LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie zeigt, dass genetische Risiken für Depressionen mit finanziellen und bildungsbezogenen Herausforderungen verbunden sind. Überraschenderweise sind diese Herausforderungen nicht direkt durch das genetische Risiko selbst verursacht. Die Forschung beleuchtet, wie genetische Prädispositionen und soziale Umstände zusammenwirken, um die psychische Gesundheit im Laufe der Zeit zu beeinflussen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie im Journal of Psychopathology and Clinical Science untersucht, wie genetische Risiken für Depressionen mit sozialen und wirtschaftlichen Lebensumständen interagieren, um die psychische Gesundheit im Laufe der Zeit zu beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit einer höheren genetischen Veranlagung für Depressionen oft finanzielle und bildungsbezogene Herausforderungen erleben, diese jedoch nicht direkt durch das genetische Risiko selbst verursacht werden.
Die Forscher nutzten Daten aus zwei großen Langzeitprojekten in den USA, um die Entwicklungspfade zu verstehen, die zu depressiven Symptomen führen. Die erste Datensammlung stammte aus der National Longitudinal Study of Adolescent Health (Add Health), die 5.690 Teilnehmer von der Jugend bis ins frühe Erwachsenenalter verfolgte. Die zweite Datensammlung, die Wisconsin Longitudinal Study (WLS), umfasste 8.964 Teilnehmer und diente als Replikationsstudie, um die Ergebnisse in einer anderen Gruppe zu überprüfen.
Für beide Gruppen berechneten die Forscher einen sogenannten “polygenen Index” für jeden Teilnehmer, der tausende genetische Variationen zusammenfasst, die statistisch mit depressiven Symptomen assoziiert sind. Ein höherer Score deutet auf eine höhere genetische Wahrscheinlichkeit hin, Depressionen zu erleben. Die Forscher untersuchten vier spezifische sozioökonomische Ressourcen: Bildungsabschluss, Gesamtvermögen, Gesamtschulden und Zugang zu Krankenversicherung.
Die Ergebnisse zeigten, dass ein höheres genetisches Risiko für Depressionen mit einem Anstieg der depressiven Symptome über die Zeit verbunden war. Diese Verbindung wurde teilweise durch sozioökonomische Variablen erklärt. Teilnehmer mit höherem genetischem Risiko hatten tendenziell einen niedrigeren Bildungsabschluss, weniger Vermögen, mehr Schulden und Schwierigkeiten, eine Krankenversicherung aufrechtzuerhalten. Diese schwierigen Lebensumstände waren wiederum mit steigenden Depressionsniveaus verbunden.
Die Forscher führten auch eine “innerhalb der Familie”-Analyse durch, indem sie Geschwister in der Wisconsin-Studie verglichen. Diese strengere Analyse ergab, dass das genetische Risiko für Depressionen nicht direkt zu negativen sozioökonomischen Ergebnissen führte. Stattdessen deutet die Korrelation in der allgemeinen Bevölkerung auf andere gemeinsame Faktoren hin, die sowohl Depressionen als auch sozioökonomische Herausforderungen beeinflussen könnten.
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