MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Circus SE zieht in die Alte und Neue Siederei ein und mietet rund 5.200 m² für Forschung, Entwicklung und moderne Arbeitswelten. Der Standort im Norden Münchens bringt Labor- und Büroflächen in einem ehemaligen Industrieareal zusammen, das Dr. Schnell zu einem Mixed-Use-Quartier umgebaut hat. Die auf KI-gestützte Robotik und Automatisierung für die Lebensmittelversorgung spezialisierte Firma will damit ihre autonomen Koch- und Versorgungssysteme weiter skalieren. Damit wird der Münchner Innovationscampus zunehmend zur Drehscheibe für Deep-Tech-Arbeit unter einem Dach.

In Münchens Norden wächst ein weiterer Deep-Tech-Standort: Die Circus SE hat rund 5.200 m² Fläche in der „Alten Siederei“ und der „Neuen Siederei“ angemietet. Der Schwerpunkt liegt klar auf Entwicklung und R&D, während Außenflächen sowie hochwertig ausgestattete Bürobereiche die Nutzung für Teams ergänzen, die nicht nur testen, sondern auch produktiv arbeiten und Wissen austauschen müssen. Für die Immobilieneigentümerseite geht es dabei um mehr als Vermietung: Das Ensemble steht sinnbildlich für den Wandel eines traditionsreichen Industriestandorts zu einem modernen Innovationscampus mit unterschiedlichen Nutzerprofilen.
Dass aus dem historischen Produktionsumfeld heute ein Arbeits- und Begegnungsort geworden ist, prägt auch die technische Einsatzlogik der Flächen. Die Alte und Neue Siederei bilden dabei eine Art städtebauliche „Scharnierstelle“ zwischen Laborbetrieb, Prototyping und dem Alltag von interdisziplinären Teams. In der Praxis bedeutet das: Kurze Wege zwischen Büro, Entwicklungsumgebung und Labor- bzw. Gewerbenutzung können die Iterationszyklen beschleunigen. Genau diese Zyklen sind in der Robotik besonders wichtig, weil Soft- und Hardware-Komponenten häufig parallel entwickelt und wiederholt in unterschiedlichen Umgebungen validiert werden müssen.
Die „Neue Siederei“ setzt auf flexible Büro-, Labor- und Gewerbeflächen im Industrial-Loft-Stil und erlaubt damit unterschiedliche Nutzungskonzepte. Das ist mehr als ein Designversprechen: Für Unternehmen, die Robotik- und Automatisierungslösungen entwickeln, entscheidet die Verfügbarkeit passender Infrastrukturen über Tempo. Dazu zählen beispielsweise funktionale Grundrisse für Versuchsräume, geeignete Bereiche für Technikaufbauten sowie eine Ausstattung, die auch nicht standardisierte Tests ermöglicht. Gleichzeitig profitieren Nutzer von der Umgebung mit Gastronomie, Community-Flächen und Eventformaten, etwa mit Dachterrasse und Blick über die Stadt, wodurch sich Rekrutierung und Partnerarbeit organisatorisch leichter gestalten.
Auch die Standortwahl in München-Milbertshofen ist strategisch. Die Lage in unmittelbarer Nähe zu zentralen Technologie- und Forschungsclustern wie dem BMW Forschungs- und Innovationszentrum sowie der Parkstadt Schwabing erhöht die Wahrscheinlichkeit für Kooperationen, Talentzufluss und die Anbindung an bestehende Ökosysteme. Für ein KI-robotikgetriebenes Unternehmen zählt außerdem, dass Innenstadt und Flughafen schnell erreichbar sind, um produktnahe Abstimmungen, Kunden- und Partnertermine sowie internationale Projektlogistik effizient zu halten. Im Enterprise-Kontext wird dadurch die „Time-to-Iteration“ in der Zusammenarbeit mit Lieferketten, Herstellern und Pilotkunden tendenziell kürzer.
Mit dem Einzug der Circus SE rückt ein besonders dynamischer Teil der europäischen Deep-Tech-Szene in den Fokus: KI-gestützte Robotik und Automatisierungslösungen für die Lebensmittelversorgung. Das Unternehmen entwickelt autonome Koch- und Versorgungssysteme, die die Zubereitung und Ausgabe von Mahlzeiten weitgehend automatisieren sollen. Gerade in personalintensiven Umgebungen verspricht das Ansatzpunkte für Effizienz, Skalierbarkeit und Versorgungssicherheit. Im Vergleich zu rein softwarebasierten Automation-Vorhaben ist der technische Anspruch allerdings höher, weil Robotik-Feeding, Mensch-Maschine-Interaktion, Sensorik, Qualitätskontrolle und Betriebssicherheit zusammenwirken müssen.
Der Markt dafür wird nicht nur von Startups geprägt, sondern auch von Unternehmen, die in angrenzenden Bereichen ähnliche Zielbilder verfolgen. Als Referenz lassen sich etwa Ansätze aus dem Umfeld kommerzieller Küchenautomatisierung nennen, bei denen „robotic kitchen“ und autonome Abläufe als Weg zu standardisierten Prozessen betrachtet werden. In der Wettbewerbslogik geht es für Circus SE damit weniger um die reine Machbarkeit einzelner Robotik-Schritte, sondern um die Wiederholbarkeit im Alltag: stabile Auslastung, robuste Workflows und ein Engineering, das wechselnde Zutaten- und Qualitätsparameter toleriert. Genau hier können flexible Labore und moderne Arbeitswelten den Unterschied machen, weil die Feldvalidierung schneller erfolgen kann.
Branchenexperten ordnen solche Flächentransaktionen häufig als Indikator für den Übergang vom Forschungsstadium in Richtung Skalierungsphase ein. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass ein Standort dann nicht nur „Entwicklerteams“ beherbergt, sondern einen Betrieb aufbaut, der Produkte systematisch industrialisiert. In diesem Sinne passt auch die Bewertung von Dieter Mendl, Managing Partner der Stock Real Estate GmbH: Er betont, dass Münchens Robotics-Szene aktuell mit hoher Dynamik expandiert, während zugleich nur wenige Flächen Kombinationen aus Forschung, Entwicklung und modernen Arbeitswelten unter einem Dach abdecken. Diese Aussage spiegelt die zentrale Marktrealität: Flächen sind für Deep-Tech längst Teil der technischen Architektur.
Für die nächsten Monate und Jahre dürfte die neue Mietfläche vor allem drei Effekte haben. Erstens kann die Circus SE Entwicklungsarbeit konsolidieren und damit die Übergabe zwischen Prototyping, Software-Iteration und Inbetriebnahme in Pilikumgebungen glätten. Zweitens steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kooperationspartner aus dem Umfeld schneller eingebunden werden, weil Labor- und Arbeitsbereiche räumlich „anschlussfähig“ sind. Drittens wirkt der Standort als Signal an Bewerber und Investoren, dass die Organisation nicht nur experimentiert, sondern planbar wächst. In der Breite heißt das: Weitere Robotics- und KI-Teams werden München stärker als Plattform für Enterprise-taugliche Innovation wahrnehmen.
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