YOUNGSTOWN / LONDON (IT BOLTWISE) – Zum jährlichen Wiedersehen der Youngstown State University ROTC-Alumni traf sich am Samstag eine Generationen übergreifende Gruppe am Pollock House-Pavillon. Bei Rezitation des Treuegelöbnisses, Saluten und einem musikalischen Auftakt mit Saxofon reflektierten die Teilnehmenden, was ihr Dienst über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Der YSU-Präsident Bill Johnson stellte dabei den Gedanken der Selbstregierung und den „grand experiment“-Charakter der Demokratie in den Mittelpunkt. Im Anschluss folgte ein gemeinsames Mittagessen und ein Austausch über Stationen vom Vietnam-Einsatz bis zu späteren internationalen Verwendungen.

Am Pollock House-Pavillon der Youngstown State University ist das jährliche ROTC-Alumni-Treffen am Samstag zugleich Erinnerungsraum und aktueller Treffpunkt gewesen. Organisiert wurde das Wiedersehen im Umfeld der Alumni auch von Dave Long, der selbst 1974 seinen Abschluss an der YSU mit dem Schwerpunkt Politikwissenschaft gemacht hatte und zuvor dem ROTC angehörte. Die Rahmenhandlung war bewusst schlicht: Gäste starteten den Sommerabend mit dem Treuegelöbnis, dazu Salute oder das Auflegen der Hand auf das Herz, während die Nationalhymne lief. Dieses Ritual schafft ein gemeinsames Zeitmaß, an dem sich die unterschiedlichen Jahrgänge der ehemaligen Kadetten ausrichten können.
Der Ort trägt dabei eine eigene Geschichte in sich. Wie aus dem Ablauf des Treffens hervorging, war das Gebäude zuvor Teil der ROTC-Infrastruktur und wird heute als Wick-Pollock Inn betrieben, außerdem diente es zeitweise als Residenz- beziehungsweise Unterkunftsbasis innerhalb der Campusstrukturen. Dass die Alumni ausgerechnet an einem Ort zusammenkommen, der sowohl militärische Ausbildung als auch zivile Nutzung verkörpert, spiegelt den Kern der Übergangsphase: Der Schritt vom Trainings- und Pflichtenrahmen hin zur späteren Zivilbiografie. In diesem Spannungsfeld passt auch der musikalische Auftakt: Patrick Williams, Direktor für Veterans Affairs an der YSU, spielte „America the Beautiful“ auf dem Saxofon, bevor das Programm in kurze Reden überging.
In seiner Ansprache griff YSU-Präsident Bill Johnson, selbst ehemaliger Veteran der US Air Force, die Perspektive derjenigen auf, die für das Land gedient haben und nun als Alumni gemeinsam zurückblicken. Er sagte sinngemäß, er sei geehrt, unter ihnen zu sein und Teil dieser Gemeinschaft zu fühlen. Inhaltlich spannte Johnson den Bogen zur politischen Idee hinter dem eigenen Dienst: Er beschrieb die USA als „most free“, „most prosperous“ und als das „greatest nation“, die die Welt bisher erlebt habe, und ordnete das demokratische System als „grand experiment“ ein, das nach 250 Jahren weiterhin in einem ständigen Zustand des Wandels stehe. Entscheidend war dabei der praktische Bezug zur Lebensrealität der Anwesenden: Johnson machte deutlich, dass sein Vertrauen auf dieser Erfahrung aufbaue, „because we have ridden on the shoulders of great patriots like all of you“.
Während sich die Diskussionen nach der Ansprache wieder in den informellen Teil des Treffens auflösten, wurde die große geografische Streuung sichtbar. Viele Alumni reisten aus anderen Bundesstaaten an: Mary und Jim Forestal kamen aus Georgia; Earl Washington traf als Anreisender aus New Jersey ein, wo er nach seiner militärischen Pensionierung blieb und in eine zivile Laufbahn wechselte. Washingtons ROTC-Kamerad Steve Motika lebt inzwischen in Perry, Ohio, „on the lake“, verließ diese Umgebung aber für die Begegnung mit den ehemaligen Kameraden. Dass nicht nur ehemalige Kadetten, sondern auch Ehepartnerinnen und Ehepartner vor Ort waren, unterstreicht den Beitrag des Umfelds: Mary Forestal beschrieb, dass sie ihren Mann Jim nach seinem Abschluss heiratete und er anschließend in den aktiven Dienst ging. In ihrer Erinnerung prägten die regelmäßigen Umzüge – „every four years“ – die Jahre und machten den Austausch vor Ort umso wertvoller, auch weil man dort Menschen kennenlernen konnte, die die regionale kulinarische Tradition der Mahoning Valley noch nicht erlebt hatten.
Auch die einzelnen Lebensläufe zeigten, wie verschieden Ausbildung und spätere Aufgaben ausfallen können. Bei den Jahrgangsbezügen standen beispielhaft Dave Motika, ursprünglich aus Hartford, Ralph DeLucia, ursprünglich aus Boardman, und Earl Washington, ursprünglich aus dem South Side von Youngstown, als 1979er Klassenkameraden des ROTC-Programms. Alle drei hätten demnach nach dem Studium aktiven Dienst geleistet. Washington brachte als Spanischmajor eine fachliche Komponente in den Dienst ein, absolvierte eine Auslandsverwendung in Deutschland, war aber überwiegend in den USA im Bereich militärischer Geheimdienstarbeit eingesetzt. Seine letzte Station wurde mit Fort Dix in New Jersey verknüpft; zivil arbeitete er später bei der Casino Control Commission und lebt nahe Fort Dix. Motika war zwei Jahre in Südkorea eingesetzt und dort sogar als Bataillonskommandeur tätig; seine zivile Laufbahn führte ihn über 25 Jahre in den Hochschulbereich, unter anderem am Cuyahoga Community College und an der University of Akron, wo er Associate Dean für Applied Science and Technology war. DeLucia schließlich erwarb Abschlüsse in Betriebswirtschaft (Associate und Bachelor), diente knapp zwei Jahre in Südkorea, allerdings nicht in demselben Bereich wie Washingtons beziehungsweise Motikas Schwerpunkte, hatte außerdem zeitweise Dienst in Panama und führte in den USA Einheiten im Infanterie-Kontext an. Zusätzlich war er lange mit dem lokalen Umfeld verbunden, unter anderem als Manager eines Gymnasiums im Austintown Body Shop.
Dass das Treffen nicht nur eine Rückschau für etablierte Jahrgänge war, zeigte sich an den Spannweiten bis hin zu deutlich jüngeren Absolventen. Die Gruppe reichte von Jim Fairbanks, einem Absolventen von 1969 aus Hubbard, der ein Jahr im Vietnamkrieg diente, bis hin zu Ryan Kelley, der seine Studien an der YSU 2007 abschloss und nun in Canton lebt. Kelley habe demnach nach dem Abschluss noch eine Kriegsverwendung angetreten, nachdem er nach Afghanistan entsandt worden war. Darüber hinaus wurde sichtbar, dass militärische Laufbahnen nicht immer auf einem geraden Plan beruhen: Mac Crum erzählte, er habe ROTC-Kadetten am Stambaugh Stadium abseilen sehen und dem Trainer spontan gesagt, er wolle das auch machen. Der Einstieg über ein Winter Survival Course, der als Sportkursanrechnung dienen könne, habe schließlich den Bedarf an einem weiteren Kurs – wie Geschichte – ausgelöst, bis er später selbst eine 28-jährige Dienstzeit abschloss und im Januar 2025 aus dem Army-Dienst in den Ruhestand ging.
Gegen Ende des Programms stand erneut der Übergang von individueller Erinnerung zu einer fortlaufenden Gemeinschaft im Vordergrund. Auf dem Campus habe YSU heute 50 ROTC-Kadetten, die bald ihren Abschluss machen und damit Teil des „brotherhood“-Gedankens der ROTC-Alumni werden. Diese Formulierung verweist nicht nur auf das Alumni-Label, sondern auf eine wiederkehrende Anschlussfähigkeit: Neue Absolventinnen und Absolventen sollen nach ihrer für den Dienst geforderten Zeit ebenfalls am jährlichen Picknick teilnehmen können. Für das Umfeld bedeutet das Kontinuität – und gleichzeitig ein bewusstes Management von Loyalität über Jahre hinweg. Gerade in einer Zeit, in der Organisationen sich häufiger über digitale Kanäle vernetzen, wirkt das physische Zusammentreffen hier wie ein bewusst gewähltes Gegenstück: ein gemeinsames Ritual, das Identität nicht nur archiviert, sondern aktiv aktualisiert.
Aus unternehmerischer Perspektive lässt sich an der Art des Treffens ein wiederkehrendes Muster ablesen: Die Veranstaltung verbindet klare Abläufe (Rituale zum Start, musikalischer Auftakt, kurze Reden, gemeinsames Essen) mit einer Biografie-übergreifenden Struktur. In ähnlicher Weise brauchen auch moderne Organisationen – etwa bei Communities, Schulungsprogrammen oder Alumni-Netzwerken – robuste „Onboarding“-Momente und verlässliche Übergabepunkte. Beim ROTC-Treffen liegt dieser Punkt nicht in Software, sondern in der sozialen Synchronisation: Wer ankommt, weiß, wann er respektvoll einsteigt und wie er die gemeinsame Geschichte teilt. Genau darin liegt die praktische Relevanz des Tages, unabhängig davon, ob man selbst 1969, 1979 oder 2007 an der YSU war.
Das gemeinsame Mittagessen, bereitgestellt von Mission BBQ, schließt den Kreis zwischen formellem Gedenken und alltagstauglichem Austausch. Für die Teilnehmenden war das Treffen damit mehr als ein Termin im Kalender: Es war eine Bühne für konkrete Stationen – von Einsätzen in Deutschland, Südkorea, Panama und Afghanistan bis zu späteren zivilen Karrieren in Hochschulen, Verwaltung und lokalen Institutionen. Und es war ein Ort, an dem Ehepartnerinnen und Ehepartner nicht als Randnotiz, sondern als Mitgestalter der Übergänge sichtbar wurden. Wenn die Alumni nach dem Programmpunkt wieder auseinandergehen, bleibt dennoch eine Linie erkennbar: Der Dienst endet zwar im Lebenslauf, die Gemeinschaft dagegen wird durch solche Wiedersehen in der Gegenwart gehalten.
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