BOCHUM / LONDON (IT BOLTWISE) – ENTRYZERO, ein Bochumer Cybersecurity-Startup, hat eine Seed-Runde abgeschlossen und will damit seine KI-basierte Plattform für Threat-Exposure-Management ausbauen. Die Software kombiniert Daten aus mehr als 50 Sicherheitslösungen und priorisiert Risiken, statt Sicherheits-Teams nur mit zusätzlichen Dashboards zu belasten. Mit dem agentenbasierten System „WINGMAN“ soll die Priorisierung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen schneller und strukturierter ablaufen. Damit rückt das Startup ein Thema in den Fokus, das in vielen Unternehmen bislang zwischen Monitoring, Incident Response und manuellem Ticketing zerrieben wird.

ENTRYZERO aus Bochum stellt nach einer erfolgreichen Seed-Finanzierungsrunde die Weichen für weiteres Wachstum: Die Runde wird von neoteq ventures angeführt, beteiligt sind außerdem ATIMON Invest GmbH, konus invest GmbH sowie die NRW.BANK und weitere Unternehmer und Business Angels. Laut Mitteilung will das Startup seine KI-gestützte Plattform weiterentwickeln, das Team ausbauen und die Marktpräsenz erhöhen. Für die Zielbranche ist das Timing spannend, denn viele Organisationen verfügen inzwischen über genug Sensorik für umfangreiche Schwachstellen- und Exposure-Daten, aber zu wenig Automatisierung, um daraus konsequent umsetzbare Maßnahmen abzuleiten.
Technisch positioniert sich ENTRYZERO im Bereich Threat-Exposure-Management (TEM), also der strukturierten Überwachung digitaler Angriffsflächen. Das Unternehmen setzt dabei auf die Verknüpfung von Informationen aus mehr als 50 Sicherheitslösungen, darunter typischerweise Tools für Vulnerability Management, Konfigurationserkennung und Security Monitoring. Der Kernwert liegt nicht im Sammeln weiterer Signale, sondern in der Reduktion von Komplexität: Sicherheitsrisiken sollen priorisiert und Maßnahmen effizient in Prozesse überführt werden. Im Mittelpunkt steht ein agentenbasiertes KI-System namens „WINGMAN“, das sicherheitsrelevante Informationen analysiert, Ergebnisse eigenständig bewertet und bei der Priorisierung sowie Umsetzung passender Schritte unterstützen soll.
Diese agentische Logik ist auch deshalb relevant, weil viele Teams heute im Konflikt zwischen Datenflut und knappen Kapazitäten stehen. Früh im Produktkonzept, so beschreibt es das Startup, erkannte man: Mehr Rohdaten und zusätzliche Dashboards entlasten nicht automatisch. Stattdessen steigt die Arbeitslast im Tagesgeschäft, etwa durch manuelles Kontextualisieren, Abgleich von Tickets, erneutes Prüfen von Befunden und das händische Festlegen von Prioritäten. Damit verschiebt sich die Problemstellung von „sichtbar machen“ zu „handlungsfähig machen“. Im Enterprise-Umfeld bedeutet das eine andere Integrationstiefe als bei reinen Scorecards: Systeme müssen Entscheidungen in Prozesse, Workflows und ggf. Ticketing- oder Automationsketten übersetzen.
Im Markt trifft ENTRYZERO auf etablierte Wettbewerber, die ebenfalls Exposure oder Security-Risiken messbar machen. Dazu zählen etwa Anbieter wie SecurityScorecard oder UpGuard im Bereich Security Ratings und Angriffsflächen-Transparenz, sowie spezialisierte Plattformen wie AttackIQ, die gezielt zu Angriffssimulationen und Priorisierung ansetzen. Der Unterschied liegt häufig im Grad der Automatisierung: Viele Produkte liefern aggregierte Scores oder Empfehlungen, während die Umsetzung in den Arbeitsalltag der Sicherheitsteams teils weiterhin manuelle Schritte erfordert. Branchenexperten berichten, dass gerade der Übergang von „Information“ zu „Aktion“ der Engpass ist und agentische Systeme hier den Wettbewerb verschärfen könnten. Der Seed-Fokus wirkt daher wie ein Schritt, die Lücke zwischen Bewertung und realer Entlastung zu schließen.
Historisch betrachtet ist die Idee, Künstliche Intelligenz für Security-Orchestrierung einzusetzen, nicht neu: Bereits mit ersten Konzepten zu „Security Automation“ und „SOAR“ (Security Orchestration, Automation and Response) versuchten Unternehmen, Prozesse stärker zu automatisieren. Später kamen datengetriebene Ansätze hinzu, bei denen Modelle Schwachstellenkontexte, Assets und mögliche Auswirkungen zusammenführen. Was heute jedoch neu ist, liegt in der Form des Agent-Ansatzes: Modelle werden zunehmend so gebaut, dass sie innerhalb eines vorgegebenen Rahmens Informationen aus unterschiedlichen Quellen auswerten und Ergebnisse zielgerichtet weiterreichen. Experten erwarten, dass sich TEM-Setups künftig stärker an „closed-loop“-Workflows orientieren, in denen Rückmeldungen aus der Ausführung wieder in die Risikoabschätzung einfließen.
Für die künftige Skalierung wird entscheidend sein, wie ENTRYZERO die Plattform so betreibt, dass Security-Teams auch in regulatorisch anspruchsvollen Umgebungen Vertrauen aufbauen. Dazu zählen technische Maßnahmen wie nachvollziehbare Entscheidungslogiken, saubere Audit-Trails für automatisierte Empfehlungen sowie strenge Rechte- und Datenzugriffsmodelle, damit keine sensiblen Sicherheitsdaten unnötig in unkontrollierte KI-Umgebungen gelangen. In der Praxis wird auch die Integration in bestehende Governance-Prozesse wichtig sein, etwa für Freigaben, Change-Management und die Dokumentation von Maßnahmen. Mit der Förderung in Höhe von 730.000 EUR aus dem Programm StartUpSecure des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt erhält ENTRYZERO zudem einen Zeit- und Entwicklungsrahmen, der die Roadmap absichern kann. Wenn WINGMAN die Brücke zwischen Priorisierung und Umsetzung konsistent schafft, könnten sich für Entwickler und Security-Teams neue Chancen ergeben: weniger manuelles Re-Contextualisieren, schnelleres Reagieren auf kritische Ereignisse und langfristig ein messbarer Rückgang von unklaren oder zu spät adressierten Risiken.
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