SCHWEIZ / LONDON (IT BOLTWISE) – VAT Group hat im zweiten Quartal 2026 den Auftragseingang auf 500 Millionen CHF verdoppelt und damit einen neuen Rekord markiert. Der Umsatz blieb zwar im Rahmen der Erwartungen, doch die Bestellungen zeigen eine spürbare Belebung im Halbleiterumfeld. Gleichzeitig drücken hohe Investitionen und der Personalaufbau kurzfristig auf die Profitabilität. Für das dritte Quartal nennt das Management eine Umsatzspanne von 355 bis 385 Millionen CHF und untermauert damit die längerfristige Planung.

Der Vakuumspezialist VAT Group bekommt die Konjunkturbewegung in der Halbleiterindustrie derzeit sehr klar gespiegelt: Während der Markt in vielen Bereichen erst vorsichtig wieder hochfährt, landet das Unternehmen im zweiten Quartal 2026 mit einem Auftragseingang von 500 Millionen CHF auf einem neuen Höchststand. Bemerkenswert ist dabei weniger nur die absolute Größe, sondern der Timing-Effekt. Ein so deutlicher Zuwachs deutet darauf hin, dass Projekte für Wafer-Fertigung, Strukturierungsschritte und das Anlagendesign in der Pipeline wieder konkreter werden – also dort, wo VAT mit Vakuumlösungen typischerweise als Zulieferer und Systembaustein eingebunden ist.
Operativ bestätigt das Bild der Bestellungen auch den Umsatz, allerdings mit einem anderen Muster: Der Quartalsumsatz lag bei 291 Millionen CHF und damit im oberen Bereich einer Prognosespanne von 265 bis 295 Millionen CHF. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergibt sich daraus ein Plus von 2,9 Prozent. Das klingt solide, ist aber noch kein Durchbruch. Im Hintergrund wirken noch die Folgen der vorangegangenen Marktschwäche, die sich im ersten Halbjahr 2026 in den Gesamtdaten niederschlägt. So fiel der Halbjahresumsatz auf 511,9 Millionen CHF, ein Rückgang um 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und auch das Ergebnis reagierte spürbar: Das EBITDA sank um 10,2 Prozent auf 148,2 Millionen CHF, entsprechend einer EBITDA-Marge von 29,0 Prozent nach 29,6 Prozent im Vorjahr.
Für das Verständnis der kurzfristigen Profitabilitätsdelle ist die Investitionsseite entscheidend. VAT baut Kapazitäten gezielt aus, um die erwartete Nachfrage nicht nur zu „überstehen“, sondern produktiv abzuarbeiten. Die Produktionskapazität wurde um 32 Prozent gesteigert; damit lag das Unternehmen leicht über dem eigenen Zielkorridor von 20 bis 30 Prozent. Gleichzeitig stellt VAT in mehreren Regionen Personal ein: Rund 700 neue Mitarbeiter sollen an den Standorten in Malaysia, Rumänien und der Schweiz die Produktion und Umsetzung neuer Projekte absichern. In der Praxis bedeutet das häufig, dass Wertschöpfung zunächst in Volumen umschlägt, während Kosten für Anlauf, Training, zusätzliche Schichten oder Vorleistungen buchhalterisch bereits früher auftreten als die späteren Erlöse – genau dieses Zeitversatz-Problem sieht man in vielen Investitionszyklen der Industrie.
Strategisch verstärkt VAT den Hebel zusätzlich über Akquisitionen und Design-Wins. Im ersten Halbjahr 2026 wurde Atonarp für 110 Millionen CHF übernommen, um das technologische Portfolio zu erweitern und die Marktposition zu festigen. Zudem nennt das Management 60 sogenannte „Spec-Wins“, also Design-Gewinne bei Kundenprojekten, die künftige Umsätze wahrscheinlicher machen. Solche Spec-Wins sind in der Industrie für Komponentenhersteller oft der Vorläufer späterer Bestellungen, weil sie die Spezifikation von Kundenanlagen in der Vorplanungsphase festziehen. Wenn nun Auftragseingänge gleichzeitig stark anziehen, passt das Bild zusammen: Bestellungen kommen nicht zufällig, sondern bauen sich aus zuvor verankerten technischen Entscheidungen auf.
Auch die geographische Dynamik zeigt, dass sich das Geschäft nicht nur „insgesamt“ verbessert, sondern regional anders verteilt ist. Der Anteil Chinas am Gesamtumsatz sank im ersten Halbjahr von 35 Prozent auf 28 Prozent. Das kann für Investoren zweierlei bedeuten: Entweder verschiebt sich die Investitionsdynamik weg von diesem Markt, oder das Unternehmen erzielt in anderen Regionen stärkeres Wachstum und diversifiziert dadurch das Risiko. Parallel bleibt der Blick nach vorn klar auf den nächsten Quartalszyklus gerichtet: Für das dritte Quartal 2026 erwartet VAT einen Umsatz zwischen 355 und 385 Millionen CHF, während die Jahresprognose insgesamt bestätigt wurde. An der Börse honorieren viele Marktteilnehmer diese längerfristige Linie bereits sichtbar; seit Jahresanfang liegt die Aktie laut den angegebenen Werten um 69,35 Prozent im Plus.
Unterm Strich bleibt die Gemengelage aber zweigeteilt: Einerseits liefern Rekordaufträge und ein schneller Ausbau der Produktionsbasis einen starken Fundament-Impuls. Andererseits zeigt der Halbjahresvergleich, dass die Kosten für Kapazitätserweiterung, Personalaufbau und die Integration neuer Geschäftsbereiche kurzfristig die Margen bremsen – das spiegelte sich nicht nur beim EBITDA, sondern auch beim Reingewinn wider, der um 6,4 Prozent auf 98,8 Millionen CHF zurückging. Für das weitere Bild wird daher weniger entscheidend sein, ob die Halbleiterbranche insgesamt anzieht, sondern wie konsequent VAT die wachsenden Bestellvolumina in Ergebnisqualität überführt: Sobald die Kapazität planmäßig skaliert und die Auslieferungen die Vorleistungen zeitversetzt übertreffen, kann die Marge wieder stabiler werden. Genau dort werden Investoren in den kommenden Quartalen vermutlich den schärfsten Prüfstein sehen, zumal die Aktie trotz des jüngsten Anstiegs noch rund 11,24 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch notiert, das Anfang Juli erreicht wurde.
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