AMSTERDAM / LONDON (IT BOLTWISE) – ASML meldet einen deutlichen Ergebnis- und Umsatzsprung im zweiten Quartal und hebt die Jahresziele für 2026 bereits erneut an. Die Bruttomarge wandert auf 54 bis 56 Prozent, während der Konzern für das dritte Quartal erneut mehr Umsatz und Marge in Aussicht stellt. Ausgelöst wird der schnelle Kurswechsel durch einen anhaltenden KI-getriebenen Bedarf an EUV- und DUV-Lithografieanlagen. Gleichzeitig zeigt ein geplanter Kapazitätsausbau bis in die späten Jahre, dass das Management mit keiner kurzfristigen Abkühlung rechnet.

ASML liefert besser ab als erwartet und bringt damit den gesamten Chip-Zuliefersektor erneut in Schwung. Im Quartal bis Ende Juni stieg der Umsatz auf gut 9,3 Milliarden Euro nach knapp 8,8 Milliarden im Vorquartal. Damit lagen die Ergebnisse deutlich über den ohnehin ambitionierten internen Zielkorridoren. Auch die Profitabilität zog spürbar an: Die Bruttomarge kletterte von 53 auf 54 Prozent, der Nettogewinn wuchs von knapp 2,8 auf gut 2,9 Milliarden Euro. Für Unternehmen in dieser Größenordnung sind solche Abweichungen selten nur Zufall, sie signalisieren vielmehr, dass sich der KI-Bedarf an hochpräziser Fertigungstechnik gerade noch einmal beschleunigt hat.
Technisch betrachtet entscheidet sich die Entwicklung an einer sehr spezifischen Stelle der Prozesskette: ohne Lithografieanlagen aus dem niederländischen Umfeld ist moderne Chipfertigung nicht in dem Tempo möglich, das Rechenzentren derzeit einfordern. ASML steht dabei besonders für EUV (Extreme Ultraviolet) sowie für nachgelagerte Systemfamilien wie DUV-Immersionslösungen. Der Konzern beschreibt die Nachfrage nicht nur qualitativ, sondern untermauert sie mit Kennzahlen zum Auftragseingang in der ersten Jahreshälfte, der laut Management „äußerst stark“ geblieben sei. In der Praxis heißt das: Maschinen müssen nicht nur verkauft, sondern über Jahre geplant, installiert und in bestehende Produktionsabläufe integriert werden.
Der Markt liest diese Daten als Bestätigung des KI-getriebenen Investitionszyklus. Während große Tech-Konzerne wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet massive Mittel in Rechenzentren stecken, bauen Chiphersteller wie NVIDIA ihre Produktionskapazitäten aus. ASML sitzt mit seiner Ausrüstung für EUV-Lithografie damit an einem Engpass, der sich nicht durch „irgendeinen“ Maschinenhersteller sofort schließen lässt. Für Wettbewerber wie Tokyo Electron oder Applied Materials ist das kein neues Muster, aber die aktuelle Stärke zeigt, wie weit sich ASML in den vergangenen Jahren vom Feld abgesetzt hat. Gleichzeitig bleibt die Timing-Komponente entscheidend: Wenn die Kapazitätsplanung der Foundries früh anläuft, kann ASML kurzfristige Nachfragespitzen in stabile Umsatzreihen übersetzen.
Besonders auffällig ist das Tempo der Anpassungen. Fouquet, der Konzernchef, hatte erst im April das Umsatzziel für 2026 auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben. Bereits im nächsten Schritt folgte am Mittwoch die zweite Prognosekorrektur auf 43 bis 45 Milliarden Euro. Parallel wurde auch die erwartete Bruttomarge nachgeschärft: von den zuvor kommunizierten Werten nun auf 54 bis 56 Prozent. Für das laufende dritte Quartal nennt ASML zusätzlich einen Umsatzkorridor von 11 bis 12 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 55 bis 57 Prozent. In Summe übertrifft der Konzern damit nicht nur die eigenen Ziele, sondern auch das, was Analysten im Mittel eingepreist hatten.
Die Börse reagierte entsprechend mit Dynamik. Die ASML-Aktie stieg in Amsterdam zeitweise um 3,88 Prozent auf 1.616,20 Euro und durchbrach damit kurzfristig die 21-Tage-Durchschnittslinie als technischen Taktgeber. Vom bisherigen Rekordhoch aus Ende Juni bei 1.741 Euro trennen Anleger damit nur noch wenige Prozentpunkte, was den Aufwärtsdruck strukturell verstärken kann. Mit einem Börsenwert von knapp 639 Milliarden Euro bleibt ASML zudem weiterhin das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas. Diese Bewertung lässt sich nicht allein durch Quartalszahlen erklären; sie reflektiert vor allem die Erwartung, dass die „EUV-First“-Positionierung auch im nächsten Fertigungszyklus Nachfrage abbildet.
Auch die Analystenhäuser setzen derzeit überwiegend auf steigende Gewinnaussichten, wobei die Begründung eher in Kapazitäts- als in reinen Absatzannahmen liegt. JPMorgan bestätigte die „Overweight“-Einstufung und nennt ein Kursziel von 1.900 Euro, betont aber vor allem den Kapazitätsausbau für 2027 und 2028. Barclays hob das Kursziel auf 2.000 Euro an und verweist auf ein vermutlich rekordnahes Auftragseingangs-Niveau bei EUV-Lithografiesystemen im ersten Halbjahr. Daneben sehen Analysten die Bestätigung des Kapazitätsausblicks sowohl bei EUV- als auch bei DUV-Systemen als zentrales Argument. Gleichzeitig deutet ein differenzierter Blick an, dass nicht jeder Untersegment-Wert gleich wahrscheinlich ist.
Ein kritischer Punkt bleibt, und er betrifft gerade die langfristige Kapazitätsplanung innerhalb einzelner Produktlinien. Jefferies ordnet die Entwicklung insgesamt positiv ein, merkt aber an, dass der geplante Ausbau für 2027 bei Standard-EUV-Lithografiesystemen geringer ausfallen dürfte als zuletzt am Markt angenommen. Diese Unschärfe ist relevant, weil Erwartungen in diesem Bereich im Zuge der KI-Wachstumsfantasie stark nach oben gezogen wurden. Für Unternehmen ist das weniger ein „Stop“-Signal, sondern ein Risiko für die Geschwindigkeit, mit der bestimmte Fertigungsvolumen hochgefahren werden können. Marktanalysten rechnen deshalb damit, dass sich die Diskussion in den kommenden Quartalen stärker um Produktionsmix, Vorlaufzeiten und die genaue Verteilung zwischen Low-NA-EUV und Standard-EUV dreht.
Der Kern des Ausblicks liegt schließlich im angekündigten Kapazitätsausbau – und damit im Zeithorizont des Booms. Für Low-NA-EUV-Systeme (Standardbegriff „Low-NA“ für die nächste Effizienzstufe der EUV-Lithografie) soll die Kapazität von derzeit 65 Einheiten im kommenden Jahr um 30 Prozent steigen; für 2028 prüft der Konzern eine weitere Ausweitung um erneut 30 Prozent. Ähnliche Logiken gelten auch für DUV-Immersionsanlagen, eine zweite zentrale Maschinenkategorie in der Chipfertigung. Diese mehrjährige Planung ist ein Signal: Wer bis 2028 Kapazitäten fest einplant, geht nicht von einer raschen Abkühlung aus, selbst wenn einzelne Kunden- oder Technologiewellen schwanken. Zusätzlich wird für Rechenzentrums- und Chipinvestitionen die Frage der politischen Rahmenbedingungen (Stichwort Exportkontrollen, Lieferketten- und Sanktionsrisiken) zunehmend Teil der Geschäftsplanung – gerade weil Lithografiekomponenten und Services oft international abgestimmt sind. Für künftige Entwicklungen bedeutet das: Software- und Engineering-Teams werden stärker gefragt sein, um Produktionsanlagen, Wafer-Throughput und Qualitätsdaten Ende-zu-Ende auszuwerten, während gleichzeitig Compliance- und Sicherheitsprozesse in der Anlagenintegration an Bedeutung gewinnen.
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