WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der EY Scale-up Award 2026 feiert sein fünfjähriges Bestehen und kürt mit fiskaly das Scale-up des Jahres. Die neue Auszeichnung „Founder of the Year“ geht an Denise Hirner, Mitgründerin des TU-Spin-offs UpNano. Zusätzlich setzt EY 2026 auf eine neue Struktur in vier Zukunfts-Cluster und vergibt Preise entlang von 13 Kategorien. Damit rückt das Programm nicht nur Gewinner-Teams in den Mittelpunkt, sondern auch ein skalierbares Reifegrad-Assessment für das gesamte Ökosystem.

Der EY Scale-up Award 2026 macht aus österreichischen Wachstumsgeschichten ein messbares Programm: Mit über 330 Bewerbungen meldete EY erneut ein Rekordniveau. Gleichzeitig zeigt die Preislogik, wie stark sich die Rahmenbedingungen für Startups in den letzten Jahren verändert haben – von Boom-Phasen hin zu spürbar schwierigeren Marktbedingungen. „Fünf Jahre EY Scale-up Award spiegeln nicht nur die Erfolge, sondern auch die Herausforderungen wider“, ordnet Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich, ein. Der Titel „Scale-up des Jahres 2026“ geht an fiskaly, Rising Star des Jahres wurde factorymaker.
EY hat 2026 das Bewertungsdesign sichtbar weiterentwickelt: Erstmals wurden die Kategorien entlang von vier Zukunfts-Clustern aufgebaut – Planet, Mensch, Technik und Innovation. In Summe wurden 13 Kategorien vergeben, darunter Nachhaltigkeit und Energie, Health, Retail und EdTech sowie Software, FinTech und DeepTech. Die Auswahl lief über mehrere Stufen: Die zehn bestbewerteten Scale-ups und fünf Top-Rising-Stars qualifizierten sich für die Finalrunde, außerdem gab es den Sonderpreis „Spin-off des Jahres“ gemeinsam mit aws. Als zweiter Teil des Ansatzes vergibt EY Beratungspakete im Wert von mehr als 200.000 Euro.
Technisch ragt bei den Hauptpreisträgern vor allem fiskaly heraus. Das Unternehmen positioniert sich als Anbieter cloudbasierter Lösungen, mit denen Kassentransaktionen sicher, gesetzeskonform und manipulationssicher gespeichert werden sollen. Für Unternehmen ist das nicht nur ein Compliance-Thema, sondern auch ein Integrations- und Betriebsproblem: Systeme müssen in produktiven Kassenszenarien performant bleiben, dürfen nicht zu Latenzen führen und benötigen verlässliche Auditierbarkeit. Im Wettbewerb stehen solche Anbieter typischerweise nicht im luftleeren Raum, sondern gegen etablierte Tax-Compliance- und E-Invoicing-Ökosysteme; als Referenz werden international häufig Plattformen wie Sovos genannt, die ebenfalls auf regulatorische Nachweispflichten und Prozessautomatisierung setzen. Entscheidend ist daher, wie schnell fiskaly neue Landesanforderungen anbinden und bestehende Installationen modernisieren kann.
factorymaker wurde als Rising Star ausgezeichnet – und zwar gleich mehrfach inhaltlich „durchgespielt“. Die Wiener Lösung automatisiert Planungsarbeit mit KI-gestützten Design-Agenten und einer proprietären Datenbank realer Projekte, wodurch sich Aufgaben, die sonst Wochen dauern, deutlich verkürzen sollen. Inhaltlich zielt das auf einen wiederkehrenden Engpass in Industrieprojekten: Zu Beginn sind Anforderungen oft unklar, Schnittstellen verändern sich, und die Datenbasis ist fragmentiert. Der technische Ansatz ist dabei weniger „ein Modell“, sondern eine Kombination aus Wissensrepräsentation (Projekt-Datenbank), Workflows (Agenten, die Planungslogik anstoßen) und einer Schnittstelle in die reale Projektarbeit. Genau hier zeigt sich der historische Trend: Von frühen Planungs-Tools hin zu agentischen Systemen, die nicht nur berechnen, sondern Schritte im Prozess anstoßen und Entscheidungen vorbereiten.
Auch die neue Gründer-Auszeichnung „Founder of the Year“ passt in dieses Bild, weil sie die Marktdynamik stärker über Menschen erklärt als über Features. Denise Hirner, Gründern und COO des TU-Spin-offs UpNano, überzeugte Jury und Publikum vor allem durch eine klare technologische Vision und den Aufbau eines international führenden DeepTech-Unternehmens. Der Ablauf war bewusst zweigeteilt: Zunächst wählte eine spezialisierte Jury die Top-15 Teams über ein strukturiertes Assessment aus, anschließend folgte ein öffentliches Online-Voting mit mehreren tausend Stimmen. Damit entsteht eine Mischung aus professionellem Scoring und Markt-Signal. Für das Ökosystem ist das relevant, weil Investoren und Partner in der Frühphase oft nach Gründerprofilen suchen, die Skalierung, Governance und Risikomanagement glaubwürdig verknüpfen können.
Regulatorisch und datenschutzseitig berühren die Preisträger mehrere Ebenen. fiskaly adressiert durch seine manipulationssichere Speicherung unmittelbar die Frage, wie Nachweisketten und Integrität in Kassensystemen technisch abgesichert werden. In der Praxis steht dabei häufig die Herausforderung im Fokus, dass Datenübertragung, Schlüsselverwaltung und Audit-Protokolle so gestaltet sein müssen, dass sie auch bei Systemwechseln nachvollziehbar bleiben. Zusätzlich gelten in Europa Datenschutzanforderungen aus der DSGVO, etwa wenn sensiblere Betriebs- oder ggf. personenbezogene Informationen in Logs landen. Auf der Unternehmensseite wird das zunehmend zum „Governance-by-Design“-Thema, und genau diese Dimension spiegelt EYs Bewertungslogik unter „Governance, Regulatory & Risk“ wider.
Der Markt bekommt mit den Gewinnern auch einen Hinweis auf Timing und Positionierung. EY beschreibt das Growth Maturity Assessment als Rahmenwerk, das Wachstumspotenzial vergleichbar macht, etwa entlang von Business Execution & Scalability sowie Financials & Capital Structure. Gerade in einem Umfeld, in dem Finanzierungslagen schwanken, ist ein strukturiertes Reifegradbild für Unternehmen wertvoll, weil es Prioritäten in Produkt, Go-to-Market und Teamplanung in eine Reihenfolge bringt. Branchenexperten berichten außerdem, dass Awards dieser Art zunehmend wie „Teaser für die nächste Finanzierungsrunde“ wirken: Sie liefern externe Validierung, helfen bei Corporate-Partners und reduzieren Informationsasymmetrien. Für Österreich kann das zudem die internationale Sichtbarkeit stärken, wenn Winner-Storys in Programme, Pilotprojekte und Recruiting übersetzt werden.
Wie geht es weiter? EY kündigt an, dass die Vorregistrierung für den EY Scale-up Award 2027 bereits gestartet ist; die Bewerbungsphase mit dem Growth Maturity Assessment soll im Jänner 2027 beginnen. Teilnahmeberechtigt sind Startups und Scale-ups mit Sitz in Österreich, gegründet innerhalb der letzten zehn Jahre. Für Unternehmen bedeutet das: Wer 2027 punkten will, sollte die vier Cluster nicht nur als Marketingrahmen sehen, sondern technisch belastbare Nachweise über Skalierung, Prozesse und Governance vorbereiten. Außerdem ist klar, dass DeepTech- und KI-orientierte Ansätze weiter Priorität bekommen. Für die nächsten Monate ist deshalb zu erwarten, dass sich neue Projekte stärker um Auditierbarkeit, Datenqualität und KI-gestützte Prozessautomatisierung drehen – auch im Hinblick auf strengere Anforderungen rund um KI-Nutzung in europäischen Rahmenwerken wie dem AI Act.
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