HUE / LONDON (IT BOLTWISE) – In Hue haben Behörden gemeinsam mit einem Zentrum für E-Commerce und digitale Technologie eine Schulungskonferenz für Studierende und junge Unternehmer ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen praktische Fähigkeiten in E-Commerce, Online-Marketing und der Anwendung von KI – eingebettet in den neuen Rechtsrahmen. Laut den vorgestellten Inhalten erweitert das E-Commerce-Gesetz 2025 den Anwendungsbereich auch auf Livestream-Verkäufer, Werbetreibende und Affiliate-Marketing. Gleichzeitig zeigen Referenten, wie sich Plattformlogiken von TikTok Shop und Shopee für Reichweite und Konversion technisch und inhaltlich nutzen lassen.

In Hue in Vietnam wird aus der Idee „digital verkaufen“ zunehmend ein planbares Kompetenzprogramm: Am 23. und 24. Juli 2026 fand dort eine E-Commerce-Schulungskonferenz für Studierende und junge Unternehmer statt, organisiert vom städtischen Ministerium für Industrie und Handel in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für E-Commerce und digitale Technologieentwicklung (eComDX). Die Veranstaltung knüpft an eine vorherige Schulung zur Stärkung der E-Commerce-Kapazitäten für Unternehmen, Haushalte und Genossenschaften an und versucht nun, das Ökosystem am Übergang von Ausbildung zu konkretem Markteintritt zu begleiten. Mehr als 350 Teilnehmende kamen zusammen, darunter Führungskräfte der zuständigen Behörde, der Direktor von eComDX sowie Vertreter von Unternehmen.
Politische Unterstützung kam dabei nicht nur als Grußwort, sondern als Rahmen für die Zielsetzung: Der Direktor der städtischen Industrie- und Handelsabteilung hob die enge Kooperation zwischen eComDX und lokalen Stellen hervor und stellte heraus, dass es sich im Juli 2026 bereits um die zweite gemeinsame Schulungskonferenz beider Institutionen handelte. Inhaltlich zielte das Programm auf „praktische Kenntnisse“ in E-Commerce, digitales Business und Online-Marketing sowie auf die Anwendung von Technologie im Unternehmertum. In der Debatte wurde deutlich, dass es nicht primär um theoretische Plattformkenntnis geht, sondern um die Fähigkeit, digitale Kanäle als Geschäftsmodell zu verstehen: Produkte, Content, Vertrieb und Vertrauen werden in dieser Perspektive nicht getrennt voneinander geplant.
Ein technik- und zugleich governance-naher Schwerpunkt lag auf dem Rechtsrahmen: eComDX ordnete das E-Commerce-Gesetz von 2025 und die Durchführungsbestimmungen ein, die ab dem 1. Juli 2026 gelten. Besonders relevant ist dabei die Erweiterung des Anwendungsbereichs, denn neu einbezogen werden laut den Konferenzinhalten unter anderem Livestream-Verkäufer, Werbetreibende und Affiliate-Marketing-Aktivitäten. Damit reicht die Verantwortung über die klassischen Rollen hinaus: Neben Pflichten von Verkäufern und Plattformbetreibern rücken auch die Unternehmen in den Fokus, die Werbeinhalte im digitalen Umfeld verantworten. Genannt wurden unter anderem Informations-Transparenz, Überprüfung der Werbeinhalte, klare Kennzeichnung von Werbeaktivitäten sowie die Einhaltung von Plattformbestimmungen bei Livestreams. Ebenso wurde betont, dass die beteiligten Stellen die Koordination bei der Speicherung von Transaktionsdaten unterstützen und Informationen für Prüf- und Kontrollzwecke bereitstellen müssen, während gleichzeitig die Verbraucherrechte zu schützen seien.
Für die praktische Umsetzung der Konferenz bot die Kombination aus Plattformlogik und Content-Strategie einen roten Faden. Die Referenten stellten Unterschiede zwischen TikTok Shop und Shopee heraus: TikTok Shop generiere Nachfrage eher über emotionale Reize – kurze Videos, authentische Bewertungen und Livestreams – während Shopee stärker auf Vertrauen setzt, also auf Produktrecherche, Bewertungen und Vergleiche vor dem Kauf. Daraus wurde die operative Formel abgeleitet, die Reichweite und Abschluss zusammenbringt: TikTok zieht mit Content und Social Proof, Shopee führt über SEO, Werbung und Bewertungen zur Konversion. Interessant ist dabei auch der Blick auf die Marktphase, denn die Inhalte verwiesen auf einen neuen Wettbewerbsschub im vietnamesischen E-Commerce. Genau in dieser Phase wurde KI als „unverzichtbare Fähigkeit“ diskutiert, ebenso wie Multi-Channel-Strategien, die nicht nur Kampagnen steuern, sondern die gesamte Customer-Journey in Teilpfaden abbilden.
Technisch konkreter wurde es, als KI als Werkzeugkette von Recherche bis Ausspielung beschrieben wurde. Auf der Konferenz wurde erklärt, dass KI den Weg „von der Ideenfindungsphase bis zur Umsetzung konkreter Aktivitäten“ unterstützt: Im akademischen Umfeld könnten Plattformen wie ChatGPT und Gemini beim Recherchieren, beim Zusammenstellen von Materialien, beim Erstellen von Studienplänen und beim Entwickeln von Ideen helfen. Für Startup-Geschäftsideen wurden zudem mehrere Tools genannt, mit denen sich vergleichsweise kostengünstig Bilder, Videos, KI-Voiceovers, Präsentationsfolien und Werbeinhalte erzeugen lassen. Für den Shop-Betrieb wurde außerdem gezeigt, wie sich typische Aufgaben wie Keyword-Recherche, SEO-optimierte Produkttitel und -beschreibungen sowie das Setzen passender Hashtags auf die Sichtbarkeit in der Plattform-Suche auswirken. Ergänzt wurde das durch Hinweise zur Erstellung von Produktfotosets mit Standardlayouts, zur Produktion von Werbevideos per KI und zur Nutzung KI-gestützter Funktionen innerhalb der Plattform, um Produktbilder zu optimieren und dadurch die Klickrate zu erhöhen.
Nicht zuletzt ging es um das, was digitale Vermarktung langfristig stabilisiert: digitale Reputation. Es wurde prognostiziert, dass Preiskämpfe bis 2026 zunehmend einem Wettbewerb um Reputation und Kundenerfahrung weichen. Die Argumentation: Käufer erwerben nicht nur Produkte, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit. Entsprechend sollten Studierende und junge Unternehmer den Fokus nicht ausschließlich auf Umsatzkennzahlen legen, sondern eine persönliche Marke aufbauen, Fachwissen teilen, Transparenz über die Produktherkunft schaffen und positive Kundenerlebnisse gestalten. Als praktisches Vorgehen wurde eine „4-3-2-1“-Goldene-Formel für digitale Inhalte beschrieben, bei der ein großer Anteil auf werteorientierten Content aus dem Alltag, wissensbasiertes Material und Vertrauen stiftende Inhalte aus realem Feedback entfallen soll; der kleinere Rest sei dem verkaufsbezogenen Content vorbehalten. Diese Aufteilung ist vor allem deshalb relevant, weil sie Content-Planung als Steuerungsinstrument für Community-Entwicklung nutzt.
Auch Social Commerce als Trend wurde in konkrete Handlungslogik übersetzt. Die Präsentation zeigte, wie sich kurze Inhalte auf TikTok Schritt für Schritt von Content-Erstellern zu digitalen Unternehmern weiterentwickeln lassen. Dabei wurde als Kernbotschaft formuliert, dass jedes Video zuerst einen Mehrwert liefern müsse, bevor es auf Verkäufe abzielt. Um die Umsetzung zu erleichtern, wurde eine „6-Schritte“-Skriptformel genannt, die mit einem Hook startet, das Problem oder den Wunsch adressiert, anschließend Lösung oder Produkt präsentiert, Belege einbindet und erst danach ein Angebot sowie eine Handlungsaufforderung platziert. Ergänzend wurde ein Ökosystem aus KI-Tools skizziert, das Personal Branding unterstützt: TikTok als Vertriebsplattform, CapCut für Bearbeitung und automatische Untertitel sowie ChatGPT/Gemini als virtueller Assistent für Trendanalyse, die Entwicklung wöchentlicher Themenpläne und das schnelle Erstellen von Gesprächsskripten. Gerade an dieser Stelle wurde auch auf Sprache als Hebel verwiesen: nach der KI-Generierung solle man mit trendigem, generationstypischem Vokabular nacharbeiten, um das Nutzererlebnis zu verbessern und nicht in zu formelhaftem Schreiben zu verharren.
Für die Teilnehmenden war die Resonanz sichtbar, und in den Abschlussbotschaften zeigte sich der Anspruch, Wissensvermittlung in umsetzbare Betriebsfähigkeit zu übersetzen. Wenn KI-Tools korrekt eingesetzt werden, so die wiederkehrende Linie der Referenten, können Kosten sinken, die Wettbewerbsfähigkeit steigt und die Chancen des E-Commerce besser genutzt werden. Gleichzeitig blieb die Grenze klar: KI ersetzt nicht kreatives Denken und Fachwissen, sondern verstärkt sie nur dann, wenn Menschen die Ergebnisse prüfen und strategisch einbetten. In Kombination mit dem neuen Rechtsrahmen ab 1. Juli 2026 ergibt sich damit ein doppelter Handlungsauftrag für junge Unternehmer in Hue: technische Umsetzung und Content-Execution müssen nicht nur funktionieren, sie müssen auch verantwortungsvoll gestaltet und dokumentierbar in ein digitales Geschäftsökosystem eingeordnet werden.
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