TAUFKIRCHEN AN DER TRATTNACH / LONDON (IT BOLTWISE) – In Oberösterreich entsteht für die Alginure GmbH & Co. KG eine neue Produktions- und Lageranlage für algenbasierte Präparate. Das Projekt läuft bis Ende 2027 und wird von Lorenz Consult als Generalplaner über alle Leistungsphasen hinweg umgesetzt. Entscheidend sind die baulichen Rahmenbedingungen mit gering tragfähigem Baugrund, hohem Grundwasserspiegel und Vorgaben für Hochwasserschutz und Grundwasserschutz. Parallel setzt das Planungsteam auf BIM mit einem gemeinsamen 3D-Modell der TGA, um Kollisionen früh zu erkennen.

Algenbasierte Präparate brauchen in der Praxis vor allem eines: eine stabile Produktion, die sich in den Acker- und Pflanzenbau übersetzen lässt. Genau darauf zielt das neue Anlagenprojekt bei der Alginure GmbH & Co. KG in Taufkirchen an der Trattnach ab, das bis Ende 2027 fertiggestellt werden soll. Lorenz Consult übernimmt dabei die Rolle als Generalplaner und koordiniert die Umsetzung über sämtliche Leistungsphasen und Fachbereiche hinweg. Der neue Gebäudekomplex verbindet eine Produktions- und Lagerhalle, Siloanlagen sowie ein separates Büro- und Sozialgebäude und ist auf eine spätere Ausweitung der Produktionsanforderungen ausgelegt.
Mit rund 2.250 Quadratmetern Bruttogrundfläche und etwa 28.100 Kubikmetern Bruttorauminhalt ist es kein reines Zweckgebäude, sondern ein funktional geplanter Produktionsstandort mit klar getrennter Logik. In der Halle entsteht die Infrastruktur zur Herstellung der flüssigen, algenbasierten Präparate, ergänzt um Lager- und Silobereiche, während Verwaltungs- und Personalflächen im Büro- und Sozialgebäude gebündelt sind. Ein bemerkenswerter Teil der Planung liegt auf der Erweiterbarkeit: In den frühen Planungsphasen war sie laut Projektangaben bereits integraler Bestandteil des Konzepts. Das ist in der Industrieplanung mehr als eine formale Option, denn Erweiterungen wirken sich unmittelbar auf Tragwerk, Leitungsführung, Brandschutzabschnitte, Anschlusspunkte und den Materialfluss aus.
Technisch wird das Vorhaben vor allem durch den Baugrund herausgefordert. Laut Projektbeschreibung zeichnet sich der Untergrund durch geringe Tragfähigkeit, einen hohen Grundwasserspiegel sowie eine begrenzte Versickerungsfähigkeit aus. Zusätzlich liegt der Standort in einer Hochwasserzone, was die Auslegung von Entwässerungskonzepten und Schutzmaßnahmen nicht nur zu einer Randbedingung macht, sondern zur Leitplanke für die gesamte Bauabfolge. Lorenz Consult erarbeitete gemeinsam mit Fachplanern für Geologie und Hydrologie sowie relevanten oberösterreichischen Behörden ein umfassendes Konzept, das Oberflächenentwässerung, Hochwasserschutz und Grundwasserschutz vor potenziellen Verunreinigungen adressiert. Gleichzeitig wird die Baugrundverbesserung vorsorglich auch auf künftigen Erweiterungsflächen ausgeführt, mit dem Ziel, spätere Nacharbeiten, Bauzeiten und Kosten zu reduzieren.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Effizienz der Anlagentechnik und auf der Fähigkeit, moderne Energie- und Materialflüsse ohne größere Umbauschleifen zu integrieren. Für eine spätere Installation einer Photovoltaikanlage wurden bereits im Grundkonzept alle notwendigen Vorkehrungen getroffen. In der Intralogistik setzt das Projekt auf elektrische Antriebstechnologien: Dazu zählen Elektrostapler sowie elektrisch betriebene Shuttle-Systeme für die Regalbedienung, die Emissionen im Innerbetrieb weiter senken sollen. Die passende Ladeinfrastruktur ist ebenfalls im Gesamtkonzept integriert, sodass der Betrieb nicht auf eine spätere „Hinterher“-Nachrüstung angewiesen ist. Ergänzend sieht das Konzept eine mehrgeschossige, teilautomatisierte Maschinenaufstellung auf einer Stahlpodestkonstruktion vor, die eine kompakte Flächennutzung und kurze Materialwege ermöglichen soll.
Dass solche technischen Entscheidungen auch zeitlich „zusammenpassen“, ist bei Industriebauten häufig das eigentliche Projekt-Risiko. Lorenz Consult und die Schaumann Group verbindet laut Angaben eine langjährige Partnerschaft in der Planungsabstimmung; daraus entstanden bereits Projekte an Standorten in Deutschland und Österreich, unter anderem für Lactosan. Für das Projekt in Taufkirchen wird das als verlässliche Grundlage beschrieben, weil es fachliche Qualität, Kontinuität und ein gemeinsames Verständnis der Projektziele unterstützt. Konkrete Entwurfsarbeit erfolgt dabei über ein etabliertes Netzwerk von Partnern, und die Planung nutzt die BIM-Methodik: Die Komponenten der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) werden in einem gemeinsamen 3D-Modell koordiniert. Dadurch lassen sich Planungskollisionen früh identifizieren und beheben, statt sie erst in späten Projektphasen mit teuren Nacharbeiten zu „erkennen“.
Auch die Projektsteuerung profitiert von dieser Vorgehensweise. Eine vorausschauende Ausschreibungsstrategie und die enge Zusammenarbeit der Projektbeteiligten ermöglichten im konkreten Fall einen Baustart drei Wochen vor dem ursprünglich geplanten Termin. Für die Bauplanung ist das relevant, weil die Fertigstellung des Rohbaus rechtzeitig vor dem Winter erfolgen muss und der Innenausbau über die Wintermonate stattfinden kann. Hier zeigt sich der praktische Nutzen von BIM als mehr als ein virtuelles Modell: Es wird zum Koordinationswerkzeug, das Schnittstellen zwischen Gewerken sichtbar macht, Entscheidungswege verkürzt und den Übergang von Planung zu Ausführung stabilisiert. Für Unternehmen, die vergleichbare Modernisierungen oder Erweiterungen planen, ist genau diese Verknüpfung aus Baugrundlogik, Anlagenlayout und digitaler Kollisionserkennung der entscheidende Erfolgsfaktor.
Schließlich ordnet das Projekt die technische Modernisierung in eine längerfristige Wachstumsstrategie ein. Die Konzeption berücksichtigt ausdrücklich eine spätere Erweiterbarkeit der Produktionsanforderungen, die mit der Baugrundverbesserung und der Grundrisslogik bereits vorbereitet wird. Damit kann die Anlage nicht nur heute effizient produzieren, sondern sich auch organisatorisch und baulich in kommenden Ausbaustufen weiterentwickeln. Aus Sicht der Industrieentwicklung ist das ein Muster, das in vielen Produktionsumfeldern an Bedeutung gewinnt: Energie- und Logistikkonzepte werden früh mitgeplant, und digitale Planungsarbeit wird so eingesetzt, dass Risiken aus Schnittstellen früh sichtbar werden. Selbst wenn das Projekt selbst nicht als „KI-Initiative“ kommuniziert wird, entspricht die zugrunde liegende Denkweise dem aktuellen Trend, Engineering-Daten und Prüflogiken systematisch zu bündeln – genau dort entstehen im Betrieb später die spürbaren Vorteile.
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