seite der Geschichte“ gestanden werden müsse, ist mehr als Rhetorik: Es legt eine normative Linie fest, welche die Mitgliedstaaten im Umgang mit internationalen Konflikten und Ordnungsfragen in Beziehung setzt. Gleichzeitig wird sichtbar, dass der BRICS-Rahmen in den kommenden Monaten als Plattform genutzt werden soll, um die Außenwirkung chinesischer Diplomatie zu verstärken. China übernimmt im kommenden Jahr den BRICS-Vorsitz, und schon jetzt versucht Xi offenbar, Themenagenda und Tonalität vorzuprägen.

Der zeitliche Zusammenhang mit Xis Reise nach Indien macht den strategischen Charakter des Auftritts besonders deutlich. Er reiste erstmals seit 2019 wieder nach Indien und traf in Neu-Delhi den indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi später auch bilateral. Die Beziehungen beider bevölkerungsreichsten Länder hatten sich zuvor nach einem tödlichen Zwischenfall im Jahr 2020 zwischen Soldaten beider Seiten an der gemeinsamen Grenze verschlechtert, die in einem umstrittenen Gebiet im Himalaya stattfand. Dass sich das Verhältnis seit einer Übereinkunft im Jahr 2024 wieder etwas verbessert hat, schafft eine Grundlage für den jetzigen diplomatischen Austausch – allerdings ohne die strukturellen Spannungen einfach zu neutralisieren.

Ein weiteres Signal liefert die weitere Reisedynamik im Jahr 2025: Modi war in diesem Kontext nach Angaben im Text nach Tianjin gereist, um sich mit China im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) zu treffen. Gleichzeitig steht die Reise nach Neu-Delhi „in einer Reihe“ jüngster diplomatischer Bemühungen Xis, die zuvor Kirgistan und Ägypten umfassten. Gerade Ägypten wird im Text als wichtiger Handelspartner in der arabischen Welt und als Vermittler im Nahost-Konflikt beschrieben. Damit entsteht ein Bild, in dem China seine außenpolitische Wirkung über mehrere regionale Knotenpunkte verstärkt: nicht nur durch Aussagen auf Gipfeln, sondern durch persönliche Kontakte zu Ländern, die in Konfliktmechanismen bereits eine Rolle spielen.

Für die BRICS-Logik ist dabei entscheidend, dass die Gruppe sich aus mehr als den fünf Namensgebern zusammensetzt. Neben Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika werden im Text unter anderem auch Saudi-Arabien, der Iran, Ägypten, Äthiopien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sowie Indonesien genannt. Gerade diese Zusammensetzung macht Xis Appell pragmatisch: Wer im BRICS-Rahmen mehrere Regionen abdeckt, kann bei Fragen zu Sicherheit, Stabilität und Konfliktfolgen leichter Gesprächskanäle bereitstellen. In der Praxis heißt das für Regierungen und auch für daten- und technologieorientierte Akteure, dass politische Entscheidungen schnell in operative Bereiche durchschlagen können – etwa in der Frage, wie man Handels- und Vermittlungsmodelle strukturiert, die mehrere Länder und Interessen zugleich abbilden.

Auch der Markt- und Technologiebezug lässt sich indirekt ableiten: Wenn Xi auf eine „internationale Ordnung“ verweist, die herausgefordert werde, geht es häufig um mehr als Ideologie. Solche Ordnungsdebatten betreffen Standards, Zugänge zu Plattformen, technische Verträge und die Art, wie Kooperationen organisiert werden. Auch wenn der Text keine konkreten Projekte nennt, ist die Richtung erkennbar: China will die BRICS-Bühne nutzen, um seine Position als Akteur in Fragen von Stabilität und Frieden zu stärken. Für Unternehmen und Institutionen, die in den Zielregionen aktiv sind, wird damit die politische Risikolandschaft ein Stück stärker in den Mittelpunkt gerückt – und folglich die Notwendigkeit, Szenarien für Verläufe jenseits des Tagesgeschäfts aufzubauen.

Aus jetziger Sicht bleibt dabei ein Kernpunkt offen: Xi fordert mehr Engagement und bietet zugleich Koordination über die BRICS-Mechanik an, ohne konkrete Maßnahmen oder einen Zeitplan zu benennen. Das ist in diplomatischen Kontexten nicht ungewöhnlich, erhöht aber die Unsicherheit für diejenigen, die später konkrete Umsetzungsschritte erwarten. Ebenso wird interessant, wie der BRICS-Vorsitz im kommenden Jahr inhaltlich gefüllt wird und welche Länder im Vorfeld besonders aktiv werden. Bis dahin dürfte die Relevanz des Signals vor allem darin liegen, dass China Frieden und Stabilität als gemeinsames Thema im BRICS-Kontext politisch auflädt – verbunden mit dem Wunsch, in der Konfliktlandschaft „auf der richtigen Seite der Geschichte“ zu stehen.


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