ISTANBUL / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie zeigt, dass unkontrollierter Zugang zu Künstlicher Intelligenz das Mathematiklernen von Schülern beeinträchtigen kann. Während KI-gestützte Tools kurzfristig zu besseren Ergebnissen führen, zeigen sich langfristig negative Effekte auf die Fähigkeit, Probleme eigenständig zu lösen. Diese Erkenntnisse werfen Fragen zur Rolle von KI in der Bildung auf.

Die Einführung von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in den Bildungsbereich hat zu einer kontroversen Diskussion über deren Auswirkungen auf das Lernen geführt. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in den Proceedings of the National Academy of Sciences, untersucht, wie unbeschränkter Zugang zu KI-Tools das Mathematiklernen von Schülern beeinflusst. Die Ergebnisse zeigen, dass Schüler, die während des Unterrichts auf KI zurückgreifen, bei Prüfungen ohne diese Hilfsmittel schlechter abschneiden als ihre Mitschüler, die keine KI verwendet haben.
Generative KI-Systeme, die in der Lage sind, eigenständig Inhalte zu erstellen, haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Diese Technologie analysiert Muster in großen Datenmengen, um originelle Inhalte zu generieren, sei es in Form von Texten oder mathematischen Lösungen. Obwohl diese Systeme das Potenzial haben, die Produktivität zu steigern, gibt es Bedenken, dass sie die kognitive Entwicklung beeinträchtigen könnten, indem sie die Fähigkeit zur kritischen Problemlösung untergraben.
Die Studie, geleitet von Alp Sungu, einem Assistenzprofessor an der Wharton School der University of Pennsylvania, untersucht das Konzept der kognitiven Atrophie. Diese Theorie besagt, dass das Auslagern von Denkprozessen an Maschinen die Fähigkeit des Gehirns, eigenständig zu denken, schwächen könnte. Besonders problematisch ist dies, da KI-Modelle häufig fehlerhafte Informationen generieren, was bedeutet, dass Nutzer die Expertise behalten müssen, um die Ergebnisse der Maschinen kritisch zu bewerten.
In einem Experiment an einer großen Schule in der Türkei wurden Schüler in drei Gruppen eingeteilt: eine Kontrollgruppe, die mit traditionellen Lehrmitteln arbeitete, eine Gruppe mit einem standardmäßigen KI-Tool (GPT Base) und eine Gruppe mit einem speziell angepassten KI-Tool (GPT Tutor), das den Lernprozess durch gezielte Hinweise unterstützte. Die Ergebnisse zeigten, dass Schüler mit dem unbeschränkten KI-Zugang zwar während der Übungsphasen besser abschnitten, jedoch bei den Prüfungen ohne KI-Hilfe schlechter abschnitten als die Kontrollgruppe.
Die Forscher fanden heraus, dass Schüler, die das GPT Base-Tool verwendeten, oft direkt nach den Antworten fragten, ohne die zugrunde liegenden Konzepte zu verstehen. Dies führte dazu, dass sie unvorbereitet waren, als sie ähnliche Probleme eigenständig lösen mussten. Im Gegensatz dazu mussten Schüler, die das GPT Tutor-Tool verwendeten, aktiv mit dem Material interagieren, was ihre Lernfähigkeit bewahrte.
Diese Ergebnisse werfen wichtige Fragen zur Integration von KI in den Bildungsbereich auf. Während gut gestaltete KI-Programme das Potenzial haben, das Lernen zu unterstützen, zeigt die Studie, dass unkontrollierter Zugang zu generativer KI das Lernen beeinträchtigen kann. Zukünftige Forschungen sollten sich darauf konzentrieren, wie KI-Tools so gestaltet werden können, dass sie den Lernprozess unterstützen, ohne die kognitive Entwicklung zu gefährden.
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