LONDON (IT BOLTWISE) – Ein prominenter Makro-Experte warnt vor dem Ende des spektakulären KI-Hypes als reines „Buy-the-winners“-Spiel. Er meint zwar, KI-Infrastruktur könne weiterhin solide Renditen liefern, doch die wirklich außergewöhnlichen Multiples seien bereits weitgehend gelaufen. Gleichzeitig deutet er auf eine Verschiebung im Krypto-Markt hin: Ein breiterer Krypto-Index steigt, Ethereum läuft Ethereum gegen Bitcoin auf. Für Anleger bedeutet das vor allem eine stärkere Ausrichtung auf Cashflows, Kapitalzugang und langfristige Wettbewerbsvorteile.

Die Botschaft ist weniger ein „KI ist tot“ als vielmehr eine Verschiebung im Erwartungsmanagement: In einem Podcastgespräch Ende Juli erklärte der Makro-Experte, der KI-Trade als Phase eines schnellen, breiten Aufholens habe wohl sein Hoch erreicht. Wichtig ist dabei die Differenzierung: Er hält KI weiterhin für einen echten Transformationsmotor, stellt aber das Renditeprofil infrage, das Investoren in der frühen Boom-Phase allein durch das Halten der naheliegendsten Profiteure erwarten konnten. In seiner Argumentation führt die nächste Phase deshalb zu einer selektiveren Suche nach Unternehmen, die über dauerhafte Infrastruktur verfügen, Kapital zu attraktiven Konditionen beschaffen können und echte, schwer replizierbare Wettbewerbsvorteile besitzen.
Technisch betrachtet berührt diese These vor allem das Verhältnis von „Modellwachstum“ zu „Betriebskosten“. In vielen KI-Landkarten war das frühe Narrativ stark von der verfügbaren Rechenleistung und den schnell skalierenden Ökosystemen geprägt; sobald der Markt jedoch stärker in eine Bewertungs- und Nutzungsphase übergeht, rückt die Frage nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit nach vorn. Genau hier setzt seine Erwartung an: Renditen im Bereich von rund 30% pro Jahr für KI-Infrastrukturinvestitionen könnten weiterhin attraktiv sein, aber sie seien nicht mehr mit den sieben- oder achtfachen Gewinnsprüngen der Anfangsphase gleichzusetzen. Für Enterprise-Software und Plattformanbieter heißt das in der Praxis: Monetarisierung, Kostenstruktur und Lieferfähigkeit müssen gleichzeitig überzeugen, während reine Wachstumsfantasie weniger trägt.
Diese Selektion zieht sich laut seiner Einschätzung auch in die Kapitalmärkte für digitale Assets hinein. Er verweist darauf, dass Bitcoin trotz eines deutlichen Abstandes zum bisherigen Rekordhoch vergleichsweise stabil geblieben ist – in seiner Einordnung liegt die Kurslücke noch bei nahezu 50%. Gleichzeitig beobachtet er Signale, die nicht aus Bitcoin selbst kommen: Ein von ihm erstellter Krypto-Ökosystem-Index habe jüngst die Hochs aus Mitte Juni übertroffen, während Bitcoin diese Bewegung noch nicht nachgezogen habe. Parallel dazu betont er, dass Ethereum begonnen habe, Bitcoin zu schlagen. Damit wird aus einer reinen Kursstory zunehmend eine „Ertrags“-Story: Wenn Märkte stärker auf Einnahmeseiten schauen, profitieren häufig Netzwerke, bei denen Zahlungsflüsse, Gebührenmechanismen oder Anwendungsaktivität enger mit der Bewertungslogik verknüpft sind.
Als langfristig konstruktiv beschreibt er vor allem die Richtung dieser Rotation innerhalb des Krypto-Sektors. Ethereum könnte in einem Umfeld, in dem Händler und Investoren stärker nach der Fähigkeit suchen, reale Nutzung und Wertschöpfung abzubilden, relativ besser abschneiden. Das lässt sich historisch einordnen: In früheren Krypto-Wellen reagierten viele Assets zunächst auf Liquidität und Risikoappetit; später dominierten Modelle, die sich an Transaktionsvolumen, Nutzungskurven und dem Umfang programmierbarer Anwendungsfälle orientieren. Wenn der Markt also von „Narrativefirst“ zu „Revenuefirst“ wechselt, verschiebt sich das Gewicht typischerweise zu jenen Systemen, die nicht nur Preisbewegungen, sondern fortlaufende On-Chain-Aktivitäten in die Währungs- und Infrastrukturperspektive übersetzen können.
Noch stärker wird die Verzahnung, wenn man seine Erwartungen zur Konvergenz von KI und Krypto betrachtet. Der Makro-Experte rechnet damit, dass KI-Systeme – insbesondere autonome Agenten – zunehmend selbstständig finanzielle Transaktionen ausführen. Für die technische Umsetzung bedeutet das: Ein Agent benötigt nicht nur ein Modell, das Entscheidungen trifft, sondern auch eine vertrauenswürdige und jederzeit verfügbare Abwicklungslogik. Hier kommen stablecoins in seiner Darstellung als wahrscheinlicher Basismodus für Zahlungen ins Spiel, während Blockchain-Netzwerke die „immer an“-fähige, programmierbare Infrastruktur liefern. Er argumentiert dabei explizit, dass stablecoins eher Teile des SWIFT-Zahlungsverkehrs ersetzen könnten als Bitcoin selbst – nicht weil Bitcoin unbedeutend wäre, sondern weil dessen Rolle für den alltäglichen Zahlungs- und Settlement-Workflow aus Agentensicht weniger nahtlos erscheint.
Dass er Regierungen, Banken und Technologieunternehmen bereits in Positionierungsbewegungen sieht, passt zu dem, was viele Unternehmen in der Finanz- und Sicherheitsarchitektur derzeit testen: neue Abwicklungswege, überprüfbare Transaktionshistorien und Automatisierung über Schnittstellen. Für Entscheider wird die praktische Frage dann weniger „Welche Kette gewinnt?“ sein, sondern „Wie robust und steuerbar sind die Zahlungsschichten für KI-Workflows?“ Stablecoins, smart-contractfähige Netzwerke und die Art, wie Kapitalzugang sowie Liquidität in Echtzeit organisiert werden, rücken dabei stärker in den Vordergrund als reine Preisannahmen. Unterm Strich verbindet seine These drei Stränge: KI bleibt strukturell relevant, aber die Gewinner werden selektiert; in Krypto verschiebt sich der Markt hin zu revenue-näheren Signalen; und die nächste Stufe der Agenten-Ära dürfte vor allem über Zahlungsmittel und Settlement-Infrastruktur entschieden werden.
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