STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – Porsche soll laut Medienberichten weitere 5000 Arbeitsplätze abbauen, womit sich das bereits angekündigte Programm deutlich ausweiten würde. Vorstand und Aufsichtsrat bereiten offenbar noch Verhandlungen im Zukunftspaket vor, eine Einigung mit Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall steht aber noch aus. Michael Leiters treibt parallel die Planung eines neuen hochpreisigen Sportwagens oberhalb des 911 voran, der frühestens ab 2031 in Sicht kommt. Für die Belegschaft stellt sich damit die Frage, wie weit Kostendruck und Investitionspfade künftig zusammenpassen.

Wenn sich Zahlen und Zeitachsen verdichten, zeigt sich bei Porsche gerade ein Muster, das sowohl im Automobilbau als auch in der Software- und Produktionsplanung bekannt ist: Einerseits wird der Kostendruck sichtbar in Form eines möglichen Personalabbaus, andererseits versucht der Vorstand, die nächste Produktgeneration finanziell und strategisch vorzubereiten. Medienberichten zufolge könnte der Sportwagenbauer weitere 5000 Stellen streichen, sodass Porsche das derzeitige Abbauprogramm wohl deutlich aufstocken würde. Porsche-Chef Michael Leiters soll bis 2035 zwischen 5000 und 6000 Jobs abbauen lassen wollen; konkret wird die Größenordnung als Verdopplung des bisherigen Plans beschrieben.
In den Verhandlungen bleibt der Prozess allerdings noch in Bewegung. Ein Porsche-Sprecher lehnte eine direkte Stellungnahme zu den Berichten ab und machte zugleich klar, dass noch keine Einigung zwischen Unternehmen, Betriebsrat und der ebenfalls beteiligten Gewerkschaft IG Metall vorliegt. Der Aufsichtsrat soll demnach auf einer Sitzung den aktuellen Stand der Gespräche zum sogenannten Zukunftspaket vorgestellt bekommen haben, während ein Sprecher die Unterstützung des Gremiums für den Prozess in Aussicht stellte. Das bringt auch die innerbetriebliche Taktung ins Spiel: Für den Fall einer Einigung war vorgesehen, den Sparplan zeitnah zu veröffentlichen, während die Mitarbeitenden in Stuttgart in einer Betriebsversammlung informiert werden sollten.
Besonders aufmerksamkeitsstark ist dabei, wie Porsche angeblich über die unmittelbaren Entgelte der Beschäftigten verhandeln will. Laut Berichten soll Leiters die jährlichen Sonderzahlungen, die in der Vergangenheit bei guter Gewinnlage teils im vierstelligen Bereich ausgefallen sein sollen, auf 1500 Euro deckeln und das Weihnachtsgeld kürzen. Für Unternehmen ist das ein klassischer Hebel, um einen Teil der variablen Kostenplanungen zu verstetigen und Schwankungen in Ergebnisjahren abzufedern. Aus Sicht der Belegschaft ist das dagegen weniger abstrakt: Es geht nicht nur um Stellen, sondern auch um die Zusammensetzung des Vergütungspakets und damit um die Frage, wie stark der Konzern die Verteilung von Risiken und Chancen in der Transformation neu justiert.
Währenddessen verschiebt Porsche den Fokus zugleich nach vorn – mit einem Produktprojekt, das zeitlich deutlich länger geplant ist als der arbeitsrechtliche Umbau. Laut Informationen treibt Leiters den Bau eines neuen, hochpreisigen Sportwagens oberhalb der Baureihe 911 voran. Auf einem Kapitalmarkttag am 7. Oktober soll Porsche eine Designstudie präsentieren: ein zweitüriger Sportwagen mit Achtzylinder-Boxermotor, positioniert über dem 911 und mit einer projektierten Zielgröße von rund eineinhalb Mio. Euro ist in der Quelle nicht genannt, vielmehr wird eine Summe von rund eine halbe Million Euro als Kostenrahmen bzw. Preispositionierung erwartet. Intern trägt das Vorhaben die Bezeichnung „S1“, und ein Porsche-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.
Entscheidend ist jedoch die reale Vermarktungslogik: Das von Tobias Sühlmann gestaltete Fahrzeug soll nicht vor 2031 auf den Markt kommen. Das deutet darauf hin, dass Porsche die Plattform-, Zuliefer- und Fertigungsentscheidungen frühzeitig absichern muss, bevor sich das Projekt wirtschaftlich trägt. Interessant ist dabei auch die Vorgeschichte: Ursprünglich war ein als X11 bezeichneter Supersportwagen gemeinsam mit der Volkswagen-Tochter Lamborghini angedacht, dieses Projekt soll nach Berichten nicht zustande kommen. Parallel wird die zeitliche Staffelung der Elektro- und Softwarevorhaben sichtbar: Porsche betreibt derzeit keine aktiven Entwicklungsprojekte mit dem Gemeinschaftsunternehmen der Volkswagen-Mutter und des US-Elektroautobauers Rivian, das intern als Rivian Volkswagen Technologies (RVT) läuft.
Dass der Konzern Projekte nicht sofort „entwickelt“, heißt allerdings nicht, dass er dafür nicht zahlt. Laut Quelle bezahlt Porsche für die RVT-Allianz pro Jahr mindestens 700 Millionen Euro, während das Projekt eines elektrischen Panamera, intern G4 genannt, in die 2030er-Jahre verschoben wurde. Für Finanz- und Strategieabteilungen ist das ein Hinweis darauf, wie Porsche Risiko und Optionen verteilt: Die Kosten für Partnerschaften laufen weiter, während die eigene Roadmap für Antriebe und Systemkompetenz zeitlich neu kalibriert wird. Gleichzeitig soll Leiters versuchen, einen Teil der Porsche-Anteile an dem Softwareunternehmen Applied Intuition aus dem Silicon Valley an einen japanischen Investor zu verkaufen; der Verkauf soll jedoch bisher am Veto des Gründers Qasar Younis gescheitert sein.
Diese Gemengelage zeigt, wie stark sich Porsche gerade zwischen drei Welten bewegen muss: der kurzfristigen Kostenstruktur im Werk, der mittelfristigen Produktpipeline mit dem S1 oberhalb des 911 und der längerfristigen Software- und Elektrostrategie. Der angekündigte Personalabbau bis 2035 schafft zwar Raum für Investitionen, erhöht aber gleichzeitig den Druck, Projekte möglichst „sauber“ zu priorisieren und Skills dort aufzubauen, wo sie später Wirkung entfalten. Genau hier wird das Spannungsfeld deutlich: Während der Sportwagen S1 erst in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre erwartet wird, laufen die Arbeitsmarkt- und Verhandlungsfragen bereits jetzt. Für Zulieferer, Standortplaner und die Engineering-Teams entsteht damit eine Planungsaufgabe, die nicht nur Technik betrifft, sondern auch Timing, Know-how-Erhalt und Organisationsdesign.
Für Entscheider lohnt sich deshalb ein Blick auf die Abfolge der nächsten Schritte: Erst wenn eine Einigung im Zukunftspaket mit Betriebsrat und IG Metall zustande kommt, soll der Sparplan veröffentlicht werden und die angekündigten Maßnahmen in der Fläche wirken. Parallel arbeitet Porsche an der Außenkommunikation über den Kapitalmarkttag am 7. Oktober, an dem die Designstudie des S1 den strategischen Gegenpol zum Sparkurs liefern soll. Aus Unternehmenssicht entsteht daraus ein zweischneidiges Signal: Die Belegschaft und der Markt sehen gleichzeitig Rückbau und Aufbau. Ob diese Balance langfristig gelingt, hängt davon ab, ob Porsche die Produkt- und Technologiepfade so abstimmt, dass der Kostendruck nicht zur Bremse für die nächste Generation wird.
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