NEW YORK CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Chun Wai Chan, Solist beim New York City Ballet, lebt seit drei Jahren in einem 32 Quadratmeter großen Studio in der Upper West Side. Mit Unterstützung des Interiordesigners Josh Greene entstand aus dem zunächst beengten Layout eine ruhige Wohnumgebung für Proben, Stretching und Arbeit. Entscheidend sind die farbliche Zonenplanung, warme Erdtöne und ein Bett mit integriertem Stauraum. So bleibt im Alltag Platz für Bewegung, Bücher und ein kleines Setup am Laptop.

Auf 32 Quadratmetern wird selbst die Frage nach „wohin mit allem?“ zur technischen Planungsaufgabe. Chun Wai Chan, Solist beim New York City Ballet, hatte den Alltag in New York zwar jahrelang mit wenig Raum und zumindest einer Mitbewohner-Option gewohnt, doch als er vor drei Jahren ein Studio in der Upper West Side fand, traf ihn die Realität der vorherigen Möblierung: Das Apartment wirkte durch die unübersichtliche, zusammengewürfelte Ausstattung deutlich beengter. Genau an diesem Punkt setzte der Bedarf nach einem funktionalen Umbau ein – nicht im Sinne von mehr Quadratmetern, sondern im Sinne von weniger Reibung im Tagesablauf.
Greenes Ansatz beginnt dabei nicht bei Deko, sondern bei Nutzungslogik. Für Chan sollte das Zuhause zwischen Proben und Aufführungen vor allem Regeneration ermöglichen: ausruhen, neue Kraft tanken und in der Freizeit wieder in den Körpermodus kommen, etwa über Stretching oder vereinzelten Unterricht via Zoom. Gleichzeitig musste das Interieur so organisiert werden, dass es ordentlich bleibt und jeder Quadratmeter aktiv „mitarbeitet“. Schon das erklärt, warum der Designer die Zusammenarbeit als eine Art gemeinsame Choreografie beschreibt: Unterschiedliche Vorstellungen werden so lange übersetzt, bis sie zusammen ein harmonisches Gesamtbild ergeben.
Gestalterisch wurde das Konzept über Farbflächen und Materialwirkung umgesetzt. Bereiche trennt Greene durch gezielte Farbakzente: Das gesamte Interieur bleibt in warmen Erdtönen, die visuell beruhigen und Räume größer erscheinen lassen sollen. In der Küche bildet Moosgrün eine klare Richtung, ergänzt durch eine Rückwand aus Marmor, während das Tageslicht über ein Fenster am Ende des Flurs zusätzlich „hineinzieht“. Im Wohnbereich setzen ein geometrischer Teppich und ein Samtsofa mit grünen Akzenten den Rahmen; dezente Rot- und Sandtöne holen Wärme in die Szene. Über dem Bett wurde zudem eine kleine Galerie-Wand platziert, die Alltag und Ästhetik verbindet, ohne die Linienführung des engen Grundrisses zu sprengen.
Die stärkste Wirkung entsteht jedoch aus der Kombination unterschiedlicher Texturen und aus dem gezielten Umgang mit Tiefe. Chan berichtet zunächst davon, er habe geglaubt, ein einheitliches Möbelset aus Holz werde „schon irgendwie“ funktionieren; erst später erkannte er, wie viel Energie im Zusammenspiel verschiedener Stile und Materialien steckt. In der Praxis heißt das: Materialien dürfen im Mikro-Layout nicht gegeneinander kämpfen, sondern sie müssen Aufgaben übernehmen – etwa Akustik, Haptik oder optische Struktur. So wird aus „klein“ kein reines Platzproblem, sondern ein kontrollierbares Gestaltungssystem, in dem Blickführung und Oberflächen das Raumgefühl stabilisieren.
Damit der Alltag trotzdem leicht bleibt, spielt Stauraum die entscheidende Rolle. Greene legt dabei besonderen Wert auf Lösungen, die nicht wie Kompromisse wirken. Ein zentrales Beispiel ist das Bett: Ein klassisches Bett mit Stauraum wirkt oft klobig, doch Chan und Greene entschieden sich für eine Variante, bei der das Design nahezu gleich bleibt, während darunter Schubladen integriert sind. Der Schlafbereich grenzt direkt an den Wohnraum an und wird neben dem grünen Samtsofa positioniert. Das ist mehr als Komfort – es vereinfacht Routinen, weil die Dinge nicht „irgendwo“ verschwinden, sondern an einer Stelle verschwinden, die im Grundriss bereits vorgesehen ist.
Im Ergebnis kippt das bisher überladene Studio in ein System aus Form und Funktion. Chan beschreibt, dass er heute so viel Platz hat, dass leere Schubladen nutzbar geworden sind und außerdem Raum für Bücher, Blumen und Lautsprecher existiert – also für Dinge, die in einem unstrukturierten Layout oft sofort aussortiert würden. Auch die Bewegungsfreiheit wird dadurch real: Wenn der Couchtisch beiseite geschoben wird, entsteht genug freie Fläche fürs Stretching oder für das vorbereitende Training, das vor allem zwischen Arbeit und Probenzeit stattfindet. Seine Routinen spiegeln das wider: Zuerst eine Kerze, dann Arbeit am kleinen runden Esstisch, anschließend Stretching; danach entspannt er sich auf dem Sofa mit einem Kissen in Form eines orangefarbenen Balls, bevor er zum Bett zurückkehrt, das sich für ihn wie „eine Ferienwohnung“ anfühlt.
Für Unternehmen und Entscheider in der Büro- und Wohnumfeldgestaltung steckt in dieser Geschichte eine klare Lehre: In kleinen Grundrissen gewinnen nicht die „größeren“ Designs, sondern die präziseren Übergaben zwischen Zonen, Funktionen und Aufbewahrung. Farbgebung als Ordnungssystem, Materialmix als Tiefenwirkung und integrierter Stauraum als Alltagstool greifen dabei zusammen. Wer ähnliche Projekte plant, sollte daher weniger nach „mehr Design“ fragen, sondern nach der Frage, welche wiederkehrenden Aktivitäten im Tagesverlauf tatsächlich Platz benötigen – und welche Probleme bereits durch die richtige Kombination aus Layout, Oberflächen und Stauraum abfedert werden.
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