LONDON (IT BOLTWISE) – Der ADAC hat zehn E-Kickscooter mit Straßenzulassung in einem Vergleichstest geprüft und kommt dabei zu einem weitgehend positiven Gesamtbild. Sieben Modelle schneiden insgesamt gut ab, weil Fahrverhalten, Bremsen und Ausstattung meist überzeugen. Gleichzeitig zeigt der Test eine klare Sicherheitslücke: Bei zwei Kandidaten versagt der Lenker im Belastungstest. Zusätzlich fallen die realen Reichweiten häufig geringer aus als vom Hersteller versprochen.

In vielen Städten sind E-Scooter inzwischen Teil des Alltags, vor allem als gemietete Alternative für kurze Wege. Der ADAC stellt diese Nutzungsschiene aber in den Hintergrund und richtet den Blick auf etwas anderes: Was taugt ein gekauftes Modell im Alltag wirklich? Im Vergleichstest standen zehn E-Kickscooter mit Straßenzulassung im Preisfenster von 500 bis 800 Euro. Der Club prüfte dabei nicht nur, wie sich die Roller anfühlen, sondern wie sie sich unter praxisnahen Anforderungen verhalten – von Fahrverhalten und Bremsleistung über Bedienung und Sicherheit bis hin zu Haltbarkeit, Reichweite und auch Schadstoffaspekten.
Technisch betrachtet entscheidet bei E-Scootern sehr viel über die Alltagstauglichkeit, bevor überhaupt die Reichweite ins Spiel kommt. Wer regelmäßig bremst, kennt das Problem: Schon kleine Abweichungen bei der Bremsdosierung oder bei der Abstimmung von Motorleistung und Bremsen können bei Nässe, in Kurven oder bei einer plötzlichen Situation den Unterschied machen. Genau deshalb nahm der ADAC die Bremsen und das Fahrverhalten in den Fokus. Dass insgesamt sieben Modelle insgesamt gut bewertet wurden, deutet darauf hin, dass das Gros der getesteten Systeme in der grundlegenden Fahrphysik solide funktioniert: stimmige Bremsen, eine nachvollziehbare Bedienung und ein ausreichendes Sicherheitsniveau im Alltag.
Spannender wird es bei der Diskrepanz zwischen Marketingangaben und gemessener Performance. Hersteller nennen je nach Modell Reichweiten von 40 bis 75 Kilometern – ein Wert, der für Pendler und Gelegenheitsfahrer schnell zur Kaufentscheidung wird. Der ADAC zeigt allerdings, dass die Realität häufig darunterliegt. Besonders deutlich wird das bei einem Modell, das insgesamt zwar noch gut abschneidet (Gesamtnote 2,5): Beworben waren bis zu 75 Kilometer, gemessen wurden in der Praxis nur knapp 48 Kilometer. Für Nutzer heißt das vor allem: Wer sich auf die Herstellerwerte verlässt, plant zu knapp – und riskiert, dass der Scooter unterwegs statt am Ziel leer wird.
Ganz oben im Testfeld steht der „Ninebot F3 Pro“ von Segway mit der Gesamtnote 2,0. Für 699 Euro überzeugte er die Tester laut ADAC mit einem leistungsstarken und komfortablen Fahrverhalten, ordentlich abgestimmten Bremsen und einer guten Beleuchtung. Dazu kamen positive Punkte beim Informationsumfang des Displays und der zugehörigen App. Eine typische Stellschraube bleibt dennoch: die Ladezeit. Bis der Akku wieder komplett voll ist, dauert es dem Club zufolge über acht Stunden. Außerdem kritisierten die Tester ein leicht schwammiges Fahrgefühl – ein Hinweis darauf, dass nicht nur Antrieb und Bremsen zählen, sondern auch Steifigkeit und Dämpfung im Fahrwerksaufbau.
Auf dem zweiten Platz folgt der „ePF-2 PRO“ von ePowerFun (Gesamtnote 2,1) für 769 Euro. Der ADAC hebt hier insbesondere die praktische Seite hervor: Der Akku ist austauschbar und lässt sich zum Laden entnehmen. Das macht Alltagsroutinen einfacher, etwa wenn das Laden nicht immer direkt am Abstellort möglich ist. Gleichzeitig nennt der Test klare Kompromisse. Vergleichsweise kleine Reifen können sich etwa auf Kopfsteinpflaster bemerkbar machen. Auch beim frühen Lenkeranschlag sowie bei der Bedienung und bei der Qualität des Seitenständers sieht der Verkehrsclub Verbesserungsbedarf.
Den dritten Platz (Gesamtnote 2,2) sichert sich der „Electric Scooter 6 Max“ von Xiaomi für rund 700 Euro. Mit knapp 30 Kilogramm ist er laut ADAC der schwerste im Feld – und das zahlt sich offenbar über Komfort auf längeren Strecken aus. Die Tester lobten besonders stabile und angenehme Fahreigenschaften. Dennoch bleibt auch hier der Praxisbezug: Der Komfort werde durch teils klappernde Federelemente bei Unebenheiten etwas getrübt. Genau solche Details wirken sich im Alltag oft stärker aus als theoretische Datenblätter, weil sie wiederholt auftreten – etwa beim Überfahren von Bordsteinen, im Wohngebiet oder auf gemischten Untergründen.
Nicht alle Modelle bestanden die Hürde in der Bewertung. Ein Scooter für 649 Euro kam nur auf ein „Befriedigend“ (Gesamtnote 2,6). Zwei weitere Modelle wurden mit „Ausreichend“ eingestuft, jeweils knapp bei der Grenze zur besseren Note (jeweils 4,5). Der entscheidende Sicherheitsaspekt: Bei beiden kam es im Belastungstest zum Lenkerbruch. Als Ursache nennt der ADAC „ungünstig positionierte Bohrungen im Lenker“. Für den Club ergibt sich daraus ein reales Sicherheitsrisiko, gerade nach längerer und intensiver Nutzung. Bemerkenswert ist dabei die Einordnung: Solche Schwächen seien bereits aus früheren Jahren der Pedelec-Entwicklung bekannt gewesen und entsprächen nicht mehr dem Stand der Technik. Der ADAC prüfte hier zudem schärfer als es der Gesetzgeber vorsieht, was zeigt, wie stark der Unterschied zwischen Mindestanforderung und belastbarer Konstruktion sein kann.
Für Käufer ist aus dem Test vor allem ein Bündel an Handlungsanweisungen ableitbar. Der ADAC empfiehlt grundsätzlich ausgiebige Probefahrten beim Händler. Das klingt banal, ist aber angesichts der genannten Punkte besonders relevant: Fahrgefühl, Bremsdosierung und die Reaktion unter realistischen Belastungen lassen sich nur begrenzt aus Datenblättern ableiten. Zusätzlich sollten Nutzer ihre Reichweitenplanung konservativ ausrichten und nicht ausschließlich auf Herstellerwerte setzen. Wer außerdem auf Wartbarkeit oder Alltagstauglichkeit beim Laden setzt, bekommt im Test konkrete Hinweise: Modelle mit austauschbarem Akku können den Alltag vereinfachen, während Konstruktion und Fahrwerk gerade dort entscheidend sind, wo Straßenbeläge unruhig werden. Insgesamt macht der Vergleichstest damit deutlich: Im Segment der straßenzugelassenen E-Scooter ist die Qualität zwar breit genug für „gute“ Entscheidungen – aber die Sicherheitsreserve variiert spürbar, und sie sollte beim Kauf nicht dem Zufall überlassen werden.
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