LONDON / MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach dem Launch im November 2025 strömten in die XRP-ETFs rund 667 Millionen US-Dollar im ersten Monat. Seitdem sind die Zuflüsse jedoch stark eingebrochen: Im aktuellen Monat summieren sie sich bislang nur auf etwa 4 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig bleibt die Gesamtbilanz der Fonds positiv, weil frisches Kapital weiter zufließt. Entscheidend ist aber die Bewertung der gehaltenen XRP-Token, die mit dem Kurs sichtbar schwankt.

Rund um die XRP-ETFs wird die Frage zunehmend technisch wie wirtschaftlich: Kommen weiterhin Mittel rein, oder ist nach dem Start-Hype einfach Ruhe eingekehrt? Als die börsengehandelten Fonds im November 2025 gestartet sind, verzeichneten sie im ersten Monat laut den genannten Zahlen Zuflüsse von 667 Millionen US-Dollar. Acht Monate später ist davon nur noch ein Reststrom übrig: Für den laufenden Monat werden bislang etwa 4 Millionen US-Dollar genannt. Dass sich das Muster seit Jahresbeginn abzeichnet, wirkt dabei weniger wie ein einzelner Rückschlag, sondern wie eine Neubewertung des gesamten Krypto-ETF-Marktes.
Um das Bild korrekt zu lesen, lohnt ein Blick auf die Struktur der Cashflows. Seit dem Launch sollen die XRP-ETFs insgesamt rund 1,49 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen eingesammelt haben. Allerdings kam der Großteil sehr früh: Etwa 666,61 Millionen US-Dollar im November und 499,91 Millionen US-Dollar im Dezember bedeuten zusammen knapp 80% des gesamten seit Start kumulierten Volumens. Diese frühe Konzentration passt zu einem typischen Startverhalten bei Spot-ETFs: Wer lange auf einen „Zugang ohne Wallet“-Pfad gewartet hat, kauft häufig beim Eröffnungsfenster. Danach normalisiert sich die Nachfrage, wenn der Markt die anfängliche Euphorie abarbeitet.
Konkreter wird die Delle an der monatlichen Dynamik: Im Januar sollen die Zuflüsse auf 15 Millionen US-Dollar gefallen sein. Im Februar gab es mit 58 Millionen US-Dollar eine leichte Erholung, bevor im März der erste und einzige größere Abfluss von etwa 31 Millionen US-Dollar auftauchte. In dem Zeitraum werden als Treiber unter anderem das Umfeld rund um den US‑Iran-Konflikt sowie steigende Inflation genannt. Danach stabilisieren sich die Zuflüsse wieder im zweiten Quartal, mit einem Höhepunkt von 131 Millionen US-Dollar im Mai, bevor Juni mit 59 Millionen US-Dollar und ein sehr schwaches Juli-Momentum von bislang 4,28 Millionen US-Dollar nachziehen. Für Anleger ist das vor allem ein Signal: Der Zufluss ist weniger „Trend“, mehr „Anlassgeschäft“.
Aus der Marktlogik heraus ist die naheliegende Erklärung zwar „XRP hat nachgelassen“, aber sie greift zu kurz. Denn der Text stellt den Vergleich zu anderen Krypto-ETFs her: Spot-Bitcoin-ETFs sollen über eine achtwöchige Outflow-Phase rund 8,2 Milliarden US-Dollar verloren haben, und Ethereum-ETFs im selben Fenster mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar. Damit ist klar, dass die Flaute nicht nur XRP betrifft, sondern das gesamte Risikobudget für Krypto in dieser Phase schrumpft. Ein übergreifender Grund wird ebenfalls genannt: In einem Jahr mit relativ hohen Zinsen konnten Anleger einen „sicheren“ Ertrag erzielen, ohne Krypto anfassen zu müssen. Zusätzlich wird von Kapitalrotation in Richtung KI-Aktien berichtet und davon, dass auch IPO-Wellen Liquidität absorbierten.
Technisch betrachtet lässt sich das als Portfoliorotation unter Liquiditäts- und Risiko-Rahmenbedingungen interpretieren. Kryptoprodukte wie Spot-ETFs sind in Stressphasen oft die „erste Schublade“, aus der Geld abgezogen wird, weil sie unmittelbar mit volatilen Preisbewegungen verknüpft sind. Interessant ist aber, dass die XRP-ETFs laut der Darstellung relativ stabil wirkten: Während Bitcoin- und Ethereum-Fonds über große Beträge in die Verlustzone liefen, blieb XRP in vielen Wochen eher bei kleinen positiven Zuflüssen. Diese Robustheit heißt nicht, dass die Nachfrage „nie“ weg war, sondern dass die Aktivität im Hintergrund anders getaktet hat. Das wirkt wie eine geringere Schmerzschwelle bzw. wie eine andere Anlegerbasis, die weniger aggressiv reagiert.
Hier entsteht die vermeintliche Widersprüchlichkeit, die im Text ausdrücklich adressiert wird: Die Fonds hätten seit Launch 1,49 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen, gleichzeitig aber nur noch rund 991 Millionen US-Dollar an Assets. Wenn das Geld weiter reinkommt, warum sinkt die Bilanz? Die Antwort liegt in der Bewertungsmechanik: XRP-ETFs halten reale XRP-Token. Der Wert des Portfolios folgt daher unmittelbar dem Token-Kurs. Bei Launch im November 2025 soll XRP zwischen etwa 2,30 und 2,50 US-Dollar gehandelt worden sein, bis Ende Dezember nahe 1,86 US-Dollar. Heute wird ein Kurs um 1,09 US-Dollar genannt. Damit wird der Wert der bereits gekauften Bestände in US-Dollar gerechnet kleiner, selbst wenn kaum Abflüsse auftreten.
Genau an dieser Stelle stolpern viele Marktteilnehmer, weil sie „Assets under Management“ (AUM) und „Nettozufluss“ miteinander verwechseln. Sinkt der Gesamtwert des Fonds, wirkt es wie „Geld flieht“. In der Praxis kann es aber sein, dass die Käufer weiterhin netto investieren, während der fallende Kurs die vorhandenen Bestände auffrisst. Der Text beschreibt dieses Phänomen so, dass frisches Kapital zwar positiv bleibt, der Preisrückgang aber den Buchwert reduziert. Für Enterprise-Anleger und Vermögensverwalter ist das auch eine Frage der Reporting-Logik: Entscheidend sind Flows, Kursbewegungen und Bewertungsstichtage – nicht nur die AUM-Zahl als Proxy.
Die nächste Leitfrage lautet deshalb: Kommen die Zuflüsse wieder? Der Text verweist auf ein makrogetriebenes Setup: In diesem Jahr sei Geld aus Krypto vor allem wegen hoher Zinsen, der politischen Verunsicherung durch den US‑Iran-Konflikt und einer vorsichtigen Risikowahrnehmung gewichen. Historisch setzt eine Erholung in solchen Phasen oft ein, wenn der Zinsdruck nachlässt und die Stimmung wieder „Risk-on“ zulässt. Als Frühindikator wird erwähnt, dass Bitcoin- und Ethereum-ETFs nach zwei Monaten ohne Outflow-Pausen wieder Zuflüsse verzeichnet hätten: zusammen 282 Millionen US-Dollar in einer Woche. Das ist im Verhältnis zu den zuvor verlorenen Milliarden zwar klein, aber es zeigt eine mögliche Trendwende, die den gesamten Krypto-ETF-Komplex erfasst.
Für XRP kommt zusätzlich eine regulatorische Komponente ins Spiel: Der Text nennt den CLARITY Act als potenziellen Wendepunkt. Die Idee dahinter ist, dass der Gesetzesentwurf den rechtlichen Status von XRP dauerhaft festschreiben würde – ein Faktor, der für institutionelle Investoren häufig als Sicherheit gegen regulatorisches Bewertungsrisiko dient. Wenn die Marktphase sich gleichzeitig stabilisiert und das Zinsniveau tatsächlich sinkt, könnten XRP-ETFs wieder stärker von Zuflüssen profitieren, weil die Nachfrage dann nicht „neu“ entstehen muss, sondern zurück in die Kaufbereitschaft übersetzt werden kann. Solange jedoch Zinsen und regulatorische Klarheit fehlen, bleibt das Muster aus langsamen, punktuellen Zuflüssen plausibel.
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