GILCHING / LONDON (IT BOLTWISE) – Hoenle meldet für die ersten sechs Monate 2025/26 einen Umsatz von 45,3 Mio. EUR und damit einen Rückgang um 3,9 %. Gleichzeitig zeigt sich im zweiten Quartal eine spürbare Belebung der Geschäftstätigkeit, während das EBITDA im Jahresverlauf stabiler ausfällt. Der Vorstand knüpft den Ausblick 2025/26 an ein moderates Wachstumsbild und erwartet ein EBITDA zwischen 6 und 9 Mio. EUR. Ausschlaggebend sind neben Kostensenkungen vor allem die weitere Entwicklung der Investitionsneigung im Maschinenbau sowie geopolitische Rahmenbedingungen.

Der Halbjahresbericht der Hoenle Gruppe zeichnet ein Bild, das für viele Industrieunternehmen derzeit typisch ist: gedämpfte Nachfrage trifft auf operative Disziplin. Für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2025/26 erzielte das Unternehmen Umsatzerlöse von 45,319 Mio. EUR und lag damit unter dem Vorjahr (47,168 Mio. EUR). Besonders spürbar war die Schwäche in der Business Unit Härtung, die in der Ergebnislogik stark mit dem Investitionszyklus im Maschinen- und Anlagenbau verknüpft ist. Während sich das Umfeld insgesamt weiter von Unsicherheit prägt, deutet das zweite Quartal auf eine vorsichtige Normalisierung hin.
Die Zahlen zeigen, wie stark sich Timing-Effekte auf das Quartalsprofil auswirken. Nach einem Umsatz von 21,475 Mio. EUR im ersten Quartal stieg der Wert im zweiten Quartal auf 23,844 Mio. EUR. Parallel kletterte das EBITDA von 0,5 Mio. EUR (Q1) auf 2,2 Mio. EUR (Q2), was insbesondere für die Bewertung der operativen Steuerung relevant ist. Hoenle führt das unter anderem auf umgesetzte Kostensenkungsmaßnahmen zurück: Portfoliobereinigungen hätten dazu beigetragen, das Rohergebnis trotz niedrigerem Umsatzniveau auf Vorjahresniveau zu halten. Das Rohergebnis lag im ersten Halbjahr bei 29,985 Mio. EUR (Vj. 29,946 Mio. EUR).
Technisch betrachtet ist der Geschäftshebel bei Hoenle weniger „Software-lastig“, sondern in der industriellen Anwendungstechnik verankert: UV-härtende Prozesse, UV-LED-Systeme sowie UV-basierte Entkeimungssysteme stehen für Lösungen, die in Produktionslinien Geschwindigkeit, Prozesssicherheit und häufig auch niedrigere thermische Belastung adressieren. Im Bereich Klebstoffsysteme nennt das Unternehmen vor allem UV-härtende Klebstoffe und optimierte UV-Härtungstechnologien, die schnellere Verarbeitungsprozesse und geringere Wärmeeinträge ermöglichen. Die Business Unit Härtung wiederum bündelt Härtungssysteme für Anwendungen im Verpackungsdruck, für Beschichtungen auf 2D- und 3D-Objekten sowie für technische Folien und Etiketten. Hier wirkt die Investitionszurückhaltung im Maschinenbau wie ein Drosselventil auf Projekt- und Anlagenabrufe.
Verglichen mit anderen Industrie-Playern wird dieser Zusammenhang besonders deutlich, wenn man auf die typische Lieferkettenlogik der Branche schaut: Bei Kapitalgütern entstehen Umsätze häufig erst, wenn Anlagen konkret beschafft, installiert und in Betrieb genommen werden. Das erklärt, warum Hoenle zwar mit stabilen Bruttomargen gegensteuern kann, aber die Ergebniskennzahlen zeitversetzt unter Volumenänderungen leiden. So lag das EBITDA im Berichtshalbjahr zwar insgesamt bei 2,736 Mio. EUR (unter dem Vorjahr 3,022 Mio. EUR), während das EBIT mit 24 Tsd. EUR leicht positiv blieb (Vj. 274 Tsd. EUR). Unterhalb der operativen Kennzahlenspur verschlechterten sich Vorsteuer- und Konzernergebnis: Das EBT betrug -1,039 Mio. EUR (Vj. -624 Tsd. EUR), das Konzernergebnis -825 Tsd. EUR (Vj. -399 Tsd. EUR). Das Ergebnis je Aktie lag bei -0,14 EUR (Vj. -0,07 EUR).
Marktseitig bleibt der Ausblick in hohem Maße an Makro- und Projektfaktoren gekoppelt. Der Vorstand beschreibt ein Umfeld, das weiterhin von erhöhter Unsicherheit geprägt ist: Geopolitische Spannungen und eine verhaltene Investitionsneigung in einzelnen Kundensegmenten – besonders im Maschinenbau – beeinträchtigen die Visibilität. Branchenberichte verweisen parallel darauf, dass der konjunkturelle Tiefpunkt im Jahr 2025 bereits durchschritten sein könnte und 2026 eine Belebung möglich wäre. Damit rückt bei Hoenle weniger die Frage „ob“ UV-basierte Verfahren langfristig relevant bleiben, sondern „wann“ Projekte wieder schneller durchlaufen. Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf After-Sales- und Lifecycle-Solutions, um Umsätze und Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte zu stabilisieren.
Auch im Wettbewerb ist diese Strategie nachvollziehbar, weil sich UV-Prozessketten in vielen Produktionsumgebungen nicht einfach austauschen lassen. Nutzer erwarten Integrationsfähigkeit, robuste Prozessfenster und verlässliche Wartungs- und Ersatzteilverfügbarkeit. Hoenle adressiert dies durch den Ausbau des After-Sales-Geschäfts, durch striktes Kostenmanagement sowie durch eine kontinuierliche Bereinigung des Produktsortiments. In der Business Unit Entkeimung lässt sich derselbe Mustertrend erkennen: Die UV-basierte Entkeimung wird als zuverlässig und effizient positioniert, mit Systemen zur Entkeimung von Wasser, Oberflächen und Luft. Hoenle liefert dafür Strahler und Komponenten an Hersteller von Wasseraufbereitungssystemen und bietet zudem Lösungen für Lebensmittelindustrie sowie Luftentkeimer für industrielle Anwendungen.
Ergänzend wirkt in der Entkeimungssparte ein struktureller Treiber, der über den Maschinenbau-Zyklus hinausgeht: regulatorische und Qualitätsanforderungen in der Lebensmittel- und Hygieneindustrie sowie der technologische Bedarf an kontrollierten Mikroben- und Prozessparametern. Das Unternehmen integriert dabei auch micro-biologische Dienstleistungen zur Qualitätskontrolle und erweitert das Portfolio kontinuierlich um Nieder- und Mitteldrucklampen, LEDs, gepulstes UV-Licht sowie komplette Systeme. Besonders bemerkenswert ist, dass Hoenle Qualifizierungen für die Reinstwasser-Aufbereitung in der Halbleiterindustrie vorantreibt und bereits erste nennenswerte Umsätze im letzten Geschäftsjahr meldet. Das kann perspektivisch helfen, Nachfrageprofile weniger konjunkturabhängig zu machen.
Ausblickend bleibt der Ton bewusst vorsichtig, aber handlungsorientiert. Für das Geschäftsjahr 2025/2026 erwartet der Vorstand bei im Wesentlichen stabilen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen moderaten Umsatzanstieg auf 95 Mio. EUR bis 105 Mio. EUR. Das EBITDA soll dabei im Korridor von 6 Mio. EUR bis 9 Mio. EUR liegen, wobei das untere Ende ein Szenario anhaltend verhaltener Nachfrage abbildet. Das obere Ende hängt an einer spürbaren Belebung der Projektaktivitäten. Grundlage sind Annahmen, dass es zu keiner wesentlichen Eskalation der geopolitischen Lage kommt und dass interne Maßnahmen zur Kostenreduktion, Effizienzsteigerung sowie Projektrealisierung planmäßig umgesetzt werden. Sollten sich die Prämissen wesentlich ändern, will der Vorstand die Prognose überprüfen und gegebenenfalls anpassen.
Für die nächste Phase ist entscheidend, wie Hoenle die Balance zwischen kurzfristiger Ergebnissicherung und langfristigem Wachstum hinbekommt. Neben Kostendisziplin und Portfoliosteuerung spielt dabei die Projektpipeline in den Anwendungsfeldern Electronics, Medical und Optics eine Rolle, etwa durch Neukundengeschäft mit OEMs sowie durch konkrete Projektgespräche. In der Business Unit Härtung zielt das Unternehmen auf steigende Umsätze und Ergebnisbeiträge in den kommenden Jahren, gestützt durch Innovationsprojekte und eine konsequente Lifecycle-Orientierung. Marktteilnehmer sollten außerdem beobachten, ob sich in 2026 tatsächlich eine Projektbelebung zeigt: Sie wäre ein zentraler Katalysator für das obere Ende des EBITDA-Korridors. Gleichzeitig schafft die Diversifikation über Klebstoff-, Härtungs- und Entkeimungstechnologien einen gewissen Puffer – allerdings nur, wenn Qualifizierungs- und Rollout-Zyklen sauber in Gang kommen.
Aus Compliance- und Datenschutzsicht ist die Meldung zwar nicht primär digital getrieben, dennoch ist die Sicherheits- und Qualitätsdimension der UV-basierten Systeme relevant: In industriellen Produktionsumgebungen zählen Prozesssicherheit, dokumentierte Qualitätskontrollen und nachvollziehbare Parameterführung, insbesondere wenn Komponenten in sensiblen Bereichen wie Reinstwasser oder medizinnahe Anwendungen eingesetzt werden. Für Unternehmen, die solche Systeme in ihre Prozesse integrieren, werden damit Auditierbarkeit und klare technische Spezifikationen zum entscheidenden Einkaufskriterium. Die aktuelle Ergebnisentwicklung zeigt, dass Hoenle die operativen Grundlagen stärkt, um auch bei schwankender Nachfrage handlungsfähig zu bleiben. Wenn die Annahmen im Ausblick bestätigt werden, könnten Entwickler, Integratoren und Kunden nächstes Jahr wieder stärker von stabileren Projektzyklen profitieren.
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