LONDON (IT BOLTWISE) – Jefferies erwartet, dass DRAM- und NAND-Preise 2026 erneut deutlich steigen: zuerst im dritten Quartal um 40–50% und danach nochmals im vierten Quartal um 30–40%. Die Erholung soll sich laut Analyse erst 2028 zeigen, wenn neue Kapazitäten in den Markt kommen. Gleichzeitig dürften langfristige Lieferverträge den Engpass für PCs, Smartphones und Konsolen verschärfen. Der Bericht ordnet außerdem die Rolle chinesischer Hersteller ein und warnt vor zu optimistischen Erwartungen an kurzfristige Preisbremsen.

Der Speicherhandel dürfte 2026 erneut härter werden: In einer aktuellen Einschätzung rechnet Jefferies Equity Research damit, dass DRAM- und NAND-Preise im Verlauf des Jahres weiter anziehen, ohne echte Entspannung bis 2028. Treibender Faktor sind anhaltende globale Engpässe in der Lieferkette – und vor allem die Art, wie Kapazitäten zwischen großen Systemkunden und dem Rest des Markts verteilt werden. Für Unternehmen bedeutet das nicht nur höhere Beschaffungskosten, sondern auch mehr Risiko in Planungsannahmen für Stücklisten, Cloud-Kosten und Geräte-Roadmaps, weil sich Prognosen mit jedem Quartal stärker verschieben können.
Technisch betrachtet hängt der Preisdruck an zwei Stellschrauben: Verfügbarkeit und Kostenstruktur. Wenn DRAM- und NAND-Produktion hinter der Nachfrage bleibt, steigt der effektive Kostendruck entlang der Wertschöpfungskette – vom Wafer-Throughput bis zu den Yield-Raten auf den jeweiligen Prozessknoten. Jefferies verweist darauf, dass auch der Wechsel zu neuen Prozessnodes die Lieferstabilität kurzfristig belasten kann. Gleichzeitig verschiebt sich die Allokation zugunsten von „Long-Term Deals“ und strategischen Abnahmen: Jefferies erwartet, dass ein erheblicher Teil der Kapazität bereits über langfristige Verträge gebunden ist, wodurch weniger Spielraum für Markt- und Konsumvolumina bleibt.
Der Markt für DRAM und NAND wird dabei von wenigen Herstellern dominiert: Samsung, SK hynix und Micron setzen die Standards für Kapazitätsplanung, Speicherchips und Qualifizierungszyklen. In der Praxis wirken sich ihre Liefer- und Prozessentscheidungen unmittelbar auf Gerätelieferanten aus, weil viele Produkte – von Servern bis zu Consumer-Geräten – über lange Produktlebenszyklen qualifiziert werden. Jefferies betont zudem, dass die „Cheap Chinese Memory“-Erzählung nach derzeitigem Stand nicht der erwartete Preisdämpfer war. Chinesische Produzenten wie CXMT werden eher als zusätzliche Lieferquelle gesehen, aber nicht als kurzfristiger Gamechanger, der die Preislogik im selben Takt aushebelt.
Ein zentraler Marktmechanismus sind strategische Lieferzusagen, die kurzfristig wie ein „Kapazitätsfilter“ wirken. Jefferies nennt als Beispiel, dass Micron bereits eine Reihe von Strategic Customer Agreements abgeschlossen hat; solche Verträge bündeln Volumen mit Hyperscalern und anderen Großkunden. In der Einschätzung dürfte der Anteil der über Langfristdeals abgedeckten Kapazität weiter steigen, sodass für PCs, Laptops, Konsolen und Smartphones weniger frei verfügbare Ware übrig bleibt. Hier liegt auch der Grund, warum Preissteigerungen nicht nur Server und Rechenzentren treffen, sondern sich zeitversetzt über OEM- und Retail-Kanäle in der Breite durchschlagen.
Über die Zahlenlage berichtet Jefferies mit einem klaren Stufenplan: Für 3Q 2026 werden Preisaufschläge von etwa +40% bis +50% im Quartalsvergleich genannt, gefolgt von +30% bis +40% in 4Q 2026. Für 2027 erwartet der Bericht eine weitere Steigerung von rund +40% bis +45% gegenüber dem Vorjahr. Entlastung soll erst 2028 in Sicht kommen, wenn neue Kapazitäten von etwa 15% bis 20% den Markt treffen und die ASPs (Average Selling Prices) tendenziell sinken könnten. Gleichzeitig schränkt Jefferies die Entspannung ein: Die Nachfrage, insbesondere durch KI-getriebene Compute-Ausbaupläne, wächst vermutlich weiter schneller als der Kapazitätszuwachs.
Die Einordnung chinesischer DRAM- und NAND-Aktivitäten ist dabei differenzierter als in der öffentlichen Debatte. Jefferies argumentiert, dass chinesische Produkte im Zeitraum 2026–2027 keinen marktverdrängenden Effekt entfalten, weil sie preislich relativ ähnlich positioniert seien und die Versorgungslage vor allem dem heimischen Bedarf diene. Für Apple wird zudem berichtet, dass das Unternehmen offenbar die Einbindung chinesischer Speicheroptionen prüft, um die Versorgung abzusichern. Der entscheidende Punkt: Solange die Auslieferungskapazitäten nicht deutlich in den Export- und Offshore-Markt verschoben werden, bleibt der Preismechanismus überwiegend vom globalen Angebotsdefizit bestimmt.
Je stärker sich die Preisdynamik in Konsumgüter hinein verlagert, desto wichtiger werden auch Governance- und Compliance-Fragen in den Beschaffungs- und IT-Planungen. Unternehmen, die Speicher in Cloud-Umgebungen einkaufen, müssen ihre Kostenmodelle aktualisieren, damit es nicht zu Budgetüberschreitungen kommt – besonders in Fällen, in denen Dienstleister Preisanpassungen an die Nutzungs- und Speicherpreise koppeln. Auf regulatorischer Seite verschärft sich zudem der Druck auf nachvollziehbare Lieferketten und Sicherheitsstandards, etwa wenn neue Hersteller oder neue Speicherchargen integriert werden. Das betrifft nicht nur Datenschutz, sondern auch die Integrität der Datenhaltung in Rechenzentren und die Validierung von Patches und Firmware-Stacks.
Für die nächsten Quartale lässt sich daraus ein pragmatisches Zukunftsszenario ableiten. Jefferies’ Logik läuft darauf hinaus, dass 2026 und 2027 eher von weiterer Knappheit und restriktiver Allokation geprägt sind, während 2028 zwar rechnerisch mit nachgebenden ASPs gerechnet werden kann, die Nachfrage aber weiterhin „zu viel Gegenwind“ erzeugt. Gleichzeitig könnten neue Produktionslinien in China später stärker durchschlagen, etwa wenn der nächste Ausbauzyklus zu einer größeren exportfähigen Bestandsbildung führt. Für Entwickler und IT-Leiter heißt das: Beschaffung und Kapazitätsplanung sollten eher Szenarien mit anhaltend hohen Speicherpreisen abdecken und Verträge so gestalten, dass Preissprünge und Lieferengpässe nicht vollständig auf die eigene Roadmap durchschlagen.
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