VANCOUVER / LONDON (IT BOLTWISE) – Wafr Technologies sammelt 100 Millionen US-Dollar ein, um eine Kühltechnik für KI-Rechenzentren zu skalieren, die Wasserverbrauch und Kühlenergie deutlich senken soll. Das Startup nutzt sogenannte Thermal Batteries, um Kühlleistung zu speichern, wenn Strom günstig ist, und sie bei Lastspitzen wieder abzurufen. Laut Angaben des Co-Founders Darrell Kopke soll sich der Wasserbedarf um bis zu 95 Prozent reduzieren, bei der Kühlleistung sogar um bis zu 80 Prozent gegenüber herkömmlicher Verdunstungskühlung. Der Schritt ist auch eine Reaktion auf wachsendes regulatorisches und betriebswirtschaftliches Interesse an nachhaltiger Infrastruktur.

Wafr sichert 100 Millionen US-Dollar für KI-Rechenzentrums-Kühlung mit Thermal-Batterien
Wafr sichert 100 Millionen US-Dollar für KI-Rechenzentrums-Kühlung mit Thermal-Batterien (Foto: IT BOLTWISE)
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Wafr Technologies aus Vancouver hat nach eigenen Angaben 100 Millionen US-Dollar von privaten Investoren eingesammelt, um seine Kühlung für KI-Rechenzentren zu kommerzialisieren. Die Finanzierung ist bemerkenswert, weil sie nicht nur die Rechenleistung adressiert, sondern einen operativen Engpass in der Infrastruktur: Kühlwasser und Strombedarf. Gerade große Standorte mit deutlich über 100 Megawatt Last stehen unter Druck, in immer stärker wasserarmen Regionen und unter wachsendem regulatorischen Monitoring nachzuweisen, dass Energie- und Wasserverbräuche sinken. Gleichzeitig wächst die Nachfrage durch generative KI Workloads, wodurch die Betreiber Kühlstrategien neu bewerten müssen.

Technisch setzt Wafr auf ein System aus „Thermal Batteries“, das Kühlkapazität speichert, wenn Strom aus dem Netz vergleichsweise preiswert verfügbar ist, und sie zu Zeitpunkten mit hoher Netzlast bzw. teuren Tarifen wieder freigibt. Damit wird das Kühlkonzept eng an das Strompreis- und Lastmanagement gekoppelt. Der Hebel entsteht aus dem Zusammenspiel von thermischer Speicherung und Peak-Shaving: Statt die Kühlung exakt im Takt des aktuellen Wärmeausstoßes ständig neu zu erzeugen, verlagert das System einen Teil der „Arbeit“ in günstigere Zeitfenster. Das Ziel: weniger Wasser und zugleich weniger Kühlenergie, insbesondere dort, wo Verdunstungskühlung die Dominanz hat.

Laut den Aussagen von Darrell Kopke kann das Verfahren den Wasserverbrauch um bis zu 95 Prozent und den Stromverbrauch für die Kühlung um bis zu 80 Prozent gegenüber konventioneller evaporativer Kühlung reduzieren. Solche Werte sind in der Praxis allerdings immer standort- und auslegungsspezifisch. Entscheidend sind Parameter wie Temperaturhorizont, Rückkühlbedingungen, Auslastungsprofile der IT und die konkrete Topologie des Kühlkreislaufs bis hin zum Zusammenspiel mit Chiller- und Rückkühlsystemen. Für Unternehmen, die heute in 100-MW-Klassen planen, bedeutet das: Die Technologie muss sich nicht nur im Labor behaupten, sondern auch in der Dauer-/Teillastlogik, im Notfallbetrieb und unter wechselnden Klimabedingungen stabil liefern. Hier trennt sich die Innovationsstory von der produktionsreifen Architektur.

Marktseitig kommt die Runde in eine Phase, in der Hyperscaler wie Amazon, Google und Microsoft ihre Rechenzentrumsleistung ausbauen und dabei mehr Transparenz über Nachhaltigkeitskennzahlen liefern müssen. Für viele Betreiber wird Kühlung damit zu einem Thema für Lizenzierung und Compliance, nicht zu einer reinen Betriebsoptimierung. Ein einzelnes US-100-MW-System wird in der Branche häufig mit Millionen Litern Wasser pro Tag in Verbindung gebracht; selbst wenn einzelne Zahlen je Studie variieren, bleibt das Muster gleich: Der Bedarf wächst mit Ausbaudynamik und Effizienzlücken. Wafr versucht, sich gegen diese Dynamik zu positionieren – zugleich existieren parallele Ansätze wie Direct-to-Chip, liquid cooling loops oder modulare Rechenzentrumsdesigns, die jeweils andere Teile des „Cooling Stack“ optimieren.

Dass Wafr bereits Letters of Intent mit internationalen Partnern für KI-Rechenzentrumsprojekte unterzeichnet hat, signalisiert Investoren- und Kundenseite eine gewisse frühe Validierung. Zugleich ist offen, welche Zeitpläne für die ersten kommerziellen Installationen realistisch sind und wie die versprochenen Effizienzwerte unabhängig verifiziert werden. Für die Wettbewerbslage ist besonders relevant, dass Wafr seine Speichereigenschaften als Differenzierung gegenüber rein wasserarmen oder rein energieoptimierenden Lösungen beschreibt. Die geäußerte Absicht, zusätzlich weitere 200 Millionen US-Dollar „so schnell wie möglich“ einzuwerben, deutet darauf hin, dass die Umsetzung als zeitnah betrachtet wird. Strategisch nennt das Unternehmen die USA und europäische Länder wie Deutschland als Fokusregionen, weil die Dichte und der Ausbaupfad dort sehr unterschiedlich ausfallen.

In der Zukunft entscheidet sich der Erfolg weniger an der Grundidee der thermischen Speicherung als an der Skalierbarkeit zu Produktionsreife: Zuverlässigkeit bei wechselnden Lasten, regulatorische Abnahmeprozesse, Wasser- und Energiemesskonzepte sowie Integrationsfähigkeit in bestehende Rechenzentrums-Referenzarchitekturen. Außerdem bleibt die organisatorische Doppelbelastung eines Hardware-/Infrastrukturprojekts gegenüber dem gleichzeitigen Aufbau eines externen Kundenbetriebs eine Herausforderung. Für Entwickler und Systemintegratoren könnte daraus dennoch ein klarer Trend entstehen: Kühl- und Energiemanagement werden stärker software- und marktpreis-getrieben, etwa über Prognosen, Scheduling und automatisierte Betriebsführung. Wenn Wafr früh mit einem großen Pilotstandort messbare Effizienzgewinne belegen kann, könnten Thermal-Battery-Ansätze in künftigen Ausschreibungen für KI-Infrastruktur stärker als Teil der Nachhaltigkeits- und Netzstabilitätsstrategie verankert werden.


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