HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters zeigt, dass KI-Chatbots das riskante Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen in Deutschland verstärken können. Rund 350.000 Kinder und Jugendliche sind bereits süchtig nach Social Media, und über eine Million zeigen riskante Nutzungsmuster. Die Studie beleuchtet die Rolle von KI-Chatbots und die damit verbundenen psychosozialen Belastungen.

Die zunehmende Nutzung von KI-Chatbots durch Jugendliche in Deutschland wirft neue Fragen zur Medienkompetenz und psychischen Gesundheit auf. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) zeigt, dass diese digitalen Assistenten das Potenzial haben, riskante Mediennutzungsmuster zu verstärken. Besonders besorgniserregend ist, dass viele Jugendliche den Chatbots mehr Vertrauen schenken als realen Menschen, was auf eine tiefere psychosoziale Problematik hinweist.
Die Untersuchung, die im Auftrag der Krankenkasse DAK Gesundheit durchgeführt wurde, zeigt, dass rund 350.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland bereits süchtig nach Social Media sind. Bei über einer Million Minderjährigen wird eine riskante Mediennutzung festgestellt, die jedoch noch nicht den Alltag beeinträchtigt. Die Forscher betonen, dass die Nutzung von KI-Chatbots nicht zwangsläufig die Ursache für psychosoziale Belastungen ist, jedoch als Bewältigungsmechanismus für Einsamkeit und Stress genutzt wird.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass etwa 40 Prozent der befragten Jugendlichen den KI-Chatbots oft oder sehr oft vertrauen. Diese Chatbots sind so programmiert, dass sie soziale Interaktionen imitieren, was zur Bildung parasozialer Beziehungen führen kann. Diese einseitigen Beziehungen, die normalerweise zu Prominenten oder fiktiven Charakteren bestehen, werden nun auch zu digitalen Assistenten aufgebaut, was die emotionale Bindung und Abhängigkeit verstärken kann.
Die Debatte über eine Altersgrenze für die Nutzung von Social Media und digitalen Plattformen gewinnt an Fahrt. In Australien wurde bereits ein Mindestalter von 16 Jahren eingeführt, jedoch zeigt die Praxis, dass viele Jugendliche diese Beschränkungen umgehen können. In Deutschland wird über ähnliche Maßnahmen diskutiert, wobei Experten auch alternative Ansätze wie die Einschränkung süchtigmachender Mechanismen wie Push-Nachrichten und Autoplay in Betracht ziehen.
Die Studienleiterin Kerstin Paschke schlägt vor, eine Altersgrenze von 14 Jahren für Jugendversionen von Plattformen und 16 Jahren für Erwachsenenversionen einzuführen. Der DAK-Chef Andreas Storm fordert einen Kabinettsbeschluss zu einem Mindestalter. Die Studie selbst gibt keine klare Empfehlung für oder gegen eine Altersgrenze, sondern plädiert für eine Verbesserung der analogen Freizeitangebote und eine gezielte Medienkompetenzvermittlung in Schulen und durch Eltern.
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