HELSINKI / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie aus Finnland legt nahe, dass schwere Harnwegsinfektionen das Risiko für die Entwicklung von Demenz erhöhen könnten. Forscher der Universität Helsinki fanden heraus, dass solche Infektionen unabhängig von anderen Erkrankungen mit einem höheren Demenzrisiko in Verbindung stehen. Diese Erkenntnisse könnten neue Wege zur Prävention von Demenz eröffnen.

In der aktuellen Forschung zur Demenzprävention rückt ein bisher wenig beachteter Faktor in den Fokus: schwere Infektionen, insbesondere der Harnwege. Wissenschaftler der Universität Helsinki haben in einer umfassenden Studie herausgefunden, dass solche Infektionen das Risiko, Jahre später an Demenz zu erkranken, signifikant erhöhen können. Diese Entdeckung ist besonders bemerkenswert, da sie unabhängig von anderen gesundheitlichen Bedingungen wie Diabetes oder Herzkrankheiten gemacht wurde, die ebenfalls das Risiko für Infektionen und Demenz erhöhen können.
Die Forscher analysierten Daten von über 62.000 Menschen in Finnland, die zwischen 2017 und 2020 mit spät einsetzender Demenz diagnostiziert wurden. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von über 312.000 Personen ohne Demenz zeigte sich, dass 29 im Krankenhaus behandelte Erkrankungen mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden waren. Unter diesen Erkrankungen stachen Harnwegsinfektionen und bakterielle Infektionen besonders hervor. Nach Berücksichtigung anderer Faktoren wie Bildung und Beschäftigungsstatus ergab sich, dass schwere Infektionen das Demenzrisiko um 19 Prozent erhöhten.
Ein möglicher Grund für diesen Zusammenhang könnte die durch Infektionen ausgelöste Entzündung sein, die das Immunsystem in einen überaktiven Zustand versetzt und dadurch das Gehirn schädigen kann. Interessanterweise deutet die Studie darauf hin, dass der Zeitpunkt der Infektion eine Rolle spielt. Im Durchschnitt lagen fünf bis sechs Jahre zwischen der Infektion und der Demenzdiagnose, was darauf hindeutet, dass Infektionen möglicherweise frühe Demenzprozesse beschleunigen oder einen kritischen Punkt überschreiten könnten.
Die Studie zeigt auch, dass neben Infektionen andere nicht-infektiöse Erkrankungen wie alkoholbedingte psychische Störungen, Parkinson und Hirnerkrankungen mit einem höheren Demenzrisiko verbunden sind. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, das Verständnis darüber zu vertiefen, wie Demenz entsteht und welche Faktoren sie beeinflussen können. Obwohl die Studie keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Infektionen und Demenz beweist, unterstreicht die Stärke der Assoziation die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen.
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