WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – SpaceX hat Starship am 13. suborbitalen Testflug gestartet und dabei nach Problemen der vorherigen Mission gezielt Korrekturen an der V3-Version umgesetzt. Der Flug kombinierte Fahrzeug-Tests mit dem erstmaligen Einsatz funktionsfähiger Starlink-V3-Satelliten, die vor dem Wiedereintritt per Solar-Arrays und Antennen in den Betriebsmodus überführt wurden. Zusätzlich lieferte die Mission erstmals ein weitgehend intaktes Raumschiff im Wasser, sodass Heat-Shield-Daten fortan nicht nur aus Simulationen abgeleitet werden müssen. Entscheidend bleibt, ob die Raptor-Zündprobleme beim Landeanflug auch in späteren orbitalen Missionen vollständig beherrscht werden.

SpaceX hat Starship am 24. Juli zum 13. suborbitalen Testflug aus Starbase in Texas gestartet. Der Start erfolgte um 6:51 p.m. Eastern, allerdings mit einer Verzögerung von 24 Stunden, weil dichte Bewölkung die Video- und Bilddokumentation während des Aufstiegs erschwert hätte. Laut Darstellung im Live-Stream war die Wolkendecke selbst zwar kein technisches Startkriterium, sie beeinflusst jedoch die Möglichkeit, Fahrzeugverhalten und Flugphasen visuell zu verfolgen – ein Aspekt, der in der Testphase für die Fehleranalyse und für die Nachvollziehbarkeit von Abweichungen weiterhin eine große Rolle spielt.
Im Mittelpunkt von Flug 13 stand nicht nur ein erneuter suborbitaler Profillauf, sondern die Überführung der zweiten Starship-V3-Variante in den Testbetrieb. SpaceX nutzte den Start, um nach Beobachtungen aus Flug 12 konkrete Fixes an der verbesserten Version zu verifizieren, unter anderem dort, wo beim vorherigen Flug Probleme bis hin zu Ausfällen von Motoren aufgetreten waren. Wie schon bei Flug 12 plante das Unternehmen jedoch keinen Rücktransport des Super-Heavy-Boosters zurück zum Startplatz: Stattdessen zielte der erste Block auf eine „soft“ splashdown in den Gewässern des Golfs von Mexiko. Genau in dieser Phase offenbarte sich erneut eine Betriebsdifferenz – nicht alle Raptor-Triebwerke, die für den Landing-Burn benötigt wurden, zündeten wie vorgesehen, wodurch der Booster mit höherer Geschwindigkeit als geplant ins Wasser ging.
Während der Booster an dieser Stelle damit weiterhin ein Kapitel „Landeburn-Stabilität“ offenließ, brachte die Oberstufe eine deutlich stärker operational wirkende Nutzlast in den Test. Erstmalig transportierte die Starship-Oberstufe 20 funktionsfähige Starlink-V3-Satelliten statt nur Masse- oder Funktionsattrappen. Die Satelliten erhielten dabei denselben suborbitalen Flugpfad wie das Trägersystem und wurden nach der Trennung in etwa 20 Minuten Tests unterzogen. Dazu gehörten das Ausfahren der Solar-Arrays und Antennen ebenso wie Kommunikationstests sowohl mit terrestrischen Bodenstationen als auch mit anderen Starlink-Satelliten. SpaceX-Executive Michael Nicolls machte dabei öffentlich, dass die Kommunikation über Funk- und Laserlinks zustande kam und relevante Telemetriedaten heruntergeladen werden konnten – ein Qualitätsmerkmal, das in frühen Testläufen besonders wichtig ist, weil es die Schnittstelle zwischen Startprofil, Satellitenmechanik und Link-Budget praktisch belegt.
Technisch interessant wurde der Flug mit der Sequenz aus Nutzlast-Trennung und anschließender Neuzündung: Nach dem Deployment führ Starship eine „relight“ eines Raptor-Motors durch, die rund 14 Sekunden dauerte. Damit verlängert SpaceX die Zeitfenster, in denen die Wiederzündung und die Stabilität unter realen Bedingungen geprüft werden. Anschließend erfolgte der Wiedereintritt der Oberstufe mit einem soft splashdown im Indischen Ozean rund 65½ Minuten nach dem Liftoff. Die Darstellung im Ablauf betonte dabei einen Unterschied zu früheren Missionen: Obwohl sich das Schiff im Wasser auf die Seite legte, kam es nicht sofort zu einer Explosion. Stattdessen schwamm es und lieferte weiterhin Bildmaterial zurück – ein Detail, das für die Datenlage beim Hitzeschutz besonders wertvoll ist, weil Heat-Shield-Informationen aus dem „realen“ thermischen Belastungsprofil sonst häufig nur indirekt oder aus Bruchstücken ableitbar sind.
Ein Sprecher von SpaceX beschrieb im Kontext des Webcasts, dass es sich dabei um das erste Mal handle, dass Starship intakt ins Wasser gebracht wurde. Für die Ingenieurteams bedeutet das: Die Mess- und Sichtbarkeit von Schäden am Hitzeschild sowie an angrenzenden Strukturen verbessert sich, weil das System nicht unmittelbar in eine Phase übergeht, in der Telemetrie und Bilder nur noch für kurze Zeit verfügbar sind oder gar ausfallen. Gleichzeitig zeigt der Flug auch, dass selbst mit V3-Upgrades und Motor-Fixes noch nicht jede Randbedingung vollständig beherrscht ist: Der Landeanflug blieb durch die teilweise fehlende Raptor-Zündung beim Super-Heavy-Teil zumindest in einem Punkt hinter den Planwerten zurück. Für die nächste Testiteration wird damit vorrangig, die Trigger- und Zündpfade in der Triebwerkskette so zu stabilisieren, dass die „weichere“ Wasserlandung zuverlässig innerhalb des Zielkorridors gelingt.
Der Grund für den Abbruch beim ersten Versuch auf Flug 13 am 16. Juli liefert zudem eine klare technische Spur zur Fehlerbehebung. SpaceX hatte den Start nach der Zündung im Super-Heavy-Booster abgebrochen und später erklärt, dass vier von 33 Motoren nicht korrekt zündeten – ausgelöst durch Probleme mit den Flüssigsauerstoff-Turbopumpen. Laut den zuvor kommunizierten Erkenntnissen zeigte sich in mehreren Motoren eine „off-nominal spin response“, verknüpft mit Feuchtigkeit, die sich in den Pumpen angesammelt hatte und dann beim Kontakt mit dem kryogenen Treibstoff gefror. Genau diese Kombination – Feuchte-Eintrag und kryogene Wechselwirkung – macht aus Sicherheits- und Zuverlässigkeitssicht deutlich, warum Teststände, Dichtkonzepte und Prozesskontrollen in der Praxis so stark mit dem Startverlauf verknüpft sind. SpaceX ersetzte die betroffenen Komponenten und testete die Engines am Pad am 22. Juli; ein Motor wurde zudem in McGregor, Texas, für einen vollständigen Dauer-Zünd- und Aufstiegstest durchlaufen. Auch wenn Flug 13 den Booster letztlich nicht „zurückbringt“, beschreibt das Unternehmen damit einen Ansatz, bei dem jedes bedeutende Verhalten über wiederholte Prüfungen und Rückschlüsse im Datenhaushalt immer enger an die Anforderungen zukünftiger Orbitalmissionen herangeführt wird.
Für die nächsten Schritte bleibt die zeitliche Planung bewusst offen, zumindest in der öffentlichen Kommunikation. Dennoch schwingen zwei mögliche Pfade mit: In einem Interview im Juni deutete SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell an, dass bei einem erfolgreichen Flug 13 ein erster orbitaler Starship-Versuch bereits mit Flug 14 möglich sein könnte, gefolgt von einem Start der Starship-Version von Florida aus bei Flug 15. Genau deshalb ist Flug 13 mehr als ein isolierter Testlauf: Er kombiniert Upgrades an Triebwerks- und Systembereichen, demonstriert funktionierende Satelliten-Deployments über RF- und Laserkommunikation und liefert durch ein nicht sofort zerstörtes Raumschiff zusätzliche Datengrundlagen für Hitzeschild-Entscheidungen. In Summe verschiebt diese Mission die technische Risikolandschaft ein Stück weit – und macht die Diskussion um Zuverlässigkeit bei Zündungen, Landing-Burns und Nutzlast-Schnittstellen greifbarer.
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