LONDON (IT BOLTWISE) – Die DGIM fordert eine Fortführung der Präventionsoffensive des Bundes mit einem klaren Fokus auf medizinische Evidenz. Der Fachverband kritisiert, Prävention dürfe sich nicht auf allgemeine Empfehlungen stützen, sondern müsse nachweisbar wirksam sein. Zusätzlich verlangt die DGIM eine Verstetigung unter neuer Leitung sowie eine Priorisierung, die Prävention als tragende Säule des Gesundheitssystems verankert. Für Verhaltensänderungen spricht die Gesellschaft sich ausdrücklich für Tabak- und Zuckersteuern aus, ordnet diese aber in eine Gesamtstrategie ein.

Die langfristige Ausrichtung deutscher Gesundheitspolitik zur Krankheitsvermeidung steht laut einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in eine Phase, die weniger mit Symbolik als mit messbaren Ergebnissen zu tun haben sollte. Der Fachverband sieht die bestehende Präventionsoffensive des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) an einem Punkt, an dem Konsolidierung nötig ist: bewährte Programme fortführen, gleichzeitig aber die wissenschaftliche Fundierung und die organisatorische Steuerung so nachschärfen, dass am Ende die Frage nach Wirkung und Zielgenauigkeit eindeutig beantwortet werden kann.
Im Zentrum steht dabei die Forderung nach einer strikten Orientierung an medizinischer Evidenz. Die DGIM argumentiert, Prävention dürfe nicht aus allgemeinen Empfehlungen bestehen, sondern müsse sich an gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen ausrichten. Das betrifft nicht nur einzelne Maßnahmen, sondern ausdrücklich alle Ebenen staatlicher Gesundheitsförderung, damit die eingesetzten Mittel nicht nur plausibel wirken, sondern im Sinne einer evidenzbasierten Wirksamkeit tatsächlich zu Verbesserungen der Bevölkerungsgesundheit beitragen. Praktisch bedeutet das: Eine Strategie, die nicht regelmäßig überprüft wird, verliert in der Realität schnell den Anschluss an neue Daten, neue Erkenntnisse zu Risikofaktoren und veränderte Versorgungsbedingungen im Alltag.
Auch auf der operativen Ebene verlangt die DGIM eine konsequente strategische Führung. Der Fachverband plädiert dafür, die Präventionsoffensive des BMG unter neuer Leitung fortzusetzen und dabei die bisherigen Anstrengungen zu verstetigen, statt einzelne Initiativen nur als Projektlaufzeiten zu betrachten. Auffällig ist, dass die DGIM die Evidenzlogik eng an die Priorisierung im System koppelt: Prävention dürfe nicht am Rand stattfinden, sondern müsse als tragende Säule des Gesundheitssystems etabliert werden. Die DGIM-Vorsitzende Müller-Werdan betont zudem den proaktiven Charakter der Krankheitsvermeidung; wer chronische Erkrankungen rechtzeitig verhindert, steigere nicht nur die Lebensqualität, sondern beeinflusse auch die Stabilität sozialer Sicherungssysteme spürbar.
Finanzielle und ordnungspolitische Instrumente ordnet die DGIM als wichtigen Baustein einer Gesamtstrategie ein. In der Stellungnahme vom Juli 2026 begrüßt der Fachverband die Beibehaltung beziehungsweise Einführung von Tabak- und Zuckersteuern als wirkungsvolle Werkzeuge zur Verhaltenssteuerung. Damit wird ein Ansatz sichtbar, der nicht allein auf Beratung oder freiwillige Entscheidungen setzt, sondern über Preis- und Anreizstrukturen die Rahmenbedingungen für Konsum und Lebensstil mitverändert. Gleichzeitig macht die DGIM deutlich, dass Tabak- und Zuckersteuern nicht isoliert betrachtet werden dürfen: Sie sollen in ein Gesamtkonzept eingebettet sein, das neben fiskalischen Signalen auch Aufklärung und strukturelle Anpassungen im Lebensumfeld der Bürger umfasst.
Technisch betrachtet liegt in dieser Kopplung von Evidenz und Instrumenten ein konkreter Steuerungsmechanismus: fiskalische Hebel verändern Wahrscheinlichkeiten für Verhalten, medizinische Programme sollen Risiken senken, und beides muss durch eine fortlaufende Bewertung gegeneinander abgeglichen werden. Genau an dieser Stelle ist die DGIM-Logik anschlussfähig an moderne Präventionssteuerung, wie sie in vielen Gesundheitssystemen über Zielgrößen, Effektmessung und Follow-up-Schleifen umgesetzt wird. Denn nur wenn Programme regelmäßig auf ihre medizinische Wirksamkeit überprüft werden, bleibt die Präventionsoffensive belastbar und kann auf neue Erkenntnisse reagieren, statt über Jahre hinweg in einem „Good-Practice“-Modus ohne harte Wirksamkeitsnachweise zu verharren.
Für Unternehmen, Kommunen und Gesundheitseinrichtungen bedeutet das vor allem eines: Präventionsprogramme werden damit noch stärker zu einem Erwartungs- und Umsetzungsprojekt. Organisationen, die etwa betriebliche Gesundheitsförderung, Präventionsangebote in Quartieren oder digitale Gesundheitsanwendungen unterstützen, müssen sich stärker an nachweisbaren Wirkpfaden orientieren. Dazu gehört auch, dass die Verbindung zwischen Public-Health-Zielen und operativer Umsetzung klarer werden sollte, beispielsweise durch strukturierte Kriterien zur Bewertung von Maßnahmen und durch eine nachvollziehbare Priorisierung. Die DGIM signalisiert damit nicht nur inhaltliche Leitplanken, sondern auch eine klare Haltung gegenüber der Politik: Fortführung der Präventionsoffensive wird als unverzichtbar beschrieben, aber nur dann, wenn sie auf wissenschaftlicher Grundlage basiert und politisch mit konsequentem Nachdruck verfolgt wird.
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