ESSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Büros setzen zunehmend auf Begegnungsflächen: Seit 2021 stiegen diese nach Angaben eines Immobilienberatungsunternehmens um 120 Prozent, während klassische Einzelarbeitsplätze von 56 auf 35 Prozent zurückgingen. In Essen zeigt die Sanierung einer Wasserwirtschaftsverwaltung, wie Licht- und Akustikplanung als Paket funktioniert. Dort werden etwa 500 Lux am Doppelarbeitsplatz erreicht und die Lichtfarbe auf 4000 Kelvin abgestimmt. Gleichzeitig rücken modulare Raumzonierungen in den Fokus, weil sich Bedarf und Nutzung im Alltag schneller ändern als feste Grundrisse.

Der Umbau moderner Büros beginnt selten im Planungsprogramm, sondern im Nutzungsalltag: Wenn Menschen mehr Zeit in informellen Begegnungen verbringen, verschiebt sich automatisch die Flächenlogik. Eine Untersuchung eines großen Immobiliendienstleisters legt dafür konkrete Werte vor: So nahmen soziale Begegnungsflächen in Büros seit 2021 um 120 Prozent zu, während der Anteil klassischer Einzelarbeitsplätze von 56 auf 35 Prozent fiel. Diese Entwicklung erklärt auch, warum aktuelle Fachbeiträge weniger über „mehr Technik“ sprechen, sondern über ein abgestimmtes Zusammenspiel aus Licht, Akustik und Raumstruktur.
Wie eng diese Faktoren technisch zusammenhängen, wird an der Sanierung der Hauptverwaltung der Emschergenossenschaft und des Lippeverbands (EGLVI) in Essen sichtbar. Der Wasserwirtschaftsverband bereitet den Standort für künftig 1.000 Beschäftigte vor – ein Maßstab, der nur funktioniert, wenn sich Produktivität und Aufenthaltsqualität gleichzeitig steuern lassen. In einem Musterbüro kommen dafür Akustikpaneele von JAB ANSTOETZ zusammen mit ERCO-Leuchten zum Einsatz, eingebettet in ein Konzept in Kooperation mit Studio Aisslinger, das erstmals auf der Orgatec 2024 präsentiert wurde. Für die technische Umsetzung sind jeweils zwei Jilly Stromschienen-Downlights vorgesehen, die einen Doppel-Arbeitsplatz mit einer Beleuchtungsstärke von 500 Lux versorgen; zusätzlich übernehmen Parscan Strahler und Wandfluter die Wandaufhellung und die Allgemeinbeleuchtung bei einer einheitlichen Lichtfarbe von 4000 Kelvin.
Entscheidend ist dabei nicht nur, wie hell es ist, sondern wie gleichmäßig das visuelle Umfeld wirkt – insbesondere in Bereichen, die zwischen konzentrierter Arbeit und informellem Austausch wechseln. Räume zur Hofinnenseite wurden bereits modernisiert, weitere Abschnitte befinden sich in der Planung. Solche Etappen sind in der Praxis relevant, weil Bauabläufe oft mit laufendem Dienstbetrieb kollidieren; ein Licht- und Akustikkonzept muss dann so geplant werden, dass die Wirkung schrittweise entsteht, ohne dass Übergangsbereiche „aus dem Raster fallen“. Gleichzeitig spielt der Schallschutz in der Bürorealität eine Rolle, die sich nicht allein über die Anzahl der Personen erklären lässt: Trennwände reduzieren zwar Pegel, ersetzen aber keine gezielten Absorber, wenn viele Gespräche, Telefonate und Team-Calls parallel stattfinden.
Genau an diesem Punkt greifen flexible Raumzonierungen, wie sie im Großraumbüro bei Westermann in Denkendorf umgesetzt wurden. Dort wurde eine wachsende Abteilung bei laufendem Betrieb in rund zwölf Stunden pro Schub gegliedert: Insgesamt 14 Wände kamen jeweils vor und nach den Bürozeiten zum Einsatz. Das deckengeführte, bodenfreie Schiebewandsystem flomo wall plus teilt die Fläche, während eine Besprechungsbox aus dem Glas-Trennwandsystem cama758 zusätzliche Rückzugs- und Moderationsmöglichkeiten schafft. Das System strukturiert das Büro in Gehbereiche, Büroeinheiten, Pausenbereiche sowie freie Flächen – ein Aufbau, der im Alltag mit kurzen Umplanungszyklen besser mithält als starre Grundrisse. Zur Schallabsorption wird melierter Filz eingesetzt, ergänzt durch Eichen-Holzfurnier, Textilien und Schichtstoffplatten; technische Herausforderungen durch eine bestehende Heiz- und Klimadecke wurden über angepasste Bohrtiefen und Betondübel gelöst.
Auch regulatorisch betrachtet ist „Akustik plus Licht plus Raum“ kein Wohlfühltrend, sondern Betriebsrealität. In der Planung orientieren sich die Maßnahmen an technischen Regelwerken wie der ASR A3.7 und der VDI 2569. Laut den im Artikel genannten Lärmgrenzen gilt für Tätigkeiten mit hoher Konzentration ein maximaler Schalldruckpegel von 55 dB(A); für Tätigkeiten mit mittlerer Konzentration liegt der Höchstwert bei 70 dB(A). Diese Werte sind in der Praxis besonders relevant, weil sie mit konkreten Nutzungsprofilen zusammenhängen: Eine Fläche, die tagsüber zwischen konzentrierter Bearbeitung, Besprechungen und Pausenbereichen wechselt, braucht daher Zonen mit unterschiedlicher akustischer Qualität. Neben der Akustik wirken weitere Stellhebel wie die Materialwahl, die Gestaltung von Randzonen und die Frage, wie effizient Unterweisungen und Betriebsabläufe organisiert werden.
Dass Lichtkonzepte dabei zum Qualitätsmerkmal werden, zeigt auch die Auszeichnung über den Deutschen Lichtdesign-Preis 2026: In der Kategorie Büro und Verwaltung wurde der Medi Tower in Bayreuth prämiert, dessen Lichtplanung von ag Licht aus Köln stammt. Vorgesehen ist unter anderem die Nutzung flächenbündiger LED-Leuchten in Lamellendecken, eine tageslichtabhängige Steuerung sowie ein an Kreuzstiche erinnerndes Lichtmotiv im zentralen Begegnungsbereich des Erdgeschosses. Das 2023 eröffnete, fünfeckige Gebäude wurde von Kadawittfeldarchitektur entworfen und bietet rund 400 Arbeitsplätze; die Preisträger wurden am 10. September 2026 im Internationalen Congresscenter Stuttgart bekanntgegeben. Solche Details sind mehr als Ästhetik, weil Steuerung und Lichtverteilung direkt beeinflussen, wie gut Menschen über längere Zeit in verschiedenen Arbeitsmodi zurechtkommen.
Parallel dazu zeigt der Blick auf neue Raumaufteilungen, dass es immer weniger um „Büro mit Trennwänden“ geht und stärker um „Büro mit anpassbaren Zonen“. Bei Takeda Pharma in Wien-Meidling gestaltete Windstärke7 das Raumkonzept „Tsunagu“, bei dem zugunsten offener Bereiche und thematischer Zonen selbst für die Geschäftsführung keine Einzelbüros mehr vorgesehen sind. Zusammengenommen verdeutlichen diese Beispiele, wie die Abstimmung von Material, Licht und Akustik die Anforderungen an heutige Büroflächen prägt – und warum Unternehmen bei der Planung nicht mehr nur einzelne Gewerke optimieren sollten, sondern das Gesamtsystem aus Nutzung, Technik und Bauausführung. Für Entscheider bedeutet das: Wer Begegnungsflächen ausbaut, muss zugleich die Konzentrationsbedingungen messbar stabil halten, sonst verlagert sich der Qualitätsverlust schlicht von der Fläche in den Alltag.
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