LONDON (IT BOLTWISE) – Ein technischer Analyst argumentiert, dass der aktuelle XRP-Bärenmarkt im Vergleich zu früheren Zyklen weniger tief und womöglich kürzer ausfällt. Ausgehend von einem Rückgang von rund 70% seit dem Allzeithoch sieht er die Chance auf ein Zyklustief noch vor Ende 2026. Auf dieser Basis werden Fibonacci-Extension-Ziele von 8, 13 und bis zu 27 US-Dollar in den Raum gestellt. Parallel spielt die Nachfrage über Spot-ETFs eine neue Rolle für das Sentiment.

Der XRP-Kurs steht nach einem spürbaren Rücksetzer erneut im Fokus von Tradern, weil ein technischer Analyst für den aktuellen Bärenmarkt eine atypisch mildere Struktur erkennt. Ausgangspunkt ist der Vergleich mit früheren Abwärtsphasen: Während frühere XRP-Bear-Cycles häufig von 85% bis 90% Einbruch vom jeweiligen Peak geprägt waren, liegt der aktuelle Drawdown laut der Analyse bei knapp 70%. Das ist zwar kein Garant für höhere Tiefs, aber es verändert die Wahrscheinlichkeitsschwelle: Wenn ein Zyklus weniger „aggressiv“ ausblutet, verschiebt sich oft auch der Zeitrahmen, in dem Märkte Kapitulation und Bodenbildung hinnehmen.
Technisch betrachtet verknüpft die Argumentation mehrere Bausteine: Dauer, prozentuale Tiefe und eine makro-getriebene Hypothese für das Timing. In der Rückschau werden XRP-Bear-Perioden typischerweise auf etwa 400 bis 790 Tage veranschlagt; die aktuelle Korrektur läuft zum Zeitpunkt des Beitrags rund 350 Tage. Der Analyst stellt dabei heraus, dass die Abwärtsstrecke zwar noch nicht „fertig“ sein muss, aber die bisherige Entwicklung statistisch aus dem Muster fällt. Gleichzeitig wird eingeräumt, dass der tatsächliche Zyklusboden erst nach weiterer Belastung im Makroumfeld erreicht werden könnte, bevor dann eine Akkumulationsphase einsetzt.
Zur Einordnung wird der historische Sonderfall 2014 hervorgehoben. Dort sei der Rückgang besonders extrem gewesen: XRP fiel um rund 96% innerhalb von etwa 210 Tagen, bevor es lange dauerte, bis der Kurs wieder deutlich über frühere Hochs stieg. Diese Referenz wirkt wie eine Warnung gegen zu frühes „Bottom Trading“, denn selbst sehr frühe Tiefs können anschließend in eine langwierige Konsolidierung übergehen. Der entscheidende Unterschied in der aktuellen Sichtweise: Der Analyst deutet die schwächere Tiefe und die moderatere Zykluslänge als Hinweis darauf, dass die Bodenbildungsphase früher anbrechen könnte, ohne das Risiko weiterer Abwärtswellen auszuschließen.
Im breiteren Marktbild kommt ein weiterer Faktor hinzu, der über Charts hinausgeht: Spot-ETFs. Für XRP wird berichtet, dass die entsprechenden Fonds in der letzten Woche Nettozuflüsse in Höhe von 2,62 Millionen US-Dollar verzeichneten. Das wirkt im absoluten Betrag zwar überschaubar, ist aber signalisch, weil bei Bitcoin-ETFs im gleichen Zeitraum deutlichere Mittelabflüsse gemeldet wurden und bei Spot-Ethereum-ETFs Abgänge dominieren sollen. Für den Markt ist das vor allem deshalb relevant, weil ETF-Flüsse häufig als „hintergründiger“ Nachfragehebel interpretiert werden, der Volatilität dämpfen kann, wenn das Momentum der Retail- und On-Chain-Dynamik kippt.
Einordnung mit Blick auf den Wettbewerbsvergleich: XRP steht damit nicht isoliert, sondern im Schatten einer größeren ETF-Welle, die den Zugang zu Kryptoanlagen für institutionelle Akteure vereinfachen soll. In dieser Logik verfolgen Marktteilnehmer parallel mehrere Assets, um zu erkennen, ob Kapital rotiert oder nur kurzfristig „Risk-On“ gespielt wird. In der Berichterstattung wird außerdem erwähnt, dass nur bestimmte alternative Vehikel (wie Hype ETFs) bessere Zuflüsse erzielt hätten, während Fonds, die etwa Litecoin, Avalanche oder Hedera tracken, in dem Zeitraum keine nennenswerten Bewegungen gezeigt hätten. Genau solche relativen Verteilungen werden oft als Frühindikator für den nächsten Liquiditätsimpuls gelesen.
Auch die Zielkorridore folgen einem bekannten Muster aus dem technischen Werkzeugkasten: Fibonacci-Extensionen. Wenn der Analyst von einem möglichen Zyklustief vor Ende 2026 ausgeht, leitet er daraus eine spätere Aufwärtsphase ab, in der Kursbewegungen prozyklisch wieder nach oben „reagieren“ könnten. Genannt werden dabei Stufen von 8, 13 und 27 US-Dollar. Wichtig ist die methodische Einschränkung: Fibonacci-Levels sind Projektionen, keine Prognosen, und sie funktionieren besonders dann zuverlässig, wenn der Markt nach dem Tief eine klar erkennbare Trendstruktur aufbaut. Daher betont die Analyse auch, dass ein sofortiger Expansion-Impuls unwahrscheinlich sein kann, bevor die makro- und orderbook-getriebene Belastung vollständig verarbeitet ist.
Bei allen Szenarien bleibt die Makro-Komponente zentral, denn Krypto-Tiefs entstehen häufig nicht nur durch Token-spezifische Faktoren, sondern durch ein Zusammenspiel aus Liquiditätserwartungen, Zinsnarrativen und Risikobudget. Genau hier liegt der praktische Nutzen solcher Analysen für Unternehmen: Sie bieten kein „Planungsbudget“ im Sinne sicherer Zahlen, aber sie helfen, Eintrittswahrscheinlichkeiten zu strukturieren. Für Treasury-Teams, die etwa Krypto-Exposure absichern oder über Anlagevehikel steuern, ist entscheidend, wie robust ein Szenario gegen einen erneuten Risiko-Off-Schub bleibt. In einem weiteren Schritt sollte zudem die On-Chain- und Handelsdatenlage laufend überwacht werden, weil sich Zyklusparameter schneller ändern können als reine Kalenderanalysen vermuten lassen.
Regulatorik und Datenschutz spielen in diesem Umfeld eine stille, aber wichtige Rolle. Mit Blick auf Europa prägen Vorgaben wie MiCA die Marktauslegung und erhöhen den Druck auf Anbieter, Transparenz über Vermarktung, Risikoklassen und Verwahrung zu schaffen. Gleichzeitig gilt: Je stärker sich Unternehmen auf On-Chain-Daten stützen, desto relevanter wird die saubere Governance rund um Datenminimierung, Zugriffsrechte und Protokollierung der Datenflüsse. Auch wenn es sich bei der aktuellen Meldung primär um Kursanalyse handelt, beeinflusst der regulatorische Rahmen indirekt, wie schnell Kapital in Produkte umgeschichtet wird, die auf institutionalisiertem Handel basieren. Der Ausblick bis Ende 2026 hängt daher nicht nur von Chartmustern ab, sondern auch davon, wie reibungslos institutionelle Nachfrage in echte Marktliquidität übersetzt wird.
Für die Zukunft ergibt sich aus der Kombination von technischer Zykluseinschätzung und ETF-Flüssen eine konkrete Handlungsidee: Wer sich auf „Bottom“-Szenarien einstellt, sollte nicht nur Kursziele beobachten, sondern Indikatoren für den Übergang in eine Akkumulationsphase definieren. Der Analyst formuliert in diesem Kontext sinngemäß, dass das Zeitfenster für ein historisches Tief „schnell näher“ rücke und dass sich die Aufmerksamkeit schärfen müsse, auch wenn unmittelbare Expansion anfangs unwahrscheinlich sei. Ob daraus ein echter Zyklusboden wird, entscheidet sich voraussichtlich an der Fähigkeit, nach einer letzten Belastungswelle Stabilität aufzubauen und anschließend nachhaltig höhere Tiefs zu etablieren. Bis dahin bleiben 8, 13 und 27 US-Dollar vorerst ambitionierte Zielmarken – plausibel als Projektion, aber nur belastbar, wenn der Markt die strukturellen Voraussetzungen bestätigt.
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