NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Analyse zeigt, dass die globale Bierproduktion im vergangenen Jahr um 1,4 Milliarden Liter gesunken ist. Der Rückgang entspricht 0,7 Prozent auf 189,6 Milliarden Liter und betrifft sowohl traditionelle Märkte als auch große Regionen wie Europa und Nordamerika. Gleichzeitig verliert der Hopfenanbau schneller an Boden als der Bierausstoß, was das Marktgleichgewicht weiter belastet. Für Deutschland werden bis in den Frühling hinein noch spürbar schlechtere Entwicklungen erwartet.

Weniger Bier wird weltweit gebraut, und der Trend wirkt inzwischen deutlich breiter als nur einzelne Konsummuster in einzelnen Ländern. Laut Analyse eines Hopfenhändlers mit Sitz in Nürnberg fiel die globale Bierproduktion im vergangenen Jahr um 1,4 Milliarden Liter. Das entspricht einem Rückgang um 0,7 Prozent auf 189,6 Milliarden Liter; bemerkenswert ist dabei, dass der Wert bereits alkoholfreies Bier einschließt, das in Teilen der Welt zuletzt stärker nachgefragt wurde. Damit bleibt der Gesamtmarkt unter Druck, obwohl sich das Getränkesortiment in Richtung alkoholfreier und -armer Optionen verschiebt.
Die regionalen Unterschiede fallen dabei scharf aus. Den stärksten prozentualen Produktionsrückgang verzeichneten Australien und Ozeanien mit minus 2,4 Prozent, auch wenn die absolute Menge dort nur einen kleinen Bruchteil des globalen Bieres ausmacht. In Europa sank der Ausstoß um 1,6 Prozent auf 51 Milliarden Liter; besonders die Zahlen aus Deutschland und Polen drückten auf die Region. Deutschland konnte zwar Rang sechs der größten Bierproduzenten halten, blieb aber dennoch mit einem Minus von knapp 6 Prozent auf 7,9 Milliarden Litern klar im negativen Bereich. Auch in Asien gab es einen Rückgang um 1,2 Prozent auf 59 Milliarden Liter, wobei ein Anstieg in Indien durch Rückgänge in mehreren großen Märkten, darunter China und Vietnam, nicht vollständig kompensiert wurde.
Auch jenseits Europas zeigt sich der Druck in den großen „Schwergewicht“-Märkten. Nordamerika meldete minus 1,9 Prozent auf 34 Milliarden Liter; auffällig ist dabei der ausgeprägte Rückgang in den USA. Hier fiel fast eine Milliarde Liter weg, sodass die Produktion in den USA nur noch bei gut 17 Milliarden Litern lag. Mexiko konnte zwar auf knapp 15 Milliarden Liter zulegen, dennoch reichte das nicht, um den Gesamttrend der Region abzufedern. In Südamerika drehte die Entwicklung dagegen ins Plus: Die Produktion stieg um 1,7 Prozent auf 25 Milliarden Liter, vor allem getrieben durch Brasilien, das auf gut 15 Milliarden Liter zulegte. In Afrika wiederum wuchs die Produktion sogar um 2,6 Prozent auf knapp 17 Milliarden Liter – ein Signal dafür, dass Nachfrage- und Strukturverschiebungen je nach Region unterschiedlich schnell wirken.
Besonders interessant für die nächsten Monate ist aber nicht nur der Bierausstoß, sondern der Rohstoff- und Vorleistungsbereich. Laut den genannten Daten sinken sowohl Anbaufläche als auch Erntemenge beim Hopfen weltweit, und zwar schneller als die Bierproduktion insgesamt. Die weltweite Anbaufläche schrumpfte um 5,5 Prozent auf 52.660 Hektar; die Erntemenge ging um 3,8 Prozent auf 109.188 Tonnen zurück. Für Anbieter und Abnehmer entsteht daraus ein Spannungsfeld: Wenn weniger Hopfen produziert wird, aber der Markt insgesamt bereits im Überhang war, können Preissignale und Verfügbarkeiten zeitverzögert reagieren. Der Hopfenhändler verweist auf eine Lage, in der die Produktion auch 2025 den Bedarf überstieg; gleichzeitig erwartet man für das laufende Jahr keine echte Wachstumsdynamik beim Bierausstoß.
Genau hier liegt der Kern der wirtschaftlichen Herausforderung: Für Bierbrauer bedeutet weniger Absatz nicht automatisch weniger Aufwand, während Rohstoff- und Logistikkosten häufig träge sind. Für Deutschland kommen zudem zusätzlich zu den globalen Effekten negative lokale Signale hinzu. Der Deutsche Brauer-Bund geht davon aus, dass der Verlust bis Mai im Vergleich zum Vorjahr „mehr als fünf Prozent“ betragen habe; die Branche müsse weniger mit einer kurzfristigen Absatzdelle, sondern eher mit einer „echten Zäsur“ umgehen. Als Treiber werden unter anderem ein durch anhaltende politische Unsicherheit verursachtes negatives Konsumklima, die demografische Entwicklung sowie Post-Pandemie-Effekte genannt, insbesondere die weiterhin belastete Lage in der Gastronomie. Seit 2019 sei der deutsche Biermarkt laut dieser Einschätzung um rund 18 Prozent geschrumpft, und mit Blick auf hohe Produktionskosten und den Rückgang der Nachfrage sei auch damit zu rechnen, dass die Zahl der Brauereien weiter abnimmt.
Gleichzeitig gibt es kurzfristige, kanalgetriebene Gegenimpulse – und die lassen sich zumindest teilweise an Ereignissen festmachen. Der vergangene Monat sei offenbar teilweise besser gelaufen, wohl auch wegen der Fußball-Weltmeisterschaft. Eine der großen deutschen Brauereien meldete für Juni ein Absatzplus von 28 Prozent. Dabei betonte die Geschäftsführung für Vertrieb und Marketing, dass die WM zusätzliche Dynamik erzeugt habe und dass Fußball-Großereignisse weiterhin Relevanz für Marken und Absatzkanäle besäßen, auch wenn die Nationalmannschaft früh ausschied. Wichtig ist: Solche Effekte sind meist nicht 1:1 auf die gesamte Branche übertragbar. Wenn eine Brauerei Werbepartner der Nationalmannschaft ist, können Heim- und TV-Impulse überproportional stark ausfallen; für andere Anbieter bleibt die Frage, wie groß der „Mitnahmeeffekt“ in ihren Vertriebskanälen tatsächlich ist.
Für Unternehmen entlang der Wertschöpfung – von Brauereien über Logistik bis hin zu Rohstoffverarbeitung – verdichtet sich daraus eine klare Aufgabenstellung: Produktion und Beschaffungsplanung müssen enger mit Absatzrealität und regionalen Verschiebungen gekoppelt werden. Der globale Rückgang bei Bier steht dabei im engen Zusammenhang mit dem schnelleren Rückgang beim Hopfenanbau, während Marktsegmente wie alkoholfreies Bier zwar helfen können, den Gesamtsaldo aber nicht automatisch drehen. Unterm Strich entsteht ein Szenario, in dem sich die Nachfrage zwar in Richtung neuer Produkte und in einzelne Regionen verlagert, gleichzeitig aber die Breite der Produktion sinkt und die Kostenstruktur vieler Anbieter weiterhin belastet. Wie stark sich daraus strukturelle Konsolidierungen entwickeln, dürfte sich besonders im europäischen und deutschen Umfeld zeigen – dort, wo der Rückgang am deutlichsten in bestehende Marktgewohnheiten eingreift.
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