BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) fordert eine europäische Lösung für lokale Energieversorgungsanlagen. Die bestehende Übergangsregelung bis 2028 reicht nicht aus, um die rechtliche Sicherheit für neue Projekte zu gewährleisten. Ohne eine dauerhafte Regelung drohen wirtschaftliche Nachteile für dezentrale Energieprojekte.

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) hat gemeinsam mit zahlreichen Verbänden und Bündnissen einen dringenden Appell an die Bundesregierung gerichtet, um eine langfristige und rechtssichere Regelung für lokale Energieversorgungsanlagen zu schaffen. Diese Anlagen, auch als Kundenanlagen bekannt, ermöglichen es Eigentümern, ihre Mieter direkt mit lokal erzeugtem Strom oder Wärme zu versorgen. Die derzeitige Übergangslösung im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) für Bestandsanlagen bis Ende 2028 wird zwar begrüßt, jedoch fehlt eine klare Regelung für neue Projekte, was viele dezentrale Energievorhaben bremst oder gar zum Stillstand bringt.
Die Bedeutung von Kundenanlagen für die Energiewende im Gebäudesektor kann nicht unterschätzt werden. Sie sind ein zentraler Pfeiler, um die Klimaziele zu erreichen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs im Mai 2025, das auf einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs basiert, hat jedoch die bisherige rechtliche Konstruktion von Kundenanlagen als nicht konform mit der EU-Strombinnenmarktrichtlinie beanstandet. Diese Neuauslegung hat massive negative Auswirkungen auf dezentrale Energieerzeugungsanlagen, die bisher von der Netzregulierung befreit waren.
Ohne eine rechtliche Klarstellung droht, dass jede Hausverteilung als reguliertes Netz gilt, was für Gebäudeeigentümer unzumutbare bürokratische Pflichten und letztlich steigende Strompreise für die Bewohner von Mehrfamilienhäusern bedeuten könnte. Auch bei Wirtschaftsimmobilien wie Einkaufszentren oder Bürogebäuden steht die Versorgung über Kundenanlagen auf dem Spiel. Der Wegfall der Befreiung von der Netzregulierung könnte hohe Zusatzkosten verursachen und Investitionen in Solar- oder Wärmetechnik unrentabel machen.
Der ZIA unterstützt daher die Bemühungen der Bundesregierung, eine europäische Lösung herbeizuführen. Eine Anpassung der Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie wäre notwendig, um den Erhalt der Kundenanlage in ihrer bisherigen Form zu sichern. Zahlreiche Verbände, darunter der Bundesverband der Deutschen Industrie und der Bundesverband Erneuerbare Energien, unterstützen diesen Appell. Eine dauerhafte Lösung ist entscheidend, damit Mieterstrom- und Quartiersmodelle ihren rechtlichen Status verlässlich behalten können.
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