LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bitcoin-Hashrate fällt auf den niedrigsten Stand seit rund drei Wochen, während Miner im Wochenvergleich netto rund 1.530 BTC abgeben. Zugleich steigt das Puell Multiple auf 1,13 und signalisiert höhere Erlöse pro Tagesemission gegenüber dem 365-Tage-Durchschnitt. Mempool-Daten zeigen in späten September-Sessions wiederholt Phasen unter einem Zettahash. Für Betreiber wird damit die kurzfristige Schwankung der Rechenleistung besonders relevant, obwohl Blöcke im Netzwerk weiter planmäßig entstehen.

Bitcoin-Hashrate rutscht: Miner reduzieren Bestände, Puell Multiple steigt
Bitcoin-Hashrate rutscht: Miner reduzieren Bestände, Puell Multiple steigt (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Bitcoin-Hashrate hat in der vergangenen Berichtswoche spürbar nachgegeben: Der Sieben-Tage-Durchschnitt lag zuletzt bei rund 915,8 EH/s und damit laut den genannten Mining-Daten etwa auf dem tiefsten Niveau seit Anfang September. Interessant ist dabei weniger der absolute Wert als die Dynamik: Während der Markt zuvor zeitweise wieder über die Schwelle von einem Zettahash kam, zeigen die späteren Session-Werte im Mempool wiederholt darunterliegende Bereiche. Für das Verständnis ist entscheidend, dass Hashrate in Bitcoin nicht „Stimmung“ misst, sondern die kombinierte Rechenleistung, mit der Miner Transaktionen verarbeiten und um das Recht zur Blockproduktion konkurrieren.

Parallel dazu sank die Menge an Bitcoin, die in den Wallets von Minern und Mining-Pools gebündelt ist. Der Bericht beziffert den Rückgang auf 1.530 BTC innerhalb einer Woche; damit lag der Miner-Bestand am 26. September bei ungefähr 1,1928 Mio. BTC. Wichtig: Ein sinkender „Miner Reserve“-Wert bedeutet nicht automatisch, dass jede abgezogene Münze sofort im offenen Markt verkauft wird. Die Abflüsse können laut der verwendeten Definition ebenso für Übertragungen in Richtung Custodians, für Beleihungen, für Lending-Aktivitäten oder andere Treasury-Prozesse genutzt werden. Trotzdem ist das Signal für die kurzfristige Marktfähigkeit relevant, weil Verlagerungen aus Miner-Wallets typischerweise mit operativen Anpassungen zusammenfallen.

Technisch erklärt sich der Wochenrückgang auch durch die besonderen Einflussfaktoren rund um Mining-Operations: Block-Timing, Stromverfügbarkeit, Anpassungen an der Mining Difficulty und Veränderungen im aktiven Maschinenpark können die Hashrate kurzfristig bewegen. Im Text wird außerdem darauf verwiesen, dass die Sieben-Tage-Kennzahl nur eine Momentaufnahme über die letzte Kalenderphase ist und deshalb nicht als Beweis für eine durchgängig reduzierte Kapazität aller Akteure taugt. Die angegebenen Tages- und Pool-Level-Schätzungen zeigen zudem erhebliche Schwankungen innerhalb des Monats – mit Werten, die zeitweise deutlich über einem Zettahash lagen und später wieder deutlich abtauchten. Genau diese Volatilität macht es für Unternehmen im Mining-Umfeld schwierig, aus einzelnen Messpunkten sofort auf eine strukturelle Strategieänderung zu schließen.

Während Hashrate und Miner-Bestände nachgaben, stieg das Puell Multiple auf 1,13 (plus 0,24 gegenüber der Vorwoche). Das Puell Multiple setzt den täglichen USD-Wert der neu ausgegebenen Bitcoin ins Verhältnis zum 365-Tage-Durchschnitt und liegt damit über dem neutralen Bereich „über eins“, wenn die Tagesemissionserlöse höher sind als im längerfristigen Mittel. Das ist jedoch keine direkte Profitabilitätskennzahl: Kosten für Strom, Finanzierung und Hardware-Abschreibungen werden im Indikator nicht berücksichtigt. Dennoch kann die Kombination aus steigendem Emissions-Erlös und gleichzeitig sinkenden Miner-Reserven ein Muster andeuten, bei dem Erlöse kurzfristig höher ausfallen, Liquidität aber dennoch für andere Zwecke abgezogen wird. HalvingLens ordnet das Puell Multiple in diesem Umfeld als „normal“ ein und nennt zugleich tägliche Größenordnungen für Emission und Miner-Umsatz, was die Einordnung über den neutralen Bereich zusätzlich stützt.

Auch historisch lässt sich die aktuelle Phase in einen größeren Kontext einordnen: Der CEO von Twenty One Capital, Raphael Zagury, beschreibt den Zeitraum als den ersten „hashrate bear market“ im Abstand zum vorherigen Netzwerkrekord und nennt dabei eine Größenordnung des Rückgangs ausgehend vom späten 2025er Peak von etwa 22% bis 24%. In seiner Argumentation spielt zudem die Verlagerung von Rechenleistung und Kapital in Richtung KI-Workloads eine Rolle. Für CIOs und Technikverantwortliche in Rechenzentren ist das ein vertrautes Muster: Kapitaleffizienz und Investitionszyklen verschieben sich, sobald alternative Workloads attraktive Margen oder Verfügbarkeit bieten. Konkrete Beispiele im Bericht reichen von Minern, die ihre Aktivitäten reduzieren, bis zu Fällen wie der Vorbereitung einer US-Michigan-Anlage auf einen AI-Computing-Vertrag.

Besonders praxisnah wird die Lage an den Energiebedingungen, weil Bitcoin-Mining regional sehr unterschiedlich „fühlt“. Der Bericht nennt den Fall Äthiopiens: Dort wurden laut den Angaben die Stromlieferungen an Miner auf 23% des vertraglich vereinbarten Niveaus reduziert, nachdem die Wasserreserven im Kontext von Reservoirzuflüssen um 20% eingebrochen sind. Die Quelle stellt außerdem heraus, dass Mining in einer früheren Rechnungsperiode rund ein Drittel des Stromverbrauchs ausmachte und 35% der Einnahmen der jeweiligen Versorgereinheit generierte. Für Betreiber heißt das: Selbst wenn die Netzwerkproduktion von Blöcken weiter planmäßig läuft, können regionale Restriktionen über die Verfügbarkeit von Strom und den Betrieb einzelner Standorte die Hashrate im Wochenbild spürbar drücken. Genau deswegen passt die Schwierigkeitseinstellung (Difficulty) zwar grob alle 2.016 Blöcke an, aber einzelne Wochenkennzahlen bleiben ein Störspiegel für lokale Engpässe.

Für die Branche ergibt sich daraus ein klares Bild für die nächsten Wochen: Wer aus Hashrate- und Reserve-Signalen operative Entscheidungen ableitet, sollte stärker als bisher zwischen kurzfristiger Schwankung und strukturellem Kapazitätsabbau unterscheiden. Der Bericht zeigt zugleich, dass der Markt offenbar nicht nur auf die Rechenleistung schaut, sondern auch auf die Emissionsbasis über Indikatoren wie das Puell Multiple. Unternehmen, die sich mit Mining-Hosting, Infrastrukturplanung oder KI-Workload-Kapazitäten beschäftigen, sollten die Messgrößen deshalb im Verbund interpretieren: Mempool-Daten für die aktuelle Netzwerkdynamik, Reservebewegungen für Liquiditäts- und Treasury-Ströme und Difficulty-Anpassungen als Mittel zur Entkopplung von kurzfristigen Ausschlägen. So lässt sich die Frage beantworten, ob die aktuelle Schwäche lediglich ein Ergebnis von Standort- und Stromlogistik ist – oder ob sie auf breitere Verschiebungen im Investitionsverhalten der Miner hindeutet.


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