LONDON (IT BOLTWISE) – In einem Online-Event zeigt Jonathan Greechan, wie sich Kundeninterviews im Zeitalter der KI schneller und strukturierter durchführen lassen. Der Fokus liegt auf praktischen Prompts und Workflows, mit denen Gründer ihre Startup-Idee gegen reale Bedürfnisse testen. Statt lange im stillen Kämmerlein Annahmen zu sammeln, soll ein iterativer Interview-Ansatz helfen, Schmerzpunkte und Kaufhemmnisse früh zu identifizieren. Dazu gehört auch Unterstützung beim Pitch, inklusive Bausteinen für ein Pitch-Deck.

Ob man schon ein Produkt vorweisen kann oder noch bei der Idee startet: In der frühen Phase entscheidet die Qualität der Kundenrückmeldungen über Tempo und Richtung. Genau an diesem Punkt setzt das Online-Event „How to Interview Potential Customers for your Startup Idea in the Age of AI“ an. Jonathan Greechan, Co-Founder & CEO des Founder Institute, adressiert dabei ein wiederkehrendes Problem vieler Startups – nämlich dass Gründer zwar schnell sprechen, aber zu selten systematisch nachhaken, Hypothesen sauber prüfen und die Antworten anschließend so verdichten, dass daraus Entscheidungen werden. Die Veranstaltung verspricht deshalb einen Schritt-für-Schritt-Ansatz, der Künstliche Intelligenz nicht als „Zaubertrick“, sondern als strukturierende Assistenz für den gesamten Customer-Development-Prozess nutzt.
Der Kern der Veranstaltung ist ein methodisches Vorgehen für Interviews, bei dem KI-gestützt Annahmen „stress-testet“. In der Praxis bedeutet das: Gründer definieren vor dem Gespräch messbare Hypothesen über ein konkretes Problem, die Zielgruppe und den erwarteten Nutzen. Danach helfen KI-gestützte Prompts, aus diesen Hypothesen Interviewfragen abzuleiten, die möglichst unterschiedliche Antwortmuster erzwingen – etwa ob Nutzer das Problem überhaupt als dringend erleben, welche Alternativen sie heute verwenden und warum diese Alternativen im Alltag funktionieren oder scheitern. Dabei geht es weniger um „nett klingende“ Fragen, sondern um gezielte Varianten, die im Gespräch zwischen „Interesse“ und „Kaufbereitschaft“ unterscheiden. Genau diese Trennschärfe ist wichtig, weil viele Teams in frühen Nutzerstudien zwar Likes und Zustimmung bekommen, aber keine belastbaren Hinweise auf Zahlungsbereitschaft oder Switching-Kosten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, wie man KI für Markt- und Wettbewerbsanalysen einsetzt, ohne dabei in reines Informationssammeln zu verfallen. Laut Agenda erhalten Teilnehmende konkrete Prompt-Kombinationen, um Marktbeobachtungen schneller aufzubereiten und den Wettbewerb in Bezug auf Positionierung, Zielkundensegmente und Produktversprechen zu strukturieren. Der Vorteil gegenüber klassischem Recherche-Workflow ist vor allem der schnellere Übergang von Fakten zu Hypothesen: Aus zusammengeführten Signalen sollen sich Fragen ableiten lassen, die man im Interview dann gezielt validiert. Daneben wird auch das Prototyping angesprochen – wichtig, weil Interviews oft nur dann Wirkung entfalten, wenn man Ergebnisse in etwas greifbares zurückführt. Ein KI-gestützter Workflow kann hier helfen, aus Feedback schneller Zwischenversionen zu erzeugen, etwa anhand von problemorientierten Szenarien, Nutzungsabläufen oder vereinfachten Mockups, die man anschließend wieder mit Kandidaten testet.
Spannend ist auch der Übergang von Kundenvalidierung zum Pitch: Denn selbst ein überzeugendes Interviewergebnis bringt wenig, wenn es im Investorengespräch nicht in eine klare Story übersetzt wird. Greechan kündigt dafür Unterstützung beim Erstellen und Üben des Pitches mit KI an, inklusive dem Aufbau eines vollständigen Pitch Decks mit „Claude Skills“. Technisch betrachtet ist dieser Teil weniger Magie und mehr Strukturarbeit: Ein gutes Deck beantwortet Fragen in einer logischen Reihenfolge—Problem, Lösung, Markt, Traction (falls vorhanden), Business Model und Team. KI kann dabei helfen, aus Interviewnotizen konsistente Kernaussagen zu destillieren und die Argumentation so zu formulieren, dass sie die typischen Einwände adressiert. Gleichzeitig bleibt die zentrale Arbeit beim Gründer: Man muss die Ergebnisse aus den Gesprächen in schlüssige Schlussfolgerungen überführen und prüfen, ob die Datenbasis tatsächlich die behaupteten Punkte trägt.
Für wen ist das relevant? Die Veranstaltung richtet sich laut Beschreibung ausdrücklich an angehende Gründer, die ein Business starten wollen, aber noch keine technischen Fähigkeiten mitbringen; ebenso an Unternehmer, die untersuchen, wie KI ihren Startup-Fahrplan beschleunigen kann. Auch Personen, die ein Side Project oder einen Solo-Startup-Ansatz verfolgen, finden hier einen konkreten Hebel, um nicht nur „Ideen zu sammeln“, sondern die Lernzyklen zu verkürzen. Ergänzend spricht das Format frühe Founder an, die KI-betriebene Workflows für ihre ersten Schritte nutzen wollen – also vor allem für diejenigen, die Customer Development bislang als unstrukturiertes Gespräch erlebt haben. Gerade in dieser Gruppe ist der Benefit hoch, weil sich mit einem Framework die Interviewqualität standardisieren lässt, selbst wenn man wenig Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Kundentypen hat.
Hinter dem Event steht außerdem die Methodik des Founder Institute, das sich als „AI-Native“ Company Builder positioniert. Seit 2009 habe die Organisation strukturierte Programme für mehr als 9.000 Gründer in über 100 Ländern unterstützt und dabei laut Angaben über 2 Mrd. USD an Finanzierungen ermöglicht. Für Teilnehmer bedeutet das: Der Ansatz aus dem Interview-Workshop ist kein isoliertes Prompt-Training, sondern soll in einen größeren Bauplan für frühe Startup-Entwicklung passen. Gerade für enterprise-nahe Leser ist das interessant, weil Customer-Development dort oft strenger ablaufen muss – nicht, weil Unternehmen skeptischer sind, sondern weil die Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Evidenz im Entscheidungsprozess hoch sind. Wenn KI als „Prozessschicht“ eingesetzt wird, können Teams Ergebnisse nachvollziehbar dokumentieren, Interviewleitfäden versionieren und Hypothesen klar markieren.
Damit das Gelernte im Alltag funktioniert, muss man den Workflow auch diszipliniert anwenden. Ein nützliches Leitprinzip lautet: KI erstellt Entwürfe, der Gründer validiert; KI formuliert Hypothesen, der Markt entscheidet; KI verdichtet Notizen, aber die Beweislast bleibt bei den Daten aus echten Gesprächen. Genau deshalb ist die Betonung auf Schritt-für-Schritt-Framework und wiederverwendbare Prompts so zentral: Teilnehmende sollen die Tools nicht nur einmalig nutzen, sondern als wiederkehrende Routine in der Ideenphase etablieren. Und auch wenn das Event „Online Event“ heißt, geht es nicht um eine passive Vorlesung: Der interaktive Charakter zielt darauf, dass Gründer ihre Herangehensweise direkt auf ihre eigene Startup-Idee übertragen. Wer am Ende sowohl Fragen für Kundeninterviews als auch Bausteine für Pitch und Deck-Story besitzt, hat einen roten Faden, der Validierung und Positionierung miteinander verbindet.
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