LONDON (IT BOLTWISE) – Ubisoft treibt offenbar zwei neue Projekte im Far-Cry-Universum voran: „Kodiak“ als Open-World-Singleplayer nach dem Aus eines Extraction-Shooters und „Blackbird“ als nächster Hauptteil mit kampagnenbasierter Story. Im Zentrum stehen dynamisch von Spieleraktionen geprägte Erzählungen sowie eine offenbar geplante Koop-Erweiterung. Während „Kodiak“ erst für ein paar Jahre später erwartet wird, soll „Blackbird“ nach internen Verzögerungen wieder stabiler laufen. Für Fans und Entwickler bedeutet das: weniger Nebenpfade, dafür klarere Spielarchitekturen rund um die offene Welt.

Ubisofts jüngster Kurswechsel innerhalb der Far-Cry-Reihe ist gleich aus zwei Richtungen sichtbar: Einerseits entsteht mit „Kodiak“ offenbar ein neuer Open-World-Titel, andererseits läuft parallel „Blackbird“ als nächster Hauptteil, der gemeinhin als „Far Cry 7“ gelesen wird. Entscheidend ist dabei weniger der Name als die technische und designseitige Ausrichtung. „Kodiak“ soll Singleplayer in den Mittelpunkt stellen und Geschichten erzählen, die sich stärker aus dem Spielverhalten ableiten. „Blackbird“ bleibt dagegen ein klassischer Far-Cry-Ableger mit handlungsgetriebener Kampagne und baut zusätzlich auf einen Koop-Modus, der die offene Welt mit mehreren Spielern gemeinsam erlebbar machen soll.
„Kodiak“ soll aus den Resten eines früheren Far-Cry-Projekts hervorgegangen sein. Ubisoft hatte ursprüglich an „Maverick“ gearbeitet, einem Multiplayer-Extraction-Shooter, der sich in einer von Alaska inspirierten Wildnis abspielen sollte und damit auf Survival-Friktion setzte: Spieler sollten sich gegen einander, gegen Tiere und gegen die raue Natur behaupten. Das Projekt wurde jedoch eingestellt. Die neue Entwicklung nimmt nun einen deutlich anderen Weg und lässt den Extraction-Ansatz hinter sich. Stattdessen setzt „Kodiak“ auf eine offene Welt und dynamischere Story-Elemente, die nicht nur über Skripte funktionieren, sondern stärker durch Entscheidungen und Aktionen der Spielenden geprägt werden.
Aus technischer Sicht ist dieser Wechsel bemerkenswert, weil Extraction-Spiele oft auf relativ engen Schleifen basieren: kurze Matches, klare Objectives, begrenztes Fortschrittsmodell. Eine Open-World-Architektur verschiebt die Herausforderung hingegen in Richtung Zustandsmanagement über große Areale hinweg, robustere KI- und Begegnungslogik sowie ein Kampagnen- oder Missionsdesign, das auch dann stimmig bleibt, wenn Spieler die Reihenfolge variieren. „Kodiak“ wird außerdem voraussichtlich nicht kurzfristig erscheinen: Laut den vorliegenden Angaben ist erst in einigen Jahren mit einer Veröffentlichung zu rechnen. Das Zeitfenster passt auch zu einem Projekt, das zunächst aus bestehenden Teilen neu strukturiert werden muss, bevor es in eine konsistente Singleplayer-Erfahrung überführt werden kann.
Beim Hintergrund von „Kodiak“ bleibt eine wichtige Frage offen: das Setting. Früheren Informationen zufolge sollte „Maverick“ in einer Alaska-ähnlichen Region spielen; für das neue Projekt wird dagegen als Kulisse teils eine andere Region diskutiert. Unter anderem wird in den Gerüchten von einer Ansiedlung in Neuengland gesprochen, also im Nordosten der USA. Gleichzeitig ist aber klar, dass die Alaska-Anmutung in den bisherigen Leaks tatsächlich zu „Maverick“ gehörte und nicht automatisch zur neuen Open-World-Variante. Für Ubisoft ist das nicht nur ein Asset-Wechsel, sondern auch ein Design-Thema: Vegetation, Wetterdynamik, Sichtlinien und die Dramaturgie von Begegnungen unterscheiden sich zwischen beiden Regionen spürbar.
Parallel arbeitet Ubisoft weiter an „Blackbird“ und damit an dem, was viele als „Far Cry 7“ einordnen. „Blackbird“ soll laut den vorliegenden Informationen anders als „Maverick“ wieder ein klassisches Far-Cry-Spiel sein, also mit handlungsbasierter Kampagne. In früheren Leaks wurde eine Story um eine entflohene Familie beschrieben, die innerhalb von 72 Stunden Spielzeit gerettet werden muss. Der genaue Plot bleibt jedoch unbekannt, ebenso wie das endgültige Setting. Es gibt allerdings Hinweise, dass „Alaska“ eher nicht in die Kampagne von „Blackbird“ fällt, weil diese Kulisse bereits dem eingestellten Projekt zugeordnet wurde. Anders als bei „Kodiak“ steht hier also vermutlich die bekannte Far-Cry-Dramaturgie im Vordergrund.
Neu ist zudem die Perspektive auf den Multiplayer-Komponenten. Für „Blackbird“ wird berichtet, dass es neben dem Singleplayer zusätzlich einen Koop-Modus geben soll, in dem mehrere Spieler die offene Welt gemeinsam erkunden können. Das bedeutet in der Praxis: Die Spielwelt muss so synchronisiert werden, dass Missionen, Dynamik-Events und Ressourcenstatus nicht auseinanderlaufen. Gerade bei offenen Welten ist das anspruchsvoll, weil Nebenmissionen und zufällige Begegnungen häufig in derselben Datenlogik hängen. Wenn Ubisoft hier Koop integriert, wandert ein Teil der Komplexität von „nur“ Content-Erstellung hin zu Netzwerkarchitektur und Stabilitätsprüfungen im laufenden Betrieb.
Auch die Projektlage selbst wirkt gemischt, aber nicht hoffnungslos. Für „Blackbird“ hieß es zuletzt mehrfach, dass interne Verzögerungen den Fortschritt gebremst hätten. Gleichzeitig wird nun beschrieben, dass sich das Projekt wieder auf Kurs befinden soll. In einem internen Kontext bezeichnete der zuständige Firmenchef Charlie Guillemot das Vorhaben sogar als „Act One“. Diese Formulierung ist typisch für eine Staffelung in dramatische Akte und kann intern als Signal dienen, dass Ubisoft die Entwicklung in klarere Phasen strukturiert. Wenn „Act One“ tatsächlich als Entwicklungsmetapher genutzt wird, könnte das bei Erfolg bedeuten, dass Ubisoft nicht nur „Blackbird“ fertigstellt, sondern perspektivisch weitere Hauptteile nach einem ähnlichen Konzept plant.
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