ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Die FIFA will Teile der kommerziellen Rechte an ihren Turnieren an Investoren verkaufen und dabei mehr als vier Milliarden US-Dollar einnehmen. Kernstück wäre ein neues, mehrheitlich vom Weltverband kontrolliertes Unternehmen, in dem die Rechte an Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt werden. Die UEFA kritisiert das Vorhaben scharf, weil aus ihrer Sicht die Führung des Fußballs nicht zur Handelsware werden dürfe. Während die FIFA Kontrolle über Spielkalender und Regelwerk behalten will, rücken Berichte über mögliche Vermittler aus dem Umfeld der US-Regierung in den Fokus.

Die FIFA bringt Bewegung in ein Thema, das nicht nur Fans, sondern auch ganze Kapitalmärkte beschäftigt: Der Weltverband plant einen Milliarden-Deal, bei dem kommerzielle Rechte an Fußballturnieren an externe Investoren verkauft werden sollen. Laut FIFA-Mitteilung geht es um Einnahmen von mehr als vier Milliarden US-Dollar. Die Abgabe wäre dabei keine reine Liquiditätsmaßnahme, sondern soll in eine neue Organisationsform münden: Künftige WM-Turniere sollen unter dem Dach eines neu gegründeten Unternehmens ausgerichtet werden, dessen Mehrheits-Eigentümer die FIFA selbst sein will.
Rein strukturell folgt der Plan einem Modell, das man aus anderen Sport- und Medienbereichen kennt: Rechte werden in eine eigene Einheit ausgelagert, diese Einheit verhandelt Lizenzpakete, während das Muttergremium die Kontrolle über Regeln und Rahmenbedingungen behält. Im konkreten Fall soll das neu zu schaffende Unternehmen zunächst auf einen Gesamtwert von 20 Milliarden US-Dollar festgelegt werden. Die FIFA schlägt außerdem vor, dass private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile erwerben können. Damit entstehen zwar Beteiligungsquoten für Investoren, aber gleichzeitig bleibt die Eigentümerlogik beim Weltverband: Die FIFA will Mehrheitsgesellschafter bleiben und nach eigenen Angaben weiterhin den Einfluss auf Spielkalender und Regelwerksfragen sichern.
Gerade an dieser Schnittstelle setzt jedoch der Widerstand an. Die Europäische Fußball-Union äußerte in frühen Medienberichten bereits deutliche Kritik, und nach der späteren Bestätigung des Vorhabens wurde die Position weiter zugespitzt. Im Kern bemängelt die UEFA die Idee, dass die „Seele und die Führung des Fußballs“ nicht als Ware behandelt werden dürften – besonders dann nicht, wenn aus ihrer Sicht unklar bleibe, wer finanziell konkret profitiere. Außerdem verweist die UEFA auf das Verbot, den Fußball selbst als Eigentumsgegenstand zu betrachten: Niemand „ist Eigentümer des Fußballs“, so die Linie. Für die FIFA ist das politisch heikel, weil die UEFA nicht nur ein sportpolitischer Akteur ist, sondern mit Blick auf Vermarktung und Spielbetrieb auch operativ eng mit dem WM-Umfeld verflochten bleibt.
Auch auf der Ebene kleinerer Verbände soll es Beteiligungsoptionen geben. Die FIFA plant, dass alle 211 Mitgliedsverbände Anteile an dem Unternehmen erhalten, die sie behalten oder später verkaufen können. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Deals, bei denen Rechte ausschließlich über geschlossene Investorengruppen laufen: Hier wird der Kreis der wirtschaftlich Betroffenen formal breiter gezogen. Gleichzeitig legt die FIFA innerhalb von vier Jahren eine Mittelverwendung nach: Mit Hilfe der zusätzlichen Einnahmen sollen zehn Milliarden US-Dollar in die Entwicklung des Fußballs weltweit investiert werden. Für die Umsetzung bedeutet das: Das neue Rechte-Bündel und die Finanzierungslogik müssen nicht nur verhandelt, sondern auch in eine nachvollziehbare Governance überführt werden, damit der Nutzenversprechen-Teil nicht als reines Werbeargument wirkt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen Berichte über mögliche Vermittler und US-Nähe. Laut einem Artikel, der sich auf mehrere mit dem möglichen Deal vertraute Quellen stützt, sollen Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Donald Trump in die Planungen einbezogen worden sein. Die Investitionspläne seien demnach bereits seit mehreren Monaten vorbereitet und bedürften noch einer Genehmigung. Als konkreter Name fällt dabei der Technologieinvestor Joshua Kushner, verbunden über familiäre Beziehungen mit Trumps Tochter Ivanka. Es heißt außerdem, dass Gespräche über den Einstieg über seinen Fonds Thrive Eternal geführt würden; ein FIFA-Sprecher soll bestätigt haben, dass erwartet wird, Thrive über die geplante Investorengruppe zu führen. Operativ arbeitet die FIFA dabei nach eigenen Angaben mit der Investmentbank JPMorgan zusammen.
Für die Sportorganisation selbst ist die Frage nach der Governance besonders entscheidend, weil sie potenziell auch die Rolle des FIFA-Präsidenten berühren kann. In einem Szenario, in dem das Modell umgesetzt wird, könnte Infantino nach Ablauf seiner letzten Amtszeit als FIFA-Präsident das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Gleichzeitig betont die FIFA, dass darüber bislang nicht gesprochen worden sei, ob Infantino nach seiner letzten Amtsperiode ein solches Amt übernehmen wird. Unabhängig davon würde die Leitungskonstellation – sofern die Genehmigungen kommen – eine klare Aufgabentrennung erfordern: Die FIFA und die Verwaltung müssten dann jeweils führende Rollen in der neuen Einrichtung einnehmen, um die Kontrolle über jede Tochtergesellschaft im Sinne der Statuten zu behalten. Damit verschiebt sich der Fokus von der Frage „Wer hält Rechte?“ hin zu „Wer trifft Entscheidungen darüber, und wie wird die Entscheidungskette im Tagesgeschäft abgesichert?“
Historisch ist der Impuls nicht neu. Infantino hatte bereits 2018 ähnliche Pläne verfolgt, als es um einen Milliarden-Deal im Zusammenhang mit der Club-WM und einer weltweiten Nations League ging, an dem auch saudi-arabische Investoren beteiligt gewesen wären. Dieses Vorhaben erhielt damals innerhalb der FIFA offenbar keine ausreichende Unterstützung und kam daher nicht zustande. Die aktuelle Initiative dürfte für die FIFA dennoch attraktiver sein, weil sie sich mit der klaren Bundelung der Rechte in einem eigenen Rechtevehikel und mit dem angekündigten Investitionspfad zeitlich strukturieren lässt. Ob der Plan am Ende regulatorisch, politisch und innerhalb der Verbandslandschaft durchgeht, hängt jedoch davon ab, ob sich die Kritikpunkte der UEFA in konkrete, belastbare Transparenz- und Kontrollmechanismen übersetzen lassen – und ob Investoren nicht nur Geld geben, sondern auch rechtlich und organisatorisch in ein Modell passen, das den Sportbetrieb nicht indirekt an Vermarktungslogiken bindet.
Für Unternehmen und technische Dienstleister bedeutet die Entwicklung vor allem: Der Rechtehandel wird planbarer, aber auch datenintensiver. Sobald Rechte gebündelt und in ein neues Unternehmen überführt werden, steigen typischerweise Anforderungen an Vertragsdaten, Nutzungsrechte, Lizenzpakete und deren Nachverfolgung über mehrere Turniere hinweg. Die Genehmigungsfrage und die Streitlinien zwischen Verbänden zeigen dabei schon jetzt, dass Compliance und Governance nicht als „Nebenaufgabe“ behandelt werden, sondern die Grundlage für die Skalierung bilden. Für die nächsten Schritte bleibt deshalb weniger die bloße Summe spannend als die konkrete Ausgestaltung: Welche Beteiligungsrechte bekommen Investoren, wie werden Entscheidungswege dokumentiert und wie wird der Spielbetrieb organisatorisch vom Rechte-Management entkoppelt?
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