LONDON (IT BOLTWISE) – Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) begrüßt die geplanten Reformen für das EEG 2027 und das Netzanschlusspaket, fordert aber gezielte Nachbesserungen. Besonders kritisiert wird, dass finanzielle Risiken der schleppenden Netzerweiterung erneut auf Investoren und Gebäudeeigentümer verlagert werden. Zudem bemängelt der Verband die erneut zu kurze Verbändeanhörung von nur drei Arbeitstagen. Am Kernpunkt hängt für die Immobilienwirtschaft viel: Planungssicherheit für Quartiers- und PV-Projekte, die ohne verbindliche Netzanschlussfristen kaum tragfähig bleiben.

Mit Blick auf das EEG 2027 und das Netzanschlusspaket macht der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) deutlich, dass die Richtung zwar stimmt, die Umsetzung aber nicht die notwendigen Schutzmechanismen für Investoren im Gebäudesektor enthält. In seiner Stellungnahme ordnet der Verband die geplante stärkere Markt- und Systemintegration erneuerbarer Energien als grundsätzlich richtigen Schritt ein: Ziel sind Kosteneffizienz und Netzstabilität, ergänzt um mehr Transparenz sowie Standardisierung bei Netzanschlussverfahren. Gleichzeitig zeigt sich der ZIA besonders an einer Stelle unzufrieden: Bei lokalen PV- und Mieterstromprojekten würden neue finanzielle Unsicherheiten entstehen, die sich unmittelbar auf Investitionsentscheidungen und Projektkalkulationen auswirken.
Dass die Beteiligung der betroffenen Branchen ausgerechnet dann unter Zeitdruck gerät, trifft den Verband zusätzlich. Der ZIA kritisiert ausdrücklich die erneut zu kurz bemessene Verbändeanhörung von lediglich drei Arbeitstagen. Die Tragweite der vorgesehenen Regelungen sei im Gebäudebereich erheblich, weil dort häufig mehrjährige Entwicklungs- und Bauzyklen aufeinander treffen und die Wirtschaftlichkeit stark von Annahmen zu Netzverfügbarkeit, Anschlusszeiten und Vermarktung von Strom abhängt. Für den ZIA ist deshalb nicht nur die inhaltliche Ausgestaltung entscheidend, sondern auch die Frage, ob ein sorgfältiges, faktenbasiertes Mitwirken überhaupt möglich ist.
Technisch betrachtet geht es bei den vom ZIA gelobten Punkten vor allem um Prozesse, die in der Praxis Kosten, Wartezeiten und Reibungsverluste senken können. Der Entwurf sieht eine Volldigitalisierung der Verfahren vor: Verteilnetzbetreiber sollen bis 2028 bundesweit standardisierte digitale Netzanschlussportale aufbauen. Für Immobilienunternehmen heißt das im Alltag weniger Medienbrüche zwischen Antragstellung, Dokumentenmanagement und Auskünften, aber vor allem eine bessere Vergleichbarkeit zwischen Netzgebieten. Dazu kommen Informations- und Auskunftspflichten, die Antragstellern frühzeitig Klarheit über Verfahren, Bearbeitungsstände und verfügbare Netzanschlussmöglichkeiten geben sollen. Der ZIA verknüpft diese Orientierung an Transparenz auch mit der Forderung nach einer digitalen Infrastruktur, die für die operative Umsetzung bereit sein muss.
Genau hier setzt der nächste Teil der Argumentation an: Die Energiewende im Gebäude funktioniert nicht nur als „Anschlussfrage“, sondern als System aus Erzeugung, Speicher, Lastverschiebung und Mess- bzw. Steuerfähigkeit. Der ZIA fordert daher eine deutliche Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts und verlangt, dass neue Pflichten für Anlagenbetreiber mit der tatsächlichen Verfügbarkeit intelligenter Messsysteme und digitaler Prozesse Schritt halten. Auch die Integration lokaler Stromspeicher an bestehenden Netzverknüpfungspunkten wird als Vorteil gesehen, weil sie dezentrale Energiekonzepte stärken und die Flexibilität im Netz erhöhen kann. Das Bild, das der Verband zeichnet, ist also nicht ein reines „Mehr PV aufs Dach“, sondern ein Zusammenspiel aus Digitalisierung, Messung und steuerbaren Komponenten wie Speicher, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur.
Doch in der Stellungnahme fällt der Fokus zugleich auf Punkte, die aus Sicht der Immobilienwirtschaft die Wirtschaftlichkeit gefährden oder zumindest die Risiko- und Unsicherheitslage verschärfen. Besonders kritisch ist der Abschnitt zu möglichen starren Einspeisebeschränkungen: Wenn Vorgaben dazu führen, dass wirtschaftlich und technisch sinnvolle Dachflächenpotenziale ungenutzt bleiben, wird aus einer ansonsten netzdienlichen Flexibilitätsstrategie eine Bremse. Der ZIA plädiert deshalb für digitale Steuerung, Speicher und Flexibilitäten statt pauschaler Beschränkungen. Außerdem wendet sich der Verband gegen Regelungen, die in kapazitätslimitierten Netzgebieten die Redispatch-Entschädigung für einen Teil der Jahreserzeugung betreffen: Anlagen sollen in solchen Gebieten für bis zu 20 Prozent ihrer Jahreserzeugung keine Redispatch-Entschädigung erhalten. Für größere PV-Projekte auf Logistik- und Gewerbeimmobilien sieht der ZIA dadurch die Bankfähigkeit gefährdet, weil Investoren die Erlösrisiken sonst nur schwer in die Finanzierung einkalkulieren können.
Daneben fordert der ZIA konkrete, bislang fehlende Verbindlichkeiten in der Anschluss- und Umsetzungslogik. Zwar nennt der Verband die verbesserten Informations- und Digitalisierungsansätze, bemängelt aber, dass der Entwurf weiterhin keine verbindlichen Bearbeitungs- und Fertigstellungsfristen für Netzanschlüsse enthält. In der Praxis entscheidet gerade diese Zeitdimension über Bauplanung, Kosten und Vertragsgestaltung. Der ZIA verlangt deshalb, solche Fristen einzuführen und die Ergebnisse des Branchendialogs „Netzanschlüsse“ vollständig umzusetzen. Auch bei Quartiers- und Transformationsprojekten sieht der Verband Anpassungsbedarf: Die Möglichkeit für Netzbetreiber, vertraglich reservierte Leistungen nach drei Jahren Inaktivität zu streichen, passe nicht zu mehrstufigen Areal- und Quartiersentwicklungen. Hinzu kommt, dass der Ausbau von Ladeinfrastruktur verlässlich planbare rechtliche Ausnahmen braucht, wenn einzelne Maßnahmen in der Projektkette zeitlich versetzt umgesetzt werden.
Schließlich adressiert der ZIA Kostenfragen und Priorisierungslogik. Der geplante Ausbau einer Festlegungskompetenz der Bundesnetzagentur soll nach Vorstellung des Verbands zu bundesweit einheitlichen, transparenten und maßvollen Kriterien bei Baukostenzuschüssen führen. Entscheidend ist aus Sicht der Immobilienwirtschaft, dass zusätzliche Vorabkosten nicht „unkalkulierbare Kostentreiber“ werden: Unverhältnismäßige Zusatzbelastungen könnten Investitionen in Gebäude-PV und in die Wärmewende ausbremsen. Ebenso fordert der ZIA eine gleichrangige Berücksichtigung des Gebäudesektors bei der Priorisierung von Anschlussbegehren. Wenn Netzbetreiber Anschlussanfragen priorisieren dürften, müssen nach Auffassung des Verbands die Klimaziele des Gebäudesektors – insbesondere der Ausbau von Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Speichern und Quartierslösungen – ausdrücklich als Priorisierungskriterium im Gesetz verankert werden. Nur so, so die Logik des ZIA, lassen sich die gesetzlichen Klimaziele im Gebäudebereich tatsächlich erreichen. Abschließend betont der Verband, man arbeite konstruktiv mit Politik und Netzbetreibern an Lösungen, doch Defizite beim Netzausbau dürften nicht auf dem Rücken der Immobilienunternehmen ausgetragen werden, die derzeit Milliardenbeträge in die Transformation ihrer Bestände investieren.
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