BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Digitalfunk-Projekt der Bundeswehr steht erneut in der Kritik. Trotz Investitionen von rund zwei Milliarden Euro ist die Technik noch nicht einsatzbereit. Experten bemängeln die veralteten Strukturen und die ineffiziente Mittelverwendung.

Das Digitalfunk-Projekt der Bundeswehr, das als eines der komplexesten Rüstungsprojekte gilt, hat bereits rund zwei Milliarden Euro verschlungen, ohne dass die Technik einsatzfähig ist. Diese Informationen stammen aus einem vertraulichen Schreiben des Verteidigungsministeriums an den Bundestag, über das die ‘Welt’ berichtet. Die bisherigen Ausgaben belaufen sich auf etwa 1,749 Milliarden Euro, ergänzt durch weitere 299 Millionen Euro für flankierende Maßnahmen. Diese Summe ist bereits vollständig abgeflossen, obwohl das Projekt seit Monaten in der Kritik steht.
Das Großprojekt ‘Digitalisierung Landbasierte Operationen’ (D-LBO) soll Soldaten, Fahrzeuge und Gefechtsstände digital vernetzen, um ein modernes Gefechtsmanagement zu ermöglichen. Neben Funkgeräten umfasst das Projekt auch Technologien wie die europäische Wellenform ‘Essor’, die Anbindung an zellulare Netze und verschiedene Funksysteme für unterschiedliche Fahrzeugtypen. Trotz der hohen Investitionen bleibt die Technik jedoch bislang unzureichend, was zu erheblicher Kritik geführt hat.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, kritisierte den Umgang mit Mitteln und Strukturen im Verteidigungsbereich scharf. Sie bemängelte, dass über Jahre hinweg Geld gefehlt habe, während verkrustete Strukturen insbesondere in der Beschaffung notwendige Fortschritte gebremst hätten. Nun stünden zwar erhebliche Mittel zur Verfügung, doch die veralteten Strukturen bestünden fort, was die Situation paradoxerweise kaum verbessert habe.
Die Frage nach der Verantwortung und dem Verbleib des Verteidigungsministers wird immer lauter, insbesondere angesichts der sicherheitspolitischen Lage. Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die ineffiziente Mittelverwendung, sondern auch gegen die mangelnde Planung und Kontrolle bei der Umsetzung des Projekts. Die Bundesregierung hat sich auf Kosten der jungen Generation hoch verschuldet, um das Sondervermögen zu finanzieren, das nun ohne wirksame Kontrolle ausgegeben wird.
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