VELDHOVEN / AMSTERDAM / NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – ASML erwartet für 2026 jetzt 43 bis 45 Milliarden Euro Umsatz – und damit mehr als noch im April. Das Unternehmen zieht zudem die Bruttomarge-Spanne auf 54 bis 56 Prozent an. Gleichzeitig übertraf ASML im zweiten Quartal die Analystenerwartungen bei Umsatz, Marge und Gewinn. Für den Markt ist das ein Signal, dass die EUV-Auslastung und der Kapazitätsaufbau der Chiphersteller für KI-Lieferketten länger tragen könnten.

ASML hat seine Erwartungen für 2026 erneut nach oben korrigiert – und genau darin liegt der Kern der Bewegung an der Börse. Das Management um CEO Christophe Fouquet hob am Mittwoch das Umsatzziel zum zweiten Mal in diesem Jahr an, diesmal auf 43 bis 45 Milliarden Euro. Auch die Bruttomarge soll höher ausfallen: 54 bis 56 Prozent statt der zuvor kommunizierten Bandbreite. Bereits das zweite Quartal lieferte ein klares Überraschungsmoment, weil Umsatz und Marge die durchschnittlichen Analystenschätzungen übertrafen. Kurz nach Handelsbeginn stieg die Aktie in Amsterdam zeitweise auf 1.678,20 Euro, bevor die Stimmung später kippte.
Technisch betrachtet ist ASMLs Prognose eng an den Produktmix aus EUV- und DUV-Systemen gekoppelt – und vor allem an die Durchsatz- und Ausbeuteziele der Chipfertiger. Im laufenden dritten Quartal sieht ASML einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge zwischen 55 und 57 Prozent. In den drei Monaten bis Ende Juni wuchs der Umsatz auf gut 9,3 Milliarden Euro nach knapp 8,8 Milliarden Euro im ersten Quartal; zugleich stieg die Bruttomarge von 53 auf 54 Prozent. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen gut 2,9 Milliarden Euro. Damit wird die operative Ergebnisqualität im aktuellen Technologiezyklus bestätigt.
Auf der Marktseite wirkt der Schritt wie ein Kompass für den KI-getriebenen Capex-Zyklus in der Halbleiterindustrie. Fouquet verwies darauf, dass Investitionen in Rechenzentren – etwa bei Microsoft und Alphabet – sowie Produktionsausbau bei Chipherstellern die Nachfrage nach fortschrittlichen Logik- und Speicherchips stützen. Auch NVIDIA treibt diesen Trend über die eigene Plattform- und Produktstrategie an, während die Fertiger ihre Kapazitäten entsprechend hochfahren. Branchenexperten ordnen die neue Guidance deshalb als Signal, dass sich die langfristige Nachfrage nach ASML-Systemen zur Chipproduktion besser kalkulieren lässt als zuvor. Gleichzeitig bleibt das Tempo entscheidend: Märkte reagieren empfindlich auf Erwartungen zur Auslastung im EUV-Bereich.
In den Details zeigt sich zudem, dass ASML nicht nur nachfragegetrieben plant, sondern auch Kapazitätsthemen aktiv adressiert. Für die erste Jahreshälfte blieb der Auftragseingang „äußerst stark“, wie das Unternehmen in Aussicht stellte. Besonders beobachtet wird der Ausbau der Standard-Ultraviolett-Lithografie-Anlagen im Segment low NA EUV: von 65 Stück um 30 Prozent, und für 2028 prüft ASML eine Ausweitung um weitere 30 Prozent. Für DUV-Immersion-Anlagen gilt Ähnliches. Analyst Janardan Menon von Jefferies wirkte in diesem Kontext eher skeptisch, weil der Markt zuletzt einen stärkeren Kapazitätsaufbau erwartet hatte.
Wichtig ist dabei der Wettbewerb in der Supply-Chain: ASML ist im Kern ein Monopolanbieter für hochentwickelte Lithografiesysteme, während die „Wette“ bei den Chipherstellern liegt, wie stark sie in Fertigungskapazitäten investieren. Tesla-Chef Elon Musk und die geplante „Terafab“-Initiative werden in den ASML-Zielen explizit erwähnt; auch Intel soll daran beteiligt sein. Das ist für die Marktmechanik relevant, weil neue Produktionscluster die Nachfrage nach modernster Belichtungstechnik typischerweise zeitversetzt erhöhen. Aus Analystensicht kann das bedeuten, dass Gewinnerwartungen für 2028 am Markt zu konservativ angesetzt sind – jedenfalls deutet ASMLs eigene Planlogik darauf hin, dass die Kapazitätsseite unterschätzt worden sein könnte.
Regulatorisch und geopolitisch bleibt der Kontext jedoch ein Risiko- und Steuerungsfaktor, gerade bei Lieferketten nach China. ASML führt China als wichtigen Absatzmarkt: Im laufenden Jahr dürften dort rund 20 Prozent des Erlöses erzielt werden, auch wenn der Anteil am Konzernumsatz sinken soll. Dahinter stehen Exportkontrollen und nationale Rahmenbedingungen, die den Zugang zu bestimmten Spitzentechnologien begrenzen können. Für Unternehmen, die solche Investitionszyklen planen, ist das wichtig, weil ein Teil der Bestellung nicht nur durch Nachfrage, sondern durch Compliance- und Lizenzpfade bestimmt wird. So kann die Guidance zwar überblickbar bleiben, aber die Timing-Unsicherheit bleibt.
Historisch betrachtet folgt ASML damit einem Muster: In jedem großen Lithografie-Sprung – von früheren Generationen hin zur EUV-Breite – verschiebt sich die Kennzahlensicht. In den Phasen, in denen EUV von Nischenanwendungen in die Massenfertigung „durchrutscht“, steigen typischerweise die Margen, weil der Anlagenmix mehr Wertschöpfung trägt und die Service- und Upgradezyklen mitziehen. Schon jetzt signalisiert die Kombination aus Umsatzsteigerung im zweiten Quartal, höherem Bruttomargenband und nachgezogener 2026-Planung, dass die Kostendynamik kontrollierbar ist. Für Enterprise-Kunden heißt das auch: KI-Workloads werden nicht nur durch Software, sondern durch belastbare Fertigungs- und Auslieferkapazitäten ermöglicht.
Der Ausblick bis 2028 entscheidet sich letztlich an zwei Stellschrauben: Kapazitätsaufbau bei ASML und Abrufrate bei den Chipherstellern. Wenn low NA EUV und DUV-Immersion wie geplant skaliert werden, kann der Engpass im „Advanced Nodes“-Pfad zwar weiter abnehmen, aber neue Engpässe können an anderer Stelle auftauchen – etwa bei Subkomponenten, Fachkräften oder der Ausbeute. Gleichzeitig dürfte die Erwartungshaltung des Marktes weiter volatil bleiben, weil Analysten wie Menon den Kapazitätsausbau zuletzt anders gewichtet haben. Für Entwickler und IT-Entscheider im Rechenzentrumsumfeld ist die Botschaft trotzdem klar: KI-Infrastrukturplanung hängt zunehmend an der physikalischen Fertigungsarchitektur, nicht nur an Cloud-Verträgen.
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