BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Zalando meldet für das dritte Quartal ein Umsatzplus von 5,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro und steigert das bereinigte EBIT um 10,6 Prozent auf 107 Millionen Euro. Die Aktie reagiert zunächst volatil, dreht aber im Tagesverlauf deutlich ins Plus. Gleichzeitig kündigt das Unternehmen den KI-Agenten „Extended“ an, der künftig auch Produkte aus externen Shops im Namen der Kundinnen und Kunden einkaufen soll. Der Start ist für das kommende Jahr vorgesehen, während die Unternehmensprognose für 2024 bestätigt wurde.

Zalando hat im dritten Quartal den Wachstumskurs fortgesetzt, aber die operative Mischung zeigt, wo der Druck im Tagesgeschäft liegt: Der Umsatz stieg um 5,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, während das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 10,6 Prozent auf 107 Millionen Euro zulegte. Das Unternehmen nennt dafür vor allem niedrigere Kosten für die Auftragsabwicklung, Synergien aus der Übernahme von About You sowie einen kräftigen Zuwachs im Geschäft mit Unternehmenskunden. Bremsend wirkten dagegen höhere Investitionen und Marketingkosten, womit das Management eine typische Marktspannung zwischen Skalierung und Ausgabensteuersung adressiert.
Für die Börse stand zunächst die Frage im Mittelpunkt, ob das Ergebnis wirklich „durch die Qualitätsseite“ getragen wird. Laut den Berichten zeigte sich die in den DAX notierte Aktie zum Auftakt deutlich volatil: Nach einem anfänglichen Abverkauf stoppte der Abwärtstrend, am Vormittag drehte das Papier ins Plus und gewann zuletzt mehr als zwei Prozent. Analysten hatten zunächst Kritik an einer Bruttomarge geäußert, die aus ihrer Sicht unter den Erwartungen lag. Dazu passt, dass das Endkundengeschäft weiterhin den Löwenanteil bei Umsatz und Ergebnis stellt, jedoch schwächer wuchs als der B2B-Bereich.
In der Ergebnislogik zeigt sich zudem ein klassisches Muster aus Plattform- und Logistikökonomie: Dort, wo die Stückzahlen weniger dynamisch steigen, müssen Effizienzgewinne stärker gegen die Kostenentwicklung arbeiten. Im Endkundengeschäft ging laut den Angaben das bereinigte EBIT sogar zurück. Dieser Rückgang wurde im B2B-Geschäft mehr als ausgeglichen, weil dort die Ergebnisbasis laut Bericht sogar verdoppelt wurde. Adam Cochrane, Analyst bei der Deutschen Bank, verwies dabei auf die mögliche Folgefrage: Es gebe Bedenken, dass eine schwächere Profitabilität im Endkundengeschäft die weitere Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr belasten könnte.
Parallel zu den Quartalszahlen hat Zalando die strategische KI-Schiene konkreter gemacht und damit genau einen Themenkomplex adressiert, den die Analystenseite bereits als Risikotreiber diskutiert. Laut den Berichten bestehen weiterhin strukturelle Risiken durch KI-gestützte Einkaufsagenten, häufig unter dem Schlagwort „Agentic Commerce“ zusammengefasst. Zalando versucht dennoch, diesen Trend aktiv zu nutzen: Das Unternehmen kündigte die Einführung des Agenten „Extended“ an, der die eigene Plattform um Produkte aus anderen Onlineshops erweitern soll, die Zalando selbst nicht im Sortiment hat.
Technisch ist der Ansatz vor allem deshalb interessant, weil er eine neuartige Rollenverteilung verspricht: Der KI-Agent soll die Produkte in seinem Namen kaufen, sodass Konsumentinnen und Konsumenten den Angaben zufolge nicht mehr die Zalando-App verlassen müssen. Für Partnershops bedeutet das potenziell einen anderen Vertriebskanal als klassische Integrationen über Schnittstellen und Bestell-Workflows, da Zalando die Kundenzugriffe bündeln und gleichzeitig die Kaufhandlung delegieren will. Damit sollen Partnershops laut Unternehmen Zalando-Kunden erreichen und neue Umsätze generieren können, „ganz ohne komplexe technische Integrationen oder Anpassungen in ihrer Logistik“ – zumindest in der Theorie reduziert das den Integrationsaufwand auf operativer Ebene.
Der Zeitplan bleibt dabei bewusst pragmatisch: Der Start von „Extended“ ist für das kommende Jahr geplant. Operativ bestätigt Zalando zudem die Prognose für das laufende Jahr. Das Management rechnet weiter mit einem Bruttowarenvolumen (Gross Merchandise Value, GMV) und Umsatz in der unteren Hälfte der prognostizierten Spanne von 12 bis 17 Prozent. Beim bereinigten EBIT sollen es 680 bis 720 Millionen Euro werden. Für Anleger und Unternehmensentscheider ist damit weniger die einzelne Zahl entscheidend als die Kombination aus kurzfristiger Kostensteuerung, moderater Ergebnisentwicklung und einer KI-Produktstrategie, die den Handel stärker in Richtung agentenbasierte Prozessautomatisierung verschiebt – mit Chancen auf Reichweite, aber auch mit der Frage, wie schnell sich die Profitabilität der Endkundenlogik stabilisieren lässt.
Gerade im E-Commerce entscheidet sich viel an Grenzkosten: Je effizienter sich Bestellungen orchestrieren lassen, desto leichter lassen sich Marketing- und Investitionsschwankungen auffangen. „Extended“ zielt damit nicht nur auf zusätzlichen Content und Katalogtiefe, sondern auch auf den Fluss von Kaufentscheidungen innerhalb eines einheitlichen Nutzererlebnisses. Wenn das Agentenmodell tatsächlich die Suche, Auswahl und Kaufabwicklung durchgehend im Hintergrund automatisiert, kann das die Conversion-Kette verkürzen. Gleichzeitig bleibt entscheidend, wie Zalando die Qualität von Produktangeboten aus Partnershops, Retourenprozesse und Abwicklungszeiten in den Griff bekommt – denn genau hier entscheidet sich, ob KI-Delegation am Ende nur den Prozess verändert oder auch die Ertragsrechnung verbessert.
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