LONDON (IT BOLTWISE) – Der Xtrackers MSCI Mexico UCITS ETF 1C hat in den vergangenen vier Jahren 41,4 % Rendite erzielt und damit innerhalb der eigenen ETF-Familie stark abgeschnitten. Der Haupttreiber ist Nearshoring: Internationale Konzerne verlagern Produktion näher an den US-Markt. Mexiko profitiert dabei von Zoll- und Infrastrukturvorteilen, aber der Fonds bleibt wegen politischer Risiken deutlich schwankungsanfälliger. Für Anleger bedeutet das eine klare Chance zur Technologie-freien Diversifikation bei gleichzeitig erhöhtem Länder- und Währungsrisiko.

Wer den mexikanischen Aktienmarkt über einen ETF abbilden will, schaut meist zuerst auf die Indexlogik und die Art, wie die Gewichtungen zustande kommen. Der Xtrackers MSCI Mexico UCITS ETF 1C bildet den MSCI Mexico Index physisch und vollständig nach, mit Thesaurierung der Erträge, und ist bereits seit März 2010 am Markt. Das Fondsvolumen liegt bei 275 Millionen Euro und macht den Fonds damit zum größeren Vehikel gegenüber dem einzigen relevanten Wettbewerber in Deutschland, dem iShares MSCI Mexico Capped UCITS ETF mit 106 Millionen Euro. Entscheidend ist außerdem, dass der Xtrackers-ETF den klassischen Index ohne zusätzliche Gewichtungsobergrenze nachbildet, während der iShares-ETF eine gekappte Variante nutzt und das Gewicht einzelner Positionen künstlich begrenzt.
Genau an dieser Stelle trennt sich für viele Anleger die Frage nach „möglichst unverfälscht“ versus „risikoärmer in der Streuung“. Ohne Capping spiegelt der Xtrackers-Fonds damit stärker die tatsächliche Marktkapitalisierungsstruktur wider. Mit 79,2 % entfallen seine zehn größten Positionen auf nur 21 Werte; gegenüber einer rein gleichgewichteten Logik wäre das erwartbar niedriger. Diese Konzentration ist in vielen Schwellenländern typisch, wenn der Aktienmarkt stark von wenigen großen Konzernen getragen wird. Für die Praxis heißt das: Wer bereits stark über US-Technologiewerte investiert ist, bekommt hier zwar nicht automatisch „Wachstum“, aber eine sehr andere Branchenmischung und damit einen echten Diversifikationseffekt in der Depotstatik.
Der Rendite-Katalysator, der in der vergangenen Zeit besonders oft als Erklärung herangezogen wurde, trägt den Namen Nearshoring. Dabei verlagern international agierende Unternehmen ihre Produktion aus Asien näher an den Absatzmarkt in Nordamerika, um weniger von langen, störanfälligen Lieferketten abhängig zu sein und zugleich die Belastung durch Handelskonflikte zwischen den USA und China zu reduzieren. Mexiko gilt in diesem Kontext als besonders begünstigt, weil es den freien Marktzugang zu den USA und Kanada über ein nordamerikanisches Freihandelsabkommen erhält, eine rund 3.000 Kilometer lange gemeinsame Grenze mit den USA besitzt und zugleich vergleichsweise niedrige Fertigungskosten mitbringt. Ein greifbarer Indikator aus dem Text: In der ersten Jahreshälfte 2023 flossen rund 29 Mrd. US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen nach Mexiko – so viel wie seit 2006 nicht mehr.
Diese Dynamik schlägt sich im Portfolio auch dort nieder, wo sie nicht zufällig wirkt, sondern wie ein wirtschaftlicher Hebel: Große Unternehmensgruppen profitieren von mehr Industrieproduktion, davon, dass Frachtwege und Logistik wachsen, und von steigenden Investitionen in Produktion und Versorgung. Die größte Position im Fonds ist Grupo México mit 16,88 %. Der Mischkonzern ist über Southern Copper einer der vier größten Kupferproduzenten der Welt und betreibt über Ferromex das mit Abstand größte Eisenbahnnetz Mexikos, das rund 71 % des Landes abdeckt und mehrere Grenzübergänge zu den USA sowie Häfen auf beiden Küsten verbindet. Dadurch wirkt der Rückenwind gleich doppelt: einerseits über die weltweit steigende Kupfernachfrage im Zuge der Elektrifizierung und des Ausbaus erneuerbarer Energien, andererseits durch das Nearshoring, das mehr Schienentransport bedeutet. Ebenfalls stark gewichtet sind Grupo Financiero Banorte mit 13,15 % – eine der vier größten Geschäftsbanken Mexikos in Monterrey – und FEMSA mit 10,38 %, das unter anderem durch Oxxo und den Einzelhandel vom steigenden Binnenkonsum sowie der durch neue Industrieansiedlungen ausgelösten Beschäftigungsdynamik profitieren soll.
Auch die Sektorverteilung verdeutlicht, warum der ETF für viele Anleger vor allem als „Gegenpol“ zu US-Tech-getriebenen Portfolios interessant ist: Nicht-energetische Grundstoffe machen 29,8 % aus, nicht-zyklische Konsumgüter folgen mit 29,6 %, Finanzen kommen auf 19,7 %, Industrie auf 11,6 % und Telekommunikation auf 9,3 %. Technologie taucht im Fonds demnach nicht auf. Aus Anlegersicht ist das mehr als nur eine Nebensächlichkeit: In der Praxis verschiebt so ein Mexiko-Exposure das Risiko weg von den Bewertungs- und Zinsnarrativen, die häufig die US-Technologiekomplexe dominieren. Gleichzeitig sollte man die Kehrseite ernst nehmen: Der Fonds ist als Schwellenland-ETF strukturell volatiler. Die Schwankungsbreite liegt über ein, drei und fünf Jahre bei 20 bis 22 %, und der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre beträgt minus 28,4 %, maßgeblich im Zusammenhang mit dem politischen Rückschlag 2024.
Genau hier zeigt sich, dass Nearshoring nicht automatisch zu „glatter“ Wertentwicklung führt. 2022 stieg der Fonds um 3,4 %, während klassische MSCI-World-ETFs etwa 13 % verloren. 2023 folgte ein starkes Jahr mit 35,3 %, getragen von der beschriebenen Nearshoring-Euphorie. 2024 dagegen kam es zu einem deutlichen Rückgang von minus 23,1 %: Laut den Angaben im Text führten die mexikanischen Präsidentschaftswahlen 2024 zu einer überwältigenden Mehrheit für die Regierungspartei Morena, was bei internationalen Investoren Sorgen über eine zu starke Machtkonzentration auslöste. Zusätzlich wurde im September 2024 eine Justizreform verabschiedet, nach der etwa 7.000 Richterposten künftig nicht mehr nach Qualifikation, sondern per Volkswahl besetzt werden sollen; die Folge waren Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Justiz. Unabhängig von der Ursache zeigt sich im Zahlenbild: 2025 erholte sich der Fonds wieder deutlich (+37,23 %) und im laufenden Jahr liegt er bislang bei +11,4 %, aber ein erneuter Rückschlag wie 20024 ist nicht ausgeschlossen, etwa wenn politische Reformen oder Entscheidungen erneut Zweifel an Rechtsstaatlichkeit oder Investitionssicherheit auslösen.
Für welche Strategie passt so ein Fonds? Der Text positioniert ihn klar als Ergänzung für Depots, die häufig bereits stark in US-Technologie engagiert sind: Mit einem technologiefreien Länderfokus lässt sich eine Branchen- und Länderstreuung aufbauen, die langfristig vom Nearshoring-Trend profitieren soll. Gleichzeitig gilt: Wegen der Konzentration auf ein einzelnes Schwellenland und dem erhöhten politischen Risiko ist der ETF eher eine gezielte Beimischung als ein Grundbaustein. Wer das Risiko steuern will, achtet dabei in der Regel nicht nur auf die durchschnittliche Rendite, sondern auch auf die historische Verlustspanne seit Auflage 2010, die im Text mit minus 53,9 % beziffert wird. Genau diese Kombination aus potenzieller struktureller Nachfrage nach Produktion in Mexiko und klaren Ausschlägen in politischen Phasen macht den Fonds für konservativere Portfolldesigns weniger „passiv“, für langfristig ausgerichtete Anleger mit Risikotoleranz dagegen realistischer.
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