SAN DIEGO / LONDON (IT BOLTWISE) – Qualcomm kämpft an der Börse mit einem schwachen Monatsverlauf, doch ein Analyst sieht im Data-Center-Geschäft die nächste KI-Wachstumsphase näher rücken. Morningstar erhöhte das Kursziel auf 200 US-Dollar und erwartet 5 Milliarden US-Dollar Data-Center-Umsatz für 2027 sowie 15 Milliarden US-Dollar für 2029. Entscheidend ist der Hinweis, dass zwei große Hyperscaler im kommenden Jahr jeweils mehr als 1 Milliarde US-Dollar beitragen könnten. Gleichzeitig bleibt der Druck durch Apples Inhouse-Modems bestehen – offenbar soll die KI-Strategie einen Teil davon kompensieren.

Qualcomm rückt KI-Serverchips in den Fokus: Morningstar sieht Rückenwind von Hyperscalern
Qualcomm rückt KI-Serverchips in den Fokus: Morningstar sieht Rückenwind von Hyperscalern (Foto: IT BOLTWISE)
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Qualcomm steckt derzeit in einer widersprüchlichen Gemengelage aus Börsenstimmung und Produktstrategie. Während die Aktie (QCOM) im laufenden Monat um rund 18% nachgegeben hat und auf den schwächsten Monatsabschnitt seit Jahren zusteuert, verschiebt sich die narrative Landkarte Richtung Data-Center-KI. Ein zentraler Impuls kommt dabei von Morningstar: Nach einem Investor-Event, das sich explizit auf Chips für Rechenzentren konzentrierte, hob das Research-Team den Fair-Value von 155 auf 200 US-Dollar an. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, ob sich Qualcomms KI-Ambitionen bereits bei den größten Cloud-Kunden verankern – obwohl das Smartphone-Geschäft aktuell unter Druck steht.

Technisch betrachtet geht es um mehr als nur „ein neuer Prozessor“. Qualcomm baut seine Rechenzentrums-Story entlang einer Pipeline aus Data-Center-CPUs und KI-nahen Workloads auf, die sich für Cloud-Deployments eignen sollen. Laut den Analysten erwartet das Unternehmen bis zum Geschäftsjahr 2027 5 Milliarden US-Dollar Umsatz aus dem Data-Center-Segment und bis 2029 15 Milliarden US-Dollar. Morningstar interpretiert dazu sowohl die Prognosen als auch die bereits „signierten Deals“ als Signal: Die KI-Aktivitäten würden damit Adoption bei führenden Kunden finden – und zwar tendenziell früher als ursprünglich angenommen. Ein relevanter Kontext ist außerdem, dass ein potenzieller Server-CPU-Deal mit Meta offenbar noch nicht vollständig in den Zahlen enthalten sei, weil der Ramp-Up erst im zweiten Halbjahr 2028 erwartet wird.

Der Blick auf die Marktmechanik zeigt, warum gerade die Hyperscaler-Namen so wichtig sind. Morningstar weist darauf hin, dass zwei große Hyperscaler im Jahr 2027 jeweils über 1 Milliarde US-Dollar beitragen könnten; in der Argumentation werden dabei Microsoft und Google als naheliegende Kandidaten genannt, nachdem diese beim Investor-Event präsent waren. Genau hier wird der Wettbewerbsdruck sichtbar: Im Rechenzentrum dominiert NVIDIA weiterhin mit einer frühen Führungsposition bei KI-Beschleunigern und einem breiten Software-Ökosystem. Die Analysten stellen jedoch klar, dass Qualcomm nicht versucht, NVIDIAs „breite Verteidigungslinie“ unmittelbar zu überrollen. Vielmehr soll ein moderater Anteil am wachsenden KI-Compute-Markt ausreichen, um das Earnings-Wachstum zu stützen – vor allem, wenn sich der Marktzugang über große Cloud-Deployments beschleunigt.

Gleichzeitig darf man die Gegenkräfte nicht unterschätzen. Morningstar bezeichnet Apples Schritt, Modems zunehmend selbst zu entwickeln, als „looming headwind“ – also als drohenden, aber nicht unmittelbar tödlichen Schlag. Die Erwartung: Qualcomms Modem-Anteil in der iPhone-18-Reihe fällt auf etwa 20% im Geschäftsjahr 2027. Daraus leitet das Research-Team ab, dass die Erlöse aus Apple-Chips auf rund 2 Milliarden US-Dollar sinken könnten, nachdem sie noch vor zwei Jahren bei mehr als 6 Milliarden US-Dollar lagen. Diese Rechnung ist für Anleger besonders sensibel, weil sie die klassische Cash-Cow-Logik im Hardware-Kerngeschäft betrifft. Doch genau an der Stelle setzt die Data-Center-These an: KI-Umsätze sollen einen Teil dieser Einbußen auffangen.

Historisch ist Qualcomms Position im Mobilfunk zwar robust, aber das Unternehmen hat bereits mehrfach versucht, sich gegen zyklische Smartphone-Risiken zu diversifizieren. In der aktuellen Strategie wird diese Verschiebung anhand konkreter Zielgrößen greifbar: Qualcomm erhöhte im Verlauf der Berichtsperiode das Non-Handset-Ziel für 2029 auf 40 Milliarden US-Dollar und adressierte darüber hinaus Automotive mit 10 Milliarden US-Dollar, IoT mit mehr als 14 Milliarden US-Dollar sowie Data Center mit mehr als 15 Milliarden US-Dollar. Zudem erwartet das Unternehmen, dass Handsets dann nur noch etwa ein Drittel des Umsatzes innerhalb von QCT ausmachen. In dieser Logik wird die KI-Serverchip-Route zur „Brücke“ zwischen der etablierten Fertigungskompetenz und dem neuen Nachfragezentrum im Rechenzentrum.

Auch der Blick auf die Anlegerseite zeigt, wie stark die Story inzwischen segmentübergreifend wirkt. Auf einschlägigen Retail-Plattformen wird Qualcomm überwiegend bullish diskutiert; die Nachrichtenlage wird zudem als „hoch“ beschrieben. Nutzerargumente reichen von stark positivem Umsatz- und Bewertungsnarrativ (z. B. Erwartungen für mehrjährige Kursbewegungen) bis hin zu thematischen Bezügen auf künftige Produktmix-Entwicklungen wie agentische KI im Telekommunikations-Umfeld. Entscheidend ist weniger, ob jede einzelne Einzelprognose eintrifft, sondern dass Privatanleger die Diversifikationsgeschichte zunehmend als technologische Next-Stage interpretieren. Für Unternehmen bedeutet das: Wenn Hyperscaler-Deployments tatsächlich „schneller anrollen“, kann sich die Kapitalmarktwahrnehmung spürbar verbessern – auch wenn kurzfristige Gewinndruckphasen durch Apple oder Lager-/Ramp-Unsicherheiten noch auftreten.

Regulatorik und Sicherheit spielen dabei eine stille, aber wachsende Rolle, gerade weil KI-Workloads im Rechenzentrum stärker überwacht und abgesichert werden müssen. Wenn Qualcomm Data-Center-CPUs für KI-Umgebungen positioniert, müssen Enterprise- und Cloud-Anwender Compliance-Anforderungen wie Datenschutzauflagen, Auditierbarkeit sowie sichere Lieferketten (Supply-Chain) systematisch unterstützen. Technisch heißt das: nachvollziehbare Logging- und Monitoring-Fähigkeiten, saubere Isolationsmechanismen in Virtualisierungs- oder Container-Setups und eine belastbare Sicherheitsarchitektur gegen Side-Channel- und Integritätsangriffe. Je höher die Abhängigkeit von Hardware-Plattformen, desto wichtiger wird außerdem die Freigabepraxis für Patches und die Transparenz über Schwachstellen, etwa im Kontext von CVEs und Firmware-Updates.

Ausblick: In den kommenden Quartalen dürfte der Markt weniger die Vision als die Ausführungsfähigkeit belohnen. Morningstar stellt dabei nicht nur Umsatzwerte in Aussicht, sondern koppelt die These an Deals und an konkrete Kundenanbindung. Wenn die Ramp-Up-Planung für Data Center tatsächlich den erwarteten Pfad trifft, könnte Qualcomm über 2027 hinaus wieder stärker in den Fokus von KI-Compute-Investoren rücken – selbst dann, wenn das Smartphone-Geschäft durch Apples Inhouse-Modems spürbar Gegenwind bekommt. Für Entwickler und IT-Entscheider heißt das: Wer Plattformen evaluieren will, sollte frühzeitig Benchmarks, Software-Kompatibilität und Betriebsaufwand gegen Alternativen vergleichen. Qualcomms Chance besteht darin, als „funktionierender“ Baustein im KI-Stack zu gelten, nicht als reiner Forschungswert.


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