LONDON (IT BOLTWISE) – In der ProSieben-Doku „Born Famous – Fluch oder Segen“ erzählt Gloria-Sophie Burkandt, was sie in der Schule erlebt hat. Sie beschreibt heftiges Mobbing, körperliche Übergriffe und die Idee, sich mit Schienbeinschonern zu schützen. Zudem spricht sie offen über eine frühere Magersucht. Markus Söder ergänzt die Perspektive ihres Vaters und ordnet die Beziehung zwischen beiden als nicht immer einfach ein.

Markus Söders Tochter spricht über Mobbing und Magersucht in TV-Doku „Born Famous“
Markus Söders Tochter spricht über Mobbing und Magersucht in TV-Doku „Born Famous“ (Foto: IT BOLTWISE)
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Dass eine politische Familie ins Rampenlicht rückt, ist im deutschen Medienbetrieb nichts Neues. Neu ist hier jedoch der konkrete Schwerpunkt: In der zweiten Folge der ProSieben-Doku-Serie „Born Famous – Fluch oder Segen“ berichtet Gloria-Sophie Burkandt, die Tochter von Ministerpräsident Markus Söder, über Erfahrungen, die sie als Kind und Jugendliche in der Schule gemacht hat. Sie nennt Mobbing als Auslöser für massive seelische Belastung und macht dabei nicht bei einem allgemeinen „unangenehm“ stehen, sondern schildert den Weg bis zu sehr konkreten Schutzmaßnahmen. Damit verschiebt sich die öffentliche Debatte weg vom Reiz des Prominenten-Alltags hin zu Fragen, wie Schule, Zugehörigkeit und psychische Stabilität zusammenhängen.

Burkandt sagt in der Sendung: „Kinder können bösartig sein und ich hab’ die heftigste Form erlebt“. Sie führt aus, sie sei geschlagen worden, und beschreibt anschließend eine pragmatische Reaktion: „…und habe mir dann Schienbeinschoner gekauft, damit die Schläge nicht so wehtun.“ Im gleichen Zusammenhang spricht sie über die Demütigungen, die für sie nicht nur körperliche, sondern vor allem psychische Spuren hinterlassen hätten. Ihre Formulierung „Die Demütigungen, was meine Seele durchgemacht hat, ist vom Allerfeinsten“ zeigt dabei weniger eine dramaturgische Überhöhung als eine klare, persönliche Bilanz. Für eine Zielgruppe, die solche Themen sonst häufig in Präventionskampagnen am Rand wahrnimmt, wirkt die Doku gerade deshalb eindringlich, weil sie Alltagsschilderungen mit dem Kontext einer prominenten Familie verknüpft.

Die zweite Ebene der Folge betrifft Burkandts späteren Umgang mit Krankheit. Sie berichtet, dass sie bereits vor einiger Zeit öffentlich über Magersucht gesprochen hat, und ordnet diese Zeit im Rückblick als einen Zustand extremer Selbstbeschränkung ein: „Ich war so dumm in der Zeit, dass ich nichts gegessen habe.“ Wichtig ist dabei der Hinweis auf die Wirkung auf das familiäre Umfeld. Laut ihrer Darstellung hätten insbesondere ihre Eltern und auch ihre Zieh-Großeltern darunter stark gelitten, weil sie weitgehend bei ihnen aufgewachsen sei. Der Grund: Ihre Mutter war alleinerziehend und berufstätig. Damit legt die Sendung nahe, dass Krisen nicht isoliert bei der betroffenen Person bleiben, sondern in einem Familiennetz aus Alltag, Sorge und fehlenden Freiräumen verankert werden. Medienseitig ist das zugleich ein Muster, das man aus anderen Formaten kennt: Geschichten über psychische Gesundheit werden häufig erst dann breiter rezipiert, wenn eine Erzählung aus „Privatleben“ die Schwelle zur gesellschaftlichen Diskussion überschreitet.

Markus Söder ist in der Folge nicht nur als Vater anwesend, sondern auch als Kommentator der Beziehungsebene. Er begleitet Burkandt in Terminen und in der Sendung gibt es Situationen, in denen beide den Alltag gemeinsam gestalten. Gleichzeitig wird deutlich, dass das Verhältnis nicht durchgehend konfliktfrei ist. Burkandt wünscht sich mehr Zeit mit dem vielbeschäftigten Vater; Söder wiederum zeigt Grenzen in seinem Verständnis für den von ihr angestrebten Karriereweg. Seine Aussage „Was Festes wär mir immer lieber“ und das nachgelagerte Bild „Immer ordentlich Geld verdienen, gute Rente bezahlen können“ sind dabei nicht nur konservative Grundhaltung, sondern auch ein Versuch, Sicherheit in einer unsicheren Phase herzustellen. Gerade weil die Doku mit sehr persönlichem Material arbeitet, wirkt diese Vater-Kommentierung wie eine Gegenfolie: Während Burkandt über Verletzlichkeit spricht, versucht Söder über Planbarkeit zu beruhigen.

Medial besonders relevant ist jedoch, wie Söder seine emotionale Lage beschreibt, ohne dabei in eine reine Wohlfühlstrategie zu kippen. Er sagt: „Wenn ich mich jetzt über alles aufrege, was jeden Tag jemand sagt oder denkt oder macht – mei – dann wär ich schon im Grab. Und deswegen versuche ich, darüber dann hinwegzugehen, aber wenn es was Lebensbedrohliches währe, wenn sie krank währe oder so – oder sie währe bei den Grünen oder bei der Linkspartei, das würde mich schon schocken.“ Diese Stelle verknüpft drei Themen: die Dauerbelastung durch öffentliche Meinungen, die Schwelle, bei der aus Frust existenzielle Sorge wird, und die politische Dimension als zusätzlicher Stressfaktor. Für die Einordnung lohnt ein Blick auf die Entwicklung solcher Formate in den vergangenen Jahren: TV-Dokumentationen sind zunehmend von „Staunen“ zu „Erklären“ übergegangen, allerdings tragen sie dabei immer noch das Risiko, dass Schicksalserzählungen unterhaltungsnah verpackt werden. In solchen Momenten entscheidet der Umgang mit Sprache, ob die Sendung stärkt oder weiter verletzt.

Die Folge endet nicht nur in belastenden Rückblicken, sondern setzt auch einen späteren Horizont. Söder formuliert den Wunsch, Opa zu werden, und bringt damit einen Generationenwechsel ins Spiel: „Irgendwann würde ich schon gern Opa werden“, sagt er. Auf die konkrete Frage, wie viele Enkel er sich vorstellt, antwortet er: „Da ist der Güte Gottes keine Grenzen gesetzt.“ Diese Passage wirkt wie ein bewusst gesetzter Kontrapunkt, der zeigt, dass eine Familie nach Krisen nicht dauerhaft im Modus des Leidens bleiben muss. Für Zuschauerinnen und Zuschauer kann das entlastend sein: Nicht jede Erzählung über Mobbing und Essstörungen endet zwingend in Dauertrauer. Dennoch bleibt die zentrale Reibungsfläche bestehen – denn die Doku macht sichtbar, dass Gesundheit, Beziehungen und gesellschaftliche Wahrnehmung in der Realität eng miteinander verbunden sind.

Aus Branchenperspektive steht damit eine typische Frage im Raum: Wie viel Nähe zum echten Erleben verträgt ein Format, das gleichzeitig Unterhaltung und Öffentlichkeit liefert? Doku-Serien wie „Born Famous“ nutzen häufig den Spagat zwischen persönlicher Autobiografie und dem Interesse an Prominenz. Wenn dann Mobbing, körperliche Übergriffe und Magersucht als konkrete Lebensabschnitte auftauchen, verschiebt sich die Erwartungshaltung. Zuschauer wollen nicht nur eine „Story“, sondern auch nachvollziehen, warum die Betroffenen nicht früher geschützt wurden, welche Signale möglicherweise übersehen wurden und wie Unterstützung im Alltag aussehen kann. Für Unternehmen und Bildungseinrichtungen ist die mediale Wirkung darüber hinaus zweischichtig: Die Reichweite kann Aufmerksamkeit erzeugen, aber sie ersetzt nicht Strukturen wie Schulsozialarbeit, Beschwerdewege oder psychologische Angebote. Genau dort liegt der produktive Auftrag, den viele aus solchen Ausstrahlungen ableiten: weniger Schweigen, früheres Eingreifen und eine Sprache, die nicht beschönigt.


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