KOPENHAGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Frequentis hat sein ATM-Backup-System PRISMA in Dänemark erfolgreich in den Live-Betrieb gebracht. Es soll die Flugsicherung bei Ausfällen und Wartungsfenstern an drei Standorten absichern und damit kontinuierliche Anflug- sowie Tower-Dienste unterstützen. Für Naviair ist das vor allem wegen der geforderten Verfügbarkeit und der langfristigen Investitionssicherheit relevant. Damit verschiebt sich die Redundanz im ATM stärker in Richtung modularer, erweiterbarer Plattformarchitektur.

Frequentis schaltet ATM-Backup PRISMA in Dänemark live
Frequentis schaltet ATM-Backup PRISMA in Dänemark live (Foto: IT BOLTWISE)
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Frequentis liefert der dänischen Flugsicherung Naviair derzeit ein besonders praktisches Stück Risiko-Management: Ein Backup-System für die ATM-Automatisierung (Air Traffic Management) wurde an drei dänischen Flughäfen in den Live-Betrieb überführt. Im Kern sichert die Lösung den Betrieb bei Systemausfällen sowie während geplanter Wartungsarbeiten. Während viele Organisationen Redundanz als „zweite Maschine“ denken, zielt das Projekt auf eine kontinuierliche Betriebsfähigkeit über das dänische Area Control Centre (ACC) hinaus. Für den Luftverkehr ist dieser Schritt nicht nur technisch, sondern operativ entscheidend, weil sich schon kurze Unterbrechungen direkt in Sequenzen am Boden und in der Luftraumplanung niederschlagen können.

Technisch wird die Strategie über PRISMA umgesetzt, ein ATM-Automatisierungssystem, das über eine offene Plattformarchitektur verfügt. Genau diese Eigenschaft ist in kritischen Infrastrukturen mehr als ein Marketingbegriff: Eine offene Architektur erleichtert den Austausch einzelner Komponenten, die Integration zusätzlicher Funktionen und das Einbinden künftiger Systemgenerationen, ohne das gesamte System neu aufsetzen zu müssen. Für Naviair bedeutet das perspektivisch Investitionssicherheit, weil das Backup nicht isoliert bleibt, sondern in eine längerfristige Systemlandschaft eingebettet ist. In Zeiten, in denen Verkehrsaufkommen, Personalmangel und Effizienzanforderungen gleichzeitig steigen, ist das Zusammenspiel aus Verfügbarkeit und Erweiterbarkeit ein zentraler Engpass.

Im täglichen Betrieb zahlt sich die Auslegung vor allem in den Bereichen Anflug und Tower aus. Konkret nennt der Projektkontext die Standorte Kopenhagen, Billund und Roskilde. Wenn das Haupt-ATM-System ausfällt, oder wenn Wartungsfenster planmäßig die Betriebsfähigkeit des Primärsystems einschränken, übernimmt die Backup-Funktionalität so, dass die Dienste durchgehend verfügbar bleiben. Aus Sicht der Flugsicherheit ist diese nahtlose Kontinuität nicht verhandelbar; sie ist zudem mehr als eine reine Verfügbarkeitsschwelle, denn auch Latenzen, Umschaltzeiten und Datenkonsistenz spielen bei der sicheren Flugsequenzierung eine Rolle. Das Projekt legt damit eine Messlatte an die Engineering-Disziplin für High-Availability-Systeme im ATM-Bereich.

Dass es dabei um mehr als „läuft schon“ geht, zeigt der Projektweg: Die Integration wurde zwischen 2022 und 2024 in mehreren Validierungsphasen durchgeführt, bevor sie in den Live-Betrieb ging. Bei solchen Systemen ist das typisch, weil Funktionsumfang, Failover-Verhalten und Schnittstellen zu bestehenden Betriebsprozessen abgestimmt werden müssen. Naviairs COO Morten Fruensgaard ordnet die Lösung als Erfüllung höchster betrieblicher und technischer Standards ein und verknüpft sie explizit mit einer nachhaltigen Verbesserung von Sicherheit und Effizienz. Auf der Frequentis-Seite betont Josef Kutschi, Geschäftsführer von Frequentis Comsoft, den Erfolg des Übergangs in den Live-Betrieb und unterstreicht damit, dass die Validierungspunkte das Betriebsziel tatsächlich erreicht haben.

Der Markt für ATM-Software und Betriebsunterstützung ist in den letzten Jahren zunehmend von zwei Faktoren geprägt: erstens von dem Ziel, kritische Abläufe durch Architekturentscheidungen robuster zu machen, zweitens von der zunehmenden Integration in digitale Workflows. In diesem Umfeld ist Frequentis nicht allein; Branchenbeobachter sehen je nach Region unterschiedliche Ansätze, wie Redundanz und Datenintegration umgesetzt werden. Als direkte Vergleichsgröße kommt etwa Thales als Anbieter im Umfeld von Luftfahrt- und Flugsicherungstechnologien in den Blick, während auch Saab in sicherheitskritischen Systemen und Avionik-nahen Lösungen im Wettbewerb steht. Der entscheidende Unterschied liegt häufig weniger im Vorhandensein eines Backup-Konzepts, sondern im Detail der Plattformstrategie: modular, austauschbar und mit klaren Migrationspfaden.

Ein weiterer Marktaspekt betrifft die Wirtschaftlichkeit. Frequentis berichtet für 2025 über einen Umsatz von 580, 1 Millionen Euro und ein EBIT von 46, 8 Millionen Euro. Diese Kennzahlen sind nicht nur für Investoren relevant; sie zeigen auch, dass Unternehmen im ATM-Umfeld langfristig entwickeln können, obwohl Projektzyklen in der Flugsicherung häufig mehrjährige Anforderungen und Validierungsphasen mitbringen. Gleichzeitig steigt der Druck, Emissionen zu reduzieren und Prozesse effizienter zu gestalten. Wenn sich Anflug- und Verkehrssteuerungsentscheidungen stabiler abbilden lassen und Ausfallrisiken reduziert werden, profitieren mittelbar auch operative Kennzahlen wie Verzögerungen und kapazitätsbezogene Engpässe. Dass solche Effekte wirtschaftlichen Spielraum für weitere Modernisierung schaffen, wird in der Branche allgemein als Hebel gesehen.

Historisch betrachtet begann die Redundanz im ATM zunächst stark klassisch: Zweitensysteme und getrennte Wege wurden häufig als „cold“ oder „warm“ Redundanzen implementiert, also mit jeweils unterschiedlichen Anlauf- und Umschaltzeiten. Mit der Verbreitung cloud-naher Konzepte, standardisierter Schnittstellen und präziserer Betriebsüberwachung verlagert sich der Fokus heute Richtung kontinuierlicher Betriebsfähigkeit und datengetriebener Umschaltungen. Genau hier passt PRISMA in die Entwicklungslinie, weil offene Plattformarchitekturen die Kopplung an weitere Module erleichtern. Gleichzeitig bleibt ein wichtiger Punkt: Im Sicherheits- und Zulassungsumfeld entscheidet nicht nur die Software, sondern die gesamte Engineering-Kette aus Anforderungen, Tests, Betriebsanweisungen und Überwachung. Aus Sicht vieler Betreiber ist das der Grund, warum Validierung und stufenweise Rollouts so zentral sind.

Regulatorisch betrachtet bewegt sich das Projekt in einem Rahmen, in dem Verfügbarkeit, Sicherheitsnachweise und nachvollziehbare Änderungen an Systemkomponenten relevant sind. Auch wenn die Meldung selbst keine konkreten Normen auflistet, ist die Richtung klar: Backup-Systeme müssen so integriert werden, dass im Betrieb keine unklaren Zustände entstehen, und Umschaltungen müssen kontrolliert und dokumentiert sein. Dazu kommt das Datenschutz- und Cybersecurity-Thema, denn ATM-Systeme sind zunehmend mit angrenzenden Systemen verbunden, etwa für Flugplaninformationen oder Betriebsschnittstellen. Eine offene Architektur kann Integration vereinfachen, verlangt aber zugleich konsistente Sicherheitskonzepte: Rollen, Zugriffskontrollen, Netzwerksegmentierung und ein Monitoring, das auch Failover-Ereignisse erkennt.

Für die zukünftige Entwicklung ergibt sich daraus eine klare Implikation: Betreiber werden in den kommenden Jahren immer häufiger nach Systemen suchen, die Backup nicht als Sonderfall behandeln, sondern als Bestandteil der Architektur. Das eröffnet auch für Entwickler Chancen, weil modulare Plattformansätze Schnittstellen standardisieren und Erweiterungen planbarer machen. Gleichzeitig wird das „Ökosystem“ wichtiger: Wer heute PRISMA-Backup-Betriebslogik integriert, kann künftig weitere Funktionen anschließen, ohne den Validierungsaufwand komplett neu zu starten, sofern die Architektur die Änderungsstrategie unterstützt. Für den Standort Dänemark bedeutet das konkret, dass die Flugsicherung auch bei Wartungsfenstern und unerwarteten Ereignissen stabil bleibt, während sich die technische Basis für weitere Modernisierung verbreitert.

Unterm Strich zeigt der Live-Gang in Dänemark, wie sich Redundanz im ATM von reiner Ausfallsicherung hin zu einer strategischen Architekturentscheidung entwickelt. Frequentis setzt dabei auf PRISMA, offene Plattformprinzipien und einen validierten Rollout, der Anflug- und Tower-Dienste an mehreren Standorten absichert. Für Naviair ist das Projekt damit ein Qualitätsbeleg in einem Feld, in dem Verfügbarkeit und Sicherheitsanforderungen zusammen gedacht werden müssen. Wer die Details zu den Angeboten von Frequentis nachlesen möchte, findet Informationen auf www.frequentis.com.


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