LONDON (IT BOLTWISE) – XRP ist in der laufenden Woche wieder über 1,16 US-Dollar geklettert, während große Wallets gleichzeitig weniger Coins an Börsen schicken. Daten deuten darauf hin, dass Wal-Aktivität den Rückzug aus der Börsenliquidität unterstützt und damit kurzfristigen Verkaufsdruck reduziert. Gleichzeitig zeigt der Kurs um 1,14 US-Dollar, dass noch Käufer fehlen, um das im Juni etablierte Handelsspektrum klar nach oben zu verlassen. Die entscheidende Frage bleibt deshalb, ob Spot-Nachfrage und ETF-Ströme den verbleibenden Angebotsblock absorbieren.

Die Bewegung von XRP über 1,16 US-Dollar wirkt weniger wie ein einzelner Kurssprung, sondern eher wie eine Verschiebung im Kräfteverhältnis zwischen Börsenangebot und außerbörslicher Nachfrage. Laut den im Bericht genannten Kennzahlen fällt der Anteil von XRP, den große Halter in den Handelskanälen positionieren, während gleichzeitig Wal-Bestände zunehmen. Diese Kombination ist für Trader deshalb relevant, weil Börsenabflüsse typischerweise die sofort verfügbare Liquidität zum Verkaufen verringern – während anhaltende Preissteigerungen im Regelfall zusätzliche Käufer brauchen, die das verfügbare Angebot auch zu höheren Kursen aufnehmen.
Technisch betrachtet hängt die Marktdynamik in solchen Phasen oft an zwei Engpässen: Erstens daran, wie viel „sellable supply“ auf zentralisierten Börsen liegt, und zweitens daran, ob sich diese Lücke auch in echter Spot-Nachfrage auszahlt. Der Bericht beschreibt, dass Wallets mit 100.000 bis 100 Millionen XRP ihre Bestände über fünf Wochen um 2,8% gesteigert haben, während kleinere Wallets unter 0,01 XRP im selben Zeitraum 5,2% verloren. Diese Verteilung weist auf eine steigende Überzeugung großer Marktteilnehmer hin, während schwächere Hände eher aussteigen oder ihre Positionen reduzieren. Zugleich liefert die beobachtete Kursentwicklung um 1,14 US-Dollar den Hinweis, dass die Erholung noch nicht in einen dauerhaft dominierten Kaufimpuls übergegangen ist.
Besonders aufschlussreich ist dabei der Blick auf den Fluss von XRP zwischen Wallets und zentralisierten Exchanges. Für den 22. Juli nennt der Bericht einen Rekord: Wale machten 77,8% der XRP-Outflows von zentralisierten Börsen aus, nach 63% am 6. Mai. Gleichzeitig sank der Anteil kleinerer Retail-Investoren von 36% auf 22%, wodurch sich der Abstand zwischen beiden Gruppen auf nahezu 56 Prozentpunkte vergrößerte. Auf Binance wird ein ähnliches Bild beschrieben: Am 22. Juli entfielen 71% der Abhebungen auf große Halter, Anfang Mai waren es 67%. Der Retail-Anteil rutschte dort auf 28,7% von 32%. Für die These „nicht nur eine Börse, sondern ein breiteres Muster“ spricht genau diese Parallelität.
Dass Wal-Investoren dem Handelssystem weniger XRP zuführen, zeigt sich auch in den Ein- und Ausflusskennzahlen. Der Bericht hebt hervor, dass die Whale-Deposits zu Binance um 96% auf 25,3 Millionen XRP eingebrochen seien – von einem früheren Hoch von 583 Millionen XRP. In Wertausdrücken entspräche das einer Größenordnung von rund 1,36 Milliarden US-Dollar beim früheren Zufluss gegenüber etwa 23 Millionen US-Dollar beim jüngsten Stand. Der Abwärtstrend scheint zudem über einzelne Tage hinauszugehen: Die 90-Tage-Durchschnittswerte für Whale-Inflows auf Binance werden mit etwa 69 Millionen US-Dollar angegeben, nachdem sie im Januar 2025 noch bei 460 Millionen US-Dollar lagen; der letzte Tageswert sei zudem der niedrigste seit diesem Monat. Damit wird das Bild konsistent: Wal-Bestände wachsen, aber die Positionierung auf einer zentralen Handelsplattform nimmt deutlich ab.
Parallel dazu liefert ein zweiter Nachfragefaktor ein strukturelles Gegengewicht: US-Spot-XRP-ETFs. Laut den im Text genannten Zahlen haben die Produkte seit April in Summe etwa 285 Millionen US-Dollar angezogen, wobei der Bericht die Monatsbeiträge mit 81,59 Millionen US-Dollar (April), 131,94 Millionen US-Dollar (Mai) und 59,46 Millionen US-Dollar (Juni) beziffert. Für das viermonatige Zeitfenster ergibt sich damit ein wiederkehrender Zustrom, der in Phasen sinkender Wal-Einlagen zumindest einen Teil des verbleibenden Verkaufsdrucks ausgleichen kann. Besonders relevant ist außerdem, dass die kumulierten Nettozuflüsse seit Start der vier Fonds rund 1,49 Milliarden US-Dollar erreichen sollen, während die gesamten Assets etwa 1,06 Milliarden US-Dollar betragen.
Für die Frage, ob XRP die Range nachhaltig verlässt, reicht aber das „Anstoßen“ durch ETFs allein nicht aus. Der Bericht betont den Mechanismus indirekt: ETF-Subscriptions können dazu führen, dass Fondsanbieter und ihre Gegenparteien zusätzliche XRP-Exponierung beschaffen müssen, wenn neue Fondsanteile ausgegeben werden. In einem Markt, in dem ein Teil des potenziellen Angebots gerade weniger auf Binance „geparkt“ wird, wirkt der ETF-Zufluss wie ein zusätzlicher Käufer – doch entscheidend bleibt, ob Spot-Käufe auch dann stabil bleiben, wenn der Preis über frühere Widerstandsbereiche steigt. Genau hier liegt der nächste Test: Solange XRP um das Niveau nahe 1,14 US-Dollar pendelt, ist die Erholung zwar sichtbar, aber noch nicht in einen klaren Ausbruch über das im Juni etablierte Handelsspektrum übersetzt.
Damit rückt ein praktischer Blick für Unternehmen und Marktbeteiligte in den Vordergrund: Die Kombination aus sinkender Börsenpositionierung großer Halter und anhaltenden ETF-Zuflüssen verändert kurzfristig die verfügbare Liquidität, aber die mittel- bis langfristige Richtung hängt davon ab, ob zusätzliche Nachfrage den nächsten Angebotsblock aufnimmt. Wenn ETF-Ströme weiter bestehen und gleichzeitig Wal-Abflüsse von Exchanges nicht nachlassen, kann sich aus dem „Entlastungseffekt“ schließlich ein „Nachfrageeffekt“ entwickeln. Andernfalls bleibt die Aktie in der beobachteten Range – nicht wegen fehlender Aktivität, sondern weil der Markt bei jedem neuen Anlauf zu wenig zusätzliche Käufer findet, um die verbleibenden Coins in höheres Preisniveau zu überführen.
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