BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie von deutschen und australischen Astronomen stellt die bisherige Vorstellung über die Entstehung von Radiosignalen bei Millisekundenpulsaren in Frage. Die Forscher entdeckten, dass diese Signale nicht nur in der Nähe der Magnetpole, sondern auch in weiter entfernten Regionen entstehen können, was die bisherigen Theorien herausfordert.

Ein internationales Forscherteam hat eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die unser Verständnis von Millisekundenpulsaren revolutionieren könnte. Diese schnell rotierenden Sterne, die als kosmische Leuchttürme fungieren, senden Radiosignale aus, die bisher nur in der Nähe ihrer Magnetpole vermutet wurden. Doch die neue Studie zeigt, dass diese Signale auch aus weiter entfernten Regionen stammen können.
Die Untersuchung, die von Michael Kramer vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie und Simon Johnston von der australischen CSIRO durchgeführt wurde, analysierte Daten von fast 200 Millisekundenpulsaren. Dabei fiel auf, dass etwa ein Drittel dieser Pulsare Radiosignale aus zwei oder mehr getrennten Regionen aussendet. Diese Entdeckung stellt die bisherige Annahme in Frage, dass die Signale ausschließlich in der Nähe der Sternoberfläche entstehen.
Besonders bemerkenswert ist die Übereinstimmung der Radiosignale mit den vom Fermi-Satelliten der NASA detektierten Gammastrahlen. Dies deutet darauf hin, dass beide Signale in derselben extremen Umgebung erzeugt werden. Die Forscher vermuten, dass die Radiowellen nicht nur nahe den Magnetpolen, sondern auch in einer sogenannten Stromschicht außerhalb des Lichtzylinders entstehen, wo die Magnetfelder mit nahezu Lichtgeschwindigkeit rotieren.
Diese Entdeckung hat weitreichende Konsequenzen für die Astronomie. Sie könnte bedeuten, dass mehr Pulsare nachweisbar sind als bisher angenommen, da die Radiostrahlung sich in mehrere Richtungen ausbreitet. Zudem erklärt sie, warum die Polarisation der Radiowellen von Millisekundenpulsaren oft schwer zu interpretieren ist. Die Forscher stehen nun vor der Herausforderung, zu erklären, wie in einer so extremen Umgebung stabile Radiopulse erzeugt werden können.
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