LONDON (IT BOLTWISE) – JPMorgan und Standard Chartered hatten für 2025 erstmals große Zuflüsse in XRP-ETFs im Bereich von 4 bis 8 Milliarden US-Dollar erwartet. Nach über acht Monaten zeigen die Produkte jedoch nur rund 1,5 Milliarden US-Dollar an kumulierten Zuflüssen. Ein zentrales Bremsmoment ist die Erwartung an regulatorische Klarheit durch den CLARITY Act, die sich zeitlich verschoben hat. Gleichzeitig hat der Kursverfall seit dem Start die Attraktivität für neue Anleger spürbar reduziert.

XRP-ETFs bleiben hinter Prognosen: Von 8 Mrd. auf 1,5 Mrd. Zuflüsse
XRP-ETFs bleiben hinter Prognosen: Von 8 Mrd. auf 1,5 Mrd. Zuflüsse (Foto: IT BOLTWISE)
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Die große Spannbreite klingt nach einer sauberen Rechnung aus dem Investment-Handbuch: Für XRP-Spot-ETFs hatten sowohl JPMorgan als auch Standard Chartered schon vor dem tatsächlichen Marktstart Prognosen über ein mögliches Aufkommen von 4 bis 8 Milliarden US-Dollar in den ersten zwölf Monaten 2025 gemacht. Im Januar 2025 lag JPMorgans Erwartung bei 4 bis 8 Milliarden US-Dollar innerhalb von sechs bis zwölf Monaten, Standard Chartered knüpfte im April 2025 mit einer sehr ähnlichen Bandbreite an. Doch während die Fonds seit Mitte November 2025 laufen, bleiben die Zuflüsse deutlich unter dem oberen Bereich der Modelle, obwohl der Launch-„Zeitpunktfenster“-Vergleich mit Bitcoin- und Ethereum-ETFs auf den ersten Blick stimmig wirkt.

Technisch und methodisch knüpften die Banken an historische Take-up-Raten bei Krypto-ETFs an: Bitcoin-ETFs hatten im ersten Jahr etwa 6% der Marktkapitalisierung des jeweiligen Coins eingesammelt, Ethereum-ETFs rund 3%. Überträgt man solche Quoten rechnerisch auf die kleinere Marktbasis von XRP, ergibt sich die erwartete Größenordnung von 4 bis 8 Milliarden US-Dollar. Genau an dieser Übertragung setzt jedoch das praktische Problem an, denn die Käuferstruktur der ersten ETF-Wellen ist offenbar nicht 1:1 auf „den nächsten Coin“ übertragbar. In der Praxis fehlte den Prognosen damit ein Wirkfaktor, der bei ETF-Märkten inzwischen entscheidend ist: institutionelle Orderfreigaben, Compliance-Verständnis und Produktlogik folgen selten rein der Marktgröße eines Assets.

Der Verlauf der Zuflüsse zeigt den Bruch mit der idealisierten Annahme besonders deutlich. Bislang flossen den XRP-ETFs insgesamt rund 1,51 Milliarden US-Dollar zu, aber der Fondsbestand liegt nur noch bei 988,78 Millionen US-Dollar, weil XRP seit dem Start deutlich an Wert verloren hat. Der Zuflussrhythmus drehte früh und wiederholt: Im Dezember kamen laut SoSoValue-Daten weitere 499,91 Millionen US-Dollar hinzu, während der erste Monat 666,61 Millionen US-Dollar brachte. Danach schrumpften die Zuflüsse im Januar auf 15,59 Millionen US-Dollar, im Februar auf 58,09 Millionen US-Dollar; im März verzeichneten die Fonds netto Abflüsse von 31,16 Millionen US-Dollar. Selbst im späteren Jahresverlauf gab es keine stabile Beschleunigung, sondern eher Sprünge: Im April beliefen sich die Zuflüsse auf 81,59 Millionen US-Dollar, im Mai auf 131,94 Millionen US-Dollar und anschließend ging es wieder zurück auf 59,46 Millionen US-Dollar im Juni sowie 27,29 Millionen US-Dollar im Juli, mit einem Null-Flow an 11 von 22 Handelstagen im Juli.

Für den Markt ist das nicht nur „eine schlechte Monatsstatistik“, sondern ein Indikator dafür, dass zwei zentrale Hebel gleichzeitig wirken: Makro- und Asset-Zyklus sowie regulatorische Planbarkeit. Im Text wird der Bärenmarkt als halber Erklärungsbaustein genannt, weil die Fonds fünf Wochen nach dem Bitcoin-Zyklus-Top gestartet sind und damit in das erste Post-Halving-Jahr fielen, das für Bitcoin insgesamt in der Verlustzone endete; davon waren Altcoin-ETFs insgesamt betroffen. Der zweite Hebel ist die regulatorische Klarheit, auf die beide Banken in ihren Modellen gesetzt hatten: JPMorgan und Standard Chartered erwarteten, dass die rechtliche Einordnung von XRP bis zum prognostizierten Zeitraum näher an institutionelle Standards heranrückt. Als konkreter Katalysator wird der CLARITY Act genannt, der XRP als Commodity unter US-Recht einordnen und damit die Hürde für große institutionelle Allokationen senken würde.

Diese regulatorische Lücke trifft besonders auf die Käuferseite zu, die im ETF-Betrieb oft den Unterschied zwischen „Prognose“ und „Marktrealität“ macht. Laut den zitierten Daten von Bloomberg Intelligence waren Ende des Vorjahres nur 16% der XRP-ETF-Assets institutionell verankert, der Rest entfiel auf Retail. Goldman Sachs wird als größter ausgewiesener institutioneller Halter erwähnt (154 Millionen US-Dollar), der sich im ersten Quartal vollständig zurückgezogen habe. Interessant ist dabei das Timing: Die Institutionen wirkten zeitweise dann wieder anziehend, als der CLARITY Act im Mai „am nächsten“ an eine Verabschiedung schien, und bremsten später erneut, als der Gesetzesentwurf beiseitegeschoben wurde. Hinzu kommt der Wettbewerbsdruck innerhalb der Altcoin-Kategorie: Wer in diesem Jahr ETF-Gelder für „zweite Wahl“-Krypto-Exposures zuweist, entscheidet sich offenbar häufig für Produkte, die laufende Erträge einpreisen können.

Genau hier liegt ein weiterer, sehr praktischer Unterschied zur XRP-Logik: Die Quellbeschreibung verweist auf Solana-ETFs, bei denen ein großer Teil des Kapitals in einem staking-orientierten Produkt gebündelt wurde, das laut Text etwa 760 Millionen US-Dollar verwaltet. Der Mechanismus ist einfach: Staking ermöglicht eine Renditeerwartung aus dem Halten heraus, ohne dass Anleger zusätzliche Kursrisiken für Cashflows tragen müssen. XRP hingegen hat im XRP Ledger kein Staking, weshalb ein XRP-Fonds kein vergleichbares Yield-Modell anbieten kann. Damit fehlt institutionellen und renditeorientierten Anlegern ein Bestandteil, der selbst in Seitwärts- oder Abwärtsphasen die Nachfrage stabilisieren kann. Das erklärt auch, warum Standard Chartered im Nachgang den Preis-Take der eigenen Annahmen reduziere: Die Prognose für 2026 soll von 8 auf 2,80 US-Dollar gekürzt worden sein, weil die Zuflüsse hinter den Erwartungen zurückblieben.

Ob die von JPMorgan und Standard Chartered skizzierte Größenordnung jemals erreicht wird, hängt im Kern an zwei Faktoren: ob das regulatorische „Timing“ sich noch dreht und ob der Kursverfall die psychologische Hürde für frisches Kapital abbaut. Ripple argumentiert laut Beschreibung im April, die 8-Milliarden-Schätzung sei noch nicht durch einen vollständigen Bull Cycle getestet worden und Allocations aus einem Abschwung würden sich in besseren Marktphasen wieder skalieren. Diese Sicht ist aus Sicht des ETF-Marktdesigns plausibel: Wenn ein steigender XRP-Preis die bisherigen Papierverluste reduziert, verbessern sich die Voraussetzungen für Retail-Nachfrage und damit für eine mögliche Rückkehr der Zuflusserwartungen. Trotzdem bleibt der entscheidende Engpass laut Quelle der CLARITY Act: Erst eine rechtliche Einordnung, die pensionsnahe Vehikel, Versicherer und Asset Manager in ihren Prozessen absichern können, würde die „institutionelle Zweitwelle“ wahrscheinlicher machen. Für Entscheider bedeutet das: In der ETF-Welt sind nicht nur Modellrechnungen relevant, sondern die Kombination aus rechtlicher Klarheit, Produktmechanik und der Geschwindigkeit, mit der sich Orderfreigaben in realen Zuflüssen niederschlagen.


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