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LONDON (IT BOLTWISE) – Der Anlegerverband IVA kritisiert den Entwurf für das österreichische Zukunftsdepot scharf. Im Modell dürfen staatliche Gelder nur in regulierte UCITS-Fonds fließen, während Einzelaktien und Kryptowerte ausgeschlossen bleiben. Start ist für den 1. Juli 2027 vorgesehen, mit einem einmaligen Startbonus von 500 Euro pro Neugeborenem ab dem Geburtsjahrgang 2027. Zusätzlich soll eine KESt-Befreiung bis zum 18. Geburtstag greifen, Details zur Gegenfinanzierung sind jedoch noch offen.

Zukunftsdepot in Österreich: IVA kritisiert Ausschluss von Einzelaktien
Zukunftsdepot in Österreich: IVA kritisiert Ausschluss von Einzelaktien (Foto: IT BOLTWISE)
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Der geplante Start des österreichischen Zukunftsdepots steht bereits im Zentrum einer Grundsatzdebatte: Der Interessenverband für Anleger (IVA) sieht im aktuellen Entwurf eine verpasste Chance, weil die staatlich bereitgestellten Mittel nicht direkt in Einzelaktien investiert werden dürfen. Aus Sicht des IVA führt diese Einschränkung nicht nur zu einem engeren Anlageuniversum, sondern nimmt Anlegern auch die Möglichkeit, Risikoprofile und Renditechancen über Aktienselektion selbst zu steuern. Gerade bei langfristigem Vermögensaufbau kann dieser Punkt entscheidend sein, weil sich die Wirkung von Bewertungen und Dividenden über Jahrzehnte auf die Gesamtrendite auswirkt.

Konzeptionell knüpft das Modell an einen klaren politischen Zeitplan an: Die Bundesregierung stellte die Details am 20. Oktober 2026 vor, der offizielle Beginn soll am 1. Juli 2027 liegen. Für jeden Neugeborenen aus dem Geburtsjahrgang 2027 ist ein einmaliger Startbonus von 500 Euro vorgesehen; heutige 18-Jährige sollen davon ausdrücklich ausgeschlossen sein. Zusätzlich können Eltern, Großeltern und weitere Angehörige privat jährlich bis zu 5.000 Euro pro Kind einzahlen. Damit entsteht zwar eine Kombination aus staatlicher Anschubfinanzierung und privatem Zukauf, die entscheidende Stellschraube bleibt aber, wohin das Geld angelegt werden darf.

Hier setzt die Kritik an der Schnittstelle zwischen Förderlogik und Kapitalmarktpraxis an: Laut Konzept sind Investitionen ausschließlich in regulierte UCITS-Fonds zulässig. Einzelaktien sowie Kryptowerte bleiben damit ausgeschlossen, und auch wenn ein Depot von Banken administriert wird, soll die Führung der Depots kostenlos erfolgen. Für die steuerliche Seite sieht der Entwurf eine Befreiung von der Kapitalertragsteuer (KESt) bis zum 18. Geburtstag vor; ab der Volljährigkeit soll demnach eine steuerfreie Entnahme greifen. Offen ist zuletzt allerdings, wie diese KESt-Befreiung gegenfinanziert werden soll, was für die langfristige Tragfähigkeit des Fördermodells genauso relevant ist wie die Kapitalanlage selbst.

Damit verschiebt sich die Diskussion von der Frage „Sparen ja oder nein“ hin zu „Welche Anlagelogik ist innerhalb der Fördergrenzen erlaubt?“ Denn viele Vermögensstrategien im privaten Bereich setzen gerade auf die Kombination aus strukturierten Produkten, Einzelwerten und steuerlich optimierten Umschichtungen. Wenn das Zukunftsdepot jedoch auf UCITS-Fonds begrenzt ist, entscheiden Fondsmanagement und Fondszusammensetzung über Branchen- und Wertpapiergewichtungen, nicht die Auswahl durch Eltern oder Depotinhaber. Technisch bedeutet das: Die aktive oder passive Ausrichtung, das Rebalancing innerhalb der Fonds und die Kostenstruktur der Fonds (z. B. laufende Verwaltungsgebühren) wirken stärker als bei einer Direktanlage in einzelne Aktien.

Auch gesellschaftlich und wirtschaftlich sorgt das Design für Reibung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer bezeichnete das Paket als Schlüsselprojekt für eine breitere Eigentumskultur. Gleichzeitig meldeten sich aber auch Kritiker: Der Vorstandsvorsitzende des Geldinstituts RBI, Michael Höllerer, verwies im Rahmen einer Veranstaltung des Oktogon Business Club darauf, dass die Idee zwar grundsätzlich richtig sei, eine Rückkehr zum Sparen über den Bundesschatz jedoch der falsche Ansatz sein könne. Ein Vermögensberater wiederum stellte der Umsetzung ebenfalls ein schlechtes Zeugnis aus, indem er sie als halbherzig wahrnehmbare Ausführung des Grundgedankens beschrieb. In einem Kommentar wurde das Vorhaben zudem als „Murks“ bezeichnet, unter Verweis auf Daten, wonach nur vier Prozent der in Österreich geborenen Kinder Eltern hätten, die sich jährlich bis zu 5.000 Euro leisten könnten.

Für die Umsetzung enthält der Entwurf zudem mehrere Bedingungen, die über reine Anlagevorgaben hinausgehen. Anspruchsberechtigt sollen österreichische Staatsbürger sowie Gleichgestellte sein, darunter Bürger aus dem EU- und EWR-Raum, die Schweiz sowie Asylberechtigte, sofern bis zur Volljährigkeit ein rechtmäßiger Aufenthalt von mindestens 15 Jahren nachgewiesen wird. Asylwerber und Vertriebene aus der Ukraine sollen dagegen keinen Anspruch haben. Wird für ein berechtigtes Kind bis zum dritten Geburtstag kein privates Depot eröffnet, greift eine automatische Veranlagung des staatlichen Startkapitals im Bundesschatz, allerdings ohne Renditegarantie. Bundeskanzler Christian Stocker hatte das Vorhaben mit Blick auf die Lebensphase „Neugeborene“ vorgestellt und es mit weiteren Projekten wie einem Sozialhilfemodell und einem Medienpaket in einem größeren Gesetzespaket verknüpft.

Unterm Strich zeigt der IVA-Vorstoß vor allem eines: Bei staatlich flankierten Sparprogrammen ist das Anlageuniversum oft der eigentliche politische Kompromiss. Wenn Einzelaktien ausgeschlossen werden, verlagert sich die Frage, wie stark der Staat in die Rendite- und Risikokette eingreift, von der Produktgestaltung hin zur Fondsarchitektur. Gleichzeitig kann die KESt-Befreiung bis zum 18. Geburtstag die Netto-Erträge spürbar verbessern, bleibt aber an die noch offene Gegenfinanzierung gebunden. Für Eltern und Berater dürfte deshalb weniger die Überschrift „Zukunftsdepot“ zählen, sondern die konkrete Ausgestaltung: Welche UCITS-Fonds tatsächlich eingesetzt werden, wie Gebühren und Rebalancing geregelt sind und ob es später Möglichkeiten gibt, private Zusatzbeträge steuer- und anlageseitig flexibler zu steuern.

Wer sich langfristig um Vermögensaufbau kümmert, sollte diese Punkte auch im eigenen Planungskalender berücksichtigen, weil der Zeitplan feststeht: Gesetzespaket in Ausarbeitung, Begutachtung zuletzt im Oktober geplant, Start dann am 1. Juli 2027. Bis dahin wird sich zeigen, ob die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS die konkreten Kritikpunkte aufgreift oder am engen Anlagekorridor festhält. Für die betroffenen Finanzinstitute wird parallel entscheidend, wie sie die Depotführung, Fondsauswahl und Informationsprozesse gegenüber Familien umsetzen, damit das Modell nicht nur förderpolitisch, sondern auch operativ verlässlich funktioniert.

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