BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Frist für die NIS2-Registrierung ist abgelaufen, und rund 18.500 Unternehmen in Deutschland haben den Stichtag verpasst. Dies könnte zu erheblichen Bußgeldern führen, da die betroffenen Firmen nun in einer rechtlichen Grauzone operieren. Die Registrierung ist entscheidend, um im Krisenfall schnell reagieren zu können.

Die NIS2-Richtlinie, die eine Registrierung beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vorschreibt, hat viele Unternehmen in Deutschland vor Herausforderungen gestellt. Obwohl die Bundesregierung ursprünglich von etwa 30.000 betroffenen Einrichtungen ausging, haben sich nur rund 11.500 Stellen registriert. Dies bedeutet, dass etwa 18.500 Unternehmen den Stichtag verpasst haben und nun Bußgelder riskieren.
Die Registrierung ist nicht nur eine Formalität. Unternehmen, die als „wichtig“ oder „besonders wichtig“ eingestuft werden, müssen nicht nur ihre Kontaktdaten, sondern auch technische Informationen zu kritischen Komponenten und IP-Adressbereichen angeben. Das Versäumnis dieser Registrierung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit Zwangsgeldern oder Bußgeldern von bis zu 10 Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden kann.
Ein wesentlicher Stolperstein für viele Unternehmen ist das Erfordernis eines Elster-Organisationszertifikats, um ein Unternehmenskonto zu erstellen. Diese Anforderung hat insbesondere bei internationalen Konzernen mit deutschen Tochtergesellschaften für Verwirrung gesorgt, da die Elster-Technologie hauptsächlich aus dem Steuerbereich bekannt ist. Das BSI hat angekündigt, zusätzliche Hilfestellungen für komplexe Konzernstrukturen bereitzustellen.
Die politische Kritik an der Umsetzung der NIS2-Richtlinie ist ebenfalls laut geworden. Die Grünen-Digitalpolitikerin Jeanne Dillschneider bezeichnete den niedrigen Registrierungsstand als Armutszeugnis und kritisierte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt scharf. Sie wirft ihm vor, sich in Plänen für einen sogenannten „Cyberdome“ zu verlieren, anstatt die Basisarbeit bei der IT-Sicherheit im eigenen Land abzusichern.
Die Ausweitung der betroffenen Sektoren hat viele Mittelständler überrascht. Während bisher vor allem Energieversorger oder Wasserwerke als Kritische Infrastruktur galten, umfasst NIS2 nun auch Unternehmen aus der Abfallwirtschaft, Chemie, Lebensmittelbranche und dem verarbeitenden Gewerbe. Viele dieser Firmen verfügen nicht über eigenständige Security-Teams und müssen sich erst in die neue Regulierung einarbeiten.
Die Bedeutung funktionierender Meldeketten wurde zuletzt durch einen Cyberangriff auf einen Dienstleister des Flughafens Berlin-Brandenburg verdeutlicht, der die Abfertigungssysteme lahmlegte. Um solche Kaskadeneffekte in Zukunft besser einzudämmen, gelten für NIS2-Einrichtungen strenge Meldefristen. Ohne vorherige Registrierung laufen diese Meldewege jedoch ins Leere, was die aktuelle Zurückhaltung vieler Unternehmen problematisch macht.
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