LONDON (IT BOLTWISE) – Das James Webb Weltraumteleskop hat ein langjähriges Rätsel um die Kristallbildung in den entferntesten Kometen unseres Sonnensystems gelöst. Diese Kometen enthalten kristalline Silikate, die normalerweise nur unter hohen Temperaturen entstehen. Doch wie kommen diese Materialien in die kalten Regionen der Oort-Wolke und des Kuipergürtels?

Das James Webb Weltraumteleskop (JWST) hat kürzlich ein faszinierendes Rätsel gelöst, das Astronomen seit Jahren beschäftigt. Viele der am weitesten entfernten Kometen unseres Sonnensystems enthalten kristalline Silikate, die normalerweise nur unter hohen Temperaturen entstehen. Diese Entdeckung war besonders verwirrend, da diese Kometen die meiste Zeit in der extrem kalten Oort-Wolke und im Kuipergürtel verbringen, wo die Temperaturen durchschnittlich bei -450 Grad Fahrenheit liegen.
Dank der neuen Bildgebung des JWST glauben Wissenschaftler nun, die Antwort auf dieses Rätsel gefunden zu haben. Die Lösung liegt in der Nähe eines jungen, weit entfernten Sterns, der etwa die gleiche Größe wie unsere Sonne hat. Der Protostern EC 53, einer von Tausenden, die sich im Serpens-Nebel etwa 1.300 Lichtjahre von der Erde entfernt befinden, ist von extrem heißem Staub und Gas umgeben – genau die Art von Umgebung, die zur Bildung kristalliner Silikate fähig ist.
EC 53 zeigt ein interessantes Verhalten: Nach etwa 18 Monaten relativer Ruhe beginnt der Protostern eine etwa 100-tägige Fressorgie, bei der er die umliegenden Staubwolken in sich aufnimmt. Gleichzeitig stoßen Ausströmungsstrahlen einen Teil dieses Materials an die Ränder seiner protoplanetaren Scheibe. Astronomen, die das JWST auf den Protostern richteten, identifizierten und kartierten die Standorte bestimmter Materialien während der aktiven und ruhigen Phasen von EC 53.
Jeong-Eun Lee, eine der Studienautorinnen und Astronomin an der Seoul National University in Südkorea, glaubt nun, dass EC 53 und ähnliche Protosterne ihre neu gebildeten Silikate während dieser Fresszeiten in den Weltraum schleudern. Diese Ausströmungen könnten die neu gebildeten kristallinen Silikate wie auf einer kosmischen Autobahn nach außen transportieren. Doug Johnstone, ein weiterer Studienautor, fügt hinzu, dass es erstaunlich sei, dass wir spezifische Silikate im Weltraum finden können, darunter Forsterit und Enstatit, die auch auf der Erde häufig vorkommen.
Obwohl EC 53 seit Millionen von Jahren wächst, ist der Protostern noch lange nicht fertig. Lee, Johnstone und ihre Kollegen schätzen, dass der Protostern noch weitere 100.000 Jahre von seiner Staubwolke umgeben bleiben könnte. In dieser Zeit sollten winzige Felsen und Trümmer weiterhin kollidieren und sich zu den Bausteinen zukünftiger Gas- und Gesteinsplaneten verbinden. Am Ende könnte ein neues Sternensystem entstehen, das dem um die Sonne ähnelt, und die ausgestoßenen Silikate könnten sehr wohl auf dem Weg zu ihren eigenen Kometen sein.
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