KÖLN / KREFELD / LONDON (IT BOLTWISE) – MBS erweitert sein Partnernetzwerk um das Kölner Startup ENTENDIX, das eine KI-gestützte Plattform für Bestandsgebäude entwickelt. Die Lösung baut auf vorhandenen BACnet-Daten auf und erzeugt daraus kundenspezifisch einen digitalen Zwilling. Gateways von MBS sollen dabei als Schlüssel für das initiale Einsammeln der Gebäudedaten dienen. Für Betreiber und Facility-Management steht vor allem Transparenz statt „Blindflug“ sowie potenziell messbare Einsparungen bei Energie und Kosten im Fokus.

Die Krefelder MBS GmbH bringt Bewegung in den Bestandsmarkt der Gebäudeautomation: Das Unternehmen erweitert sein Partnernetzwerk um ENTENDIX aus Köln. Kern der Kooperation ist eine neue IoT- und KI-basierte Plattform, die aus bestehenden Datenpunkten in Automationssystemen ein Monitoring- und Betriebscockpit ableitet. Während im Neubau häufig standardisierte Schnittstellen und nachvollziehbare Anlagenhistorien die Analyse erleichtern, bleibt die technische Realität in vielen Altbauten heterogen. Genau dort setzt ENTENDIX an: Die Plattform soll auf Basis von BACnet-Daten kundenindividuell vollautomatisiert aufgebaut werden.
Technisch beginnt alles mit dem Datenzugriff. ENTENDIX nutzt dafür die Gateways von MBS, die als Brücke zwischen der installierten Gebäudeautomation und der späteren KI-Auswertung fungieren. Diese Gateways erfassen die relevanten Informationen aus den bestehenden Systemen, unabhängig davon, wie alt die Kommunikationsprotokolle oder wie unterschiedlich die jeweiligen Anlagen in der Praxis gewachsen sind. Das Produktziel wirkt dadurch wie eine „Data-First“-Strategie: Erst werden Daten zuverlässig eingesammelt, anschließend klassifiziert und in strukturierte Modelle überführt. So entsteht die Grundlage für einen digitalen Zwilling der jeweiligen Gebäudeautomation.
Im nächsten Schritt kommt der KI-Teil ins Spiel. Laut Unternehmensdarstellung klassifiziert die Plattform die vorhandenen Datenpunkte, damit die Struktur der Gebäudetechnik maschinenlesbar wird. Erst darauf aufbauend lassen sich über Algorithmen automatisierte Auswertungen erstellen, beispielsweise welche Technik verbaut ist, welche Informationen tatsächlich verfügbar sind und wo Optimierungspotenziale liegen. Damit rückt das Thema nicht nur ins Reporting, sondern direkt in den Betrieb: Welche Regelungen, Heizkurven oder Laufzeiten bedarfsgerecht eingestellt sind, wird im Cockpit nachvollziehbar. Der Ansatz zielt auf weniger manuelles Engineering und auf schnellere Entscheidungen im Tagesgeschäft des Facility-Managements.
Auch im Wettbewerb zeigt sich, warum diese Kooperation zur richtigen Zeit kommt. In der Gebäudeautomation gibt es längst etablierte Player wie Siemens oder Johnson Controls, die umfangreiche Plattformen und Integrationsangebote bereitstellen. Gleichzeitig kämpfen viele Betreiber mit ähnlichen Problemen: Daten liegen verteilt vor, Dokumentationen sind unvollständig und Verantwortlichkeiten wechseln über Jahre hinweg. Branchenweit beobachten Experten deshalb einen Trend zu „schichtbaren“ Architekturen, bei denen Gateways, Datenintegration und KI-Analyse entkoppelt werden. Genau diese Entkopplung adressieren MBS und ENTENDIX: Gateways als zuverlässiger Zugriffspunkt, KI als spätere Auswertungs- und Optimierungslogik.
Ein entscheidender Marktimpuls steckt in der versprochenen Transparenz. ENTENDIX beschreibt die aktuelle Situation in Bestandsgebäuden als häufig intransparent; Personalfluktuation und mangelhaft gepflegte Dokumentationen führten dazu, dass viele Anlagen „im Blindflug“ betrieben würden. Stattdessen will das Unternehmen mit einem Ampelsystem sichtbar machen, ob Einstellungen wie Regelparameter oder Laufzeiten tatsächlich stimmig sind. Aus Sicht von Betreibern ist das vor allem deshalb relevant, weil die wirtschaftlichen Effekte von Optimierungen in der Praxis oft an der Umsetzbarkeit hängen. Laut Angaben der Beteiligten sollen allein durch entsprechende Anpassungen 10 bis 30 Prozent Energie und Kosten eingespart werden können.
Neben Energieeffizienz adressiert die Lösung weitere operative Themen: Instandhaltung, Wartungsmanagement und die Reduktion von Verschleiß. Das ist eine wichtige Ergänzung, weil Energieeinsparprogramme häufig dann scheitern, wenn Wartungszyklen und Komponentenalter nicht sauber zusammengeführt werden. Durch die strukturierte digitale Repräsentation können Auswertungen helfen, Wartungsbedarfe frühzeitiger zu erkennen und typische Muster von Fehlverhalten zu identifizieren. Für IT- und OT-Teams bedeutet das zugleich eine neue Art von Integration: Datenpipelines werden nicht nur für Monitoring, sondern auch für Prozessentscheidungen genutzt. Diese Kopplung muss allerdings mit klaren Governance-Regeln abgesichert werden.
Regulatorisch und datenschutzseitig ist das Thema nicht nebenbei zu betrachten. Auch wenn es sich primär um Gebäude- und Anlagenparameter handelt, entstehen in solchen Monitoring-Projekten sehr schnell umfangreiche Datensätze, die Rückschlüsse auf Betriebszeiten, Nutzerverhalten oder Schichtmodelle ermöglichen können. In der Praxis sollten Betreiber daher frühzeitig definieren, welche Daten in welcher Granularität verarbeitet werden, wie lange sie gespeichert werden und wer Zugriff erhält. Gleichzeitig gilt für KI-Auswertungen: Modell- und Trainingsprozesse brauchen Auditierbarkeit, besonders wenn Entscheidungen später mit konkreten Betriebsmaßnahmen verknüpft werden. Ein Gateway-orientierter Ansatz wie hier kann helfen, den Datenfluss kontrollierbar zu halten, ersetzt aber kein sauberes Sicherheits- und Datenschutzkonzept.
Mit Blick in die Zukunft ist die Kooperation plausibel als „Building-Blocks“-Modell für den Bestandsmarkt angelegt. Wenn Gateways als standardisierte Datenquelle dienen und die digitale Zwilling-Logik pro Gebäude automatisiert aufgebaut wird, sinkt der Zeitaufwand für jede einzelne Migration deutlich. Für Entwickler und Integratoren eröffnet das Chancen: Schnittstellen und Datenmodelle werden zur eigentlichen Wertschöpfung, nicht nur zur Anlagenvisualisierung. Der nächste logische Schritt ist eine tiefere Kopplung an Optimierungs- und Regelsysteme, etwa über wiederholbares „Policy“-Testing im laufenden Betrieb. Damit würde das Monitoring von ENTENDIX/MBS stärker in Richtung kontinuierlicher Optimierung rücken und könnte langfristig auch in Ausschreibungen als messbarer Servicebaustein auftauchen.
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