DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Vom 23. bis 26. September rückt die RehaCare 2026 in Düsseldorf selbstbestimmte Kontinenz in den Mittelpunkt. Die Messe will dabei sowohl neue Hilfsmittel wie 2LIP und 4ROSE als auch Versorgungskonzepte für den Alltag sichtbar machen. Parallel geht es um gesellschaftliche Hürden, Tabus und den besseren Schutz Betroffener. Für Unternehmen und Institutionen bleibt zugleich die berufliche Teilhabe ein zentrales Thema.

Die RehaCare 2026 setzt im kommenden Jahr einen klaren Schwerpunkt: selbstbestimmte Kontinenz. Veranstalter haben den Zeitraum für die Fachmesse auf den 23. bis 26. September in Düsseldorf festgelegt und verbinden das Thema mit einem Ausbau in Richtung Versorgung, Beratung und Fachwissen. Damit verlässt die Veranstaltung ein reines Aussteller-Thema und adressiert zugleich die Schnittstelle von Produktinnovation und gelebter Selbstbestimmung im Alltag.
Statistisch ist der Bedarf groß. Für Deutschland werden mindestens 10 Mio. Menschen genannt, die von Inkontinenz betroffen sind. Genau deshalb wirken die geplanten Inhalte nicht wie ein Nischenthema, sondern wie ein gesellschaftsnaher Gesundheitsbaustein. Neben einem dedizierten Marktplatz sind mehr als 30 Fachvorträge vorgesehen, in denen innovative Versorgungslösungen sowie gesellschaftliche Herausforderungen zusammen gedacht werden. Diese Kombination ist auch deshalb relevant, weil Hilfsmittel selten isoliert wirken: Entscheidend sind Passform, Handhabung, Alltagstauglichkeit und die Begleitung im Versorgungsprozess.
Technologisch wird es auf der Messe konkret. Unter den Branchenakteuren sind unter anderem Hollister, Uromed, Publicare, Convatec und Coloplast angekündigt, die aktuelle Hilfsmittel und Dienstleistungen vorstellen. Besonders spannend ist jedoch der Blick aus der Forschung: Das Fraunhofer IPA will im Rahmen der RehaCare 2026 die Hilfsmittel 2LIP und 4ROSE präsentieren. Solche Entwicklungen zielen typischerweise darauf ab, die Selbstständigkeit zu erhöhen – etwa indem die Nutzung einfacher wird oder Barrieren im Alltag reduziert werden. Für Betroffene und Versorgungspraxis bedeutet das: Nicht nur ein neues Produkt zählt, sondern die Frage, wie gut es sich in Routinen integrieren lässt und welche Unterstützung es beim Einstieg in die Nutzung bietet.
Parallel zur technischen Ebene rückt die Messe eine zweite, gesellschaftlich drängende Dimension in den Fokus. Kontinenz und körperliche Beeinträchtigung sind weiterhin von Scham geprägt, wie in der Debatte um Tabus immer wieder deutlich wird. Der Veranstaltungsrahmen greift zudem den Opferschutz stärker auf: Laut Daten des Bundeskriminalamts aus dem Jahr 2025 ist sexualisierte Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen doppelt so häufig zu verzeichnen wie im Bevölkerungsdurchschnitt. Darüber hinaus gaben über 60 % der Betroffenen an, sich in ihrem Leben sexuell eingeschränkt zu fühlen. Für die Fachwelt heißt das, dass Rehabilitation und Beratung nicht bei der medizinischen Versorgung stehen bleiben dürfen, sondern auch psychische Sicherheit und Schutzräume mitdenken müssen.
Auch der Übergang in Erwerbsleben und berufliche Teilhabe soll stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Integration in den Arbeitsmarkt wird laut politischer und unternehmerischer Planung als Hebel betrachtet, um Teilhabe nachhaltig zu sichern. Sozialministerin Aminata Touré beriet sich dafür Anfang der Woche mit Vertretern von TKMS über Maßnahmen zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Im Gespräch ging es vor allem um den Wechsel von Förderzentren in betriebliche Ausbildung, damit aus Übergängen planbare Karrierewege werden. Gleichzeitig wird deutlich, wie eng der Faktor Zeit mitwirkt: Wenn Hilfsmittel den Alltag stabilisieren, kann das auch die Grundlage schaffen, um Anforderungen im Beruf besser zu bewältigen – vom Arbeitsalltag bis zu Belastungsspitzen.
Konzeptionell ergänzt TKMS das Thema mit einem potenzialorientierten Trainee-on-the-Job-Programm, das individuelle Stärken fördern und Barrieren im Berufsalltag abbauen soll. Dass hier konkreter Personalbedarf entsteht, zeigt auch die öffentliche Ausschreibungspraxis: Die Bundesagentur für Arbeit hat in den vergangenen Tagen neue Stellen für Rehamanager ausgeschrieben, um Betreuung und Vermittlung in der beruflichen Rehabilitation weiter zu intensivieren. Für Unternehmen und Träger bedeutet das: Reha wird stärker als ganzheitlicher Prozess gedacht, der Technik, Beratung und Arbeitsmarktlogik zusammenführt – und nicht als punktuelle Maßnahme im medizinischen Setting.
In der Summe sendet die RehaCare 2026 damit eine Botschaft, die über den Messestand hinausgeht. Die Kombination aus neuen Hilfsmitteln, einem breiteren Beratungsverständnis und der organisatorischen Brücke in Richtung Erwerbsleben soll die Autonomie Betroffener sowohl im privaten als auch im professionellen Umfeld stärken. Wer die Messe besucht, bekommt damit nicht nur Produktneuheiten, sondern auch Orientierung für Versorgung und Teilhabe – gerade in einem Bereich, in dem Tabuisierung bisher zu Verzögerungen geführt haben kann. Im September wird sich zeigen, wie stark die Fachwelt die Themen Kontinenz, Schutz und berufliche Integration bereits gemeinsam in konkrete Konzepte übersetzt.
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