LONDON (IT BOLTWISE) – Die steigende Nachfrage nach KI-Infrastruktur treibt die Preise für NAND-Flash und damit auch für SSDs deutlich nach oben. Laut Angaben aus der Branche kostete ein 2-Terabyte-SSD-Modell früher rund 80 Euro, heute liegt es teilweise bei bis zu 400 Euro. Gleichzeitig verteuern sich Mittelklasse-Gaming-PCs spürbar, weil auch die NAND-Kosten stark angezogen haben. Parallel sorgen strengere Regeln für den Einsatz von KI dafür, dass Unternehmen neben dem Budget auch ihre Compliance-Anforderungen neu sortieren müssen.

Die Preisspirale im Hardware-Markt bekommt derzeit eine klare Richtung: Nicht nur Grafikkarten werden knapp, sondern vor allem der Speicher. Auslöser ist die Nachfrage nach KI-Infrastruktur, die den Bedarf an NAND-Flash und damit an SSDs, aber auch an systemnahen Komponenten nach oben zieht. In der Folge werden Preissteigerungen aus der Lieferkette für viele Käufer zu einem spürbaren Aufschlag im Alltag – etwa beim Upgrade von Arbeitsrechnern, bei Gaming-Setups oder bei der Ausstattung von Servern, in denen KI-Workloads Daten, Modellartefakte und Cache-Schichten halten müssen.
Konkreter wird es bei NAND-Vertragspreisen: Für das erste Quartal 2026 werden Steigerungen um 55 bis 60 Prozent genannt. Dass sich diese Entwicklung nicht nur in B2B-Listen abspielt, zeigt ein Beispiel mit einem 2-Terabyte-SSD-Modell, das ehemals für rund 80 Euro erhältlich war, heute jedoch je nach Angebotsspanne bis zu 400 Euro kosten kann. Besonders deutlich wird der Schock zudem durch Einordnungen zu Unternehmenszahlen: Bei Kingston verteuerten sich die NAND-Kosten 2025 um 246 Prozent. Auch für Hersteller wie Phison wird berichtet, dass sich NAND-Preise mehr als verdoppelt haben, während die Produktionskapazitäten für 2026 laut den Angaben bereits komplett ausgelastet seien.
Technisch betrachtet wirkt hier ein typischer Zyklus aus Kapazitäts- und Verfügbarkeitsengpässen, der sich in Preisniveaus übersetzt: Wenn sich die Produktion nicht kurzfristig hochfahren lässt, treffen steigende Bedarfe auf begrenzte Auslieferungsmengen. Das wiederum erhöht die Beschaffungsrisiken für Systemintegratoren und OEMs, weil SSD- und Speicheranteile in Stücklisten stärker schwanken als einzelne Komponenten, die leichter aus alternativen Quellen ersetzt werden können. Für Käufer schlägt das in reinen Gesamtpreisen durch: Als Beispiel werden Mittelklasse-Gaming-PCs genannt, die statt rund 1.200 Euro nun knapp 1.900 Euro kosten. In der gleichen Logik verschiebt sich auch die Planbarkeit für IT-Budgets, weil Einsparungen über günstigere Komponenten weniger zuverlässig funktionieren, wenn der zentrale Engpass – NAND – gleichzeitig alle Produktkategorien betrifft. Branchenexperten rechnen demnach frühestens in 18 bis 24 Monaten mit einer Entspannung.
Der Speicherdruck fällt allerdings nicht allein an. Bei High-End-Grafikkarten bleibt die Knappheit ein dominierendes Thema, und das Verhalten des Marktes verlagert sich zunehmend von „verfügbar zu Preis X“ hin zu „verfügbar nur im Paket“. Genannt wird, dass die NVIDIA RTX 5090 derzeit fast ausschließlich in fertigen High-End-Systemen auftaucht, etwa in einem Komplett-PC mit einem Preis um 4.900 Euro nach Rabatt; Einzelkarten sollen ab rund 4.200 Euro gehandelt werden. Auch die RTX 5080-Serie steht unter Lieferengpässen: In Taiwan sollen Händler die Karte nur noch im Bundle oder in Komplett-PCs verkaufen. Auf großen westlichen Plattformen liegen die Preise zudem 20 bis 30 Prozent über der unverbindlichen Preisempfehlung, während Spitzenmodelle bis zu 2.000 Euro kosten sollen. In Europa werden außerdem übertaktete RTX-5080-Varianten mit 16 Gigabyte GDDR7 für rund 1.490 Euro gelistet.
Während Hardwarepreise steigen, verschärft sich parallel das zweite große Thema für Unternehmen: rechtliche Pflichten rund um KI-Systeme. In der Quelle wird dafür auf den EU AI Act verwiesen, und zwar mit dem Hinweis, dass ein Leitfaden neue Pflichten und Risikoklassen in „5 Schritten“ kompakt erklärt. Der Punkt ist in der Praxis nicht nur organisatorisch: Wenn Rechenleistung, Datenzugriff und Modellergebnisse gleichzeitig teurer werden, steigt auch die Bedeutung sauberer Prozesse für den Betrieb – etwa für Dokumentation, Risikoeinstufung und den verantwortlichen Einsatz von KI-Funktionen in Produkten und internen Workflows. Gerade dort, wo Unternehmen KI-Systeme für Entscheidungen, Automatisierung oder KI-gestützte Dienste einsetzen, wird die technische Einführung damit untrennbar an Governance-Aufgaben gekoppelt, statt nur ein Budgetthema zu bleiben.
Trotz der allgemeinen Teuerung gibt es einzelne Lichtblicke, die zeigen, wie stark der Markt je nach Händler, Kategorie und Verfügbarkeit differenziert. Als Beispiele werden ein Cooler-Master-Mini-ITX-System mit RTX 5080 und Intel Core Ultra 7 genannt, das zeitweise auf 2.792 Euro reduziert wurde. Auch bei SSDs gibt es Angebotsfenster: Die Crucial T705 mit 2TB soll auf 385 Euro gefallen sein, während Monitore in Teilen stabiler wirken – etwa ein 27-Zoll-QHD-OLED mit 360 Hertz, der als Angebot für 500 Euro genannt wird. Gebrauchte 1440p-OLED-Monitore eines Herstellers seien im Zweitmarkt bereits um rund 237 Euro erhältlich. Solche Ausreißer helfen vor allem dann, wenn ein Unternehmen kurzfristig Kapazität für Projekte braucht, aber mittel- bis langfristig weiterhin an die Engpasslogik von NAND und GPU-Lieferketten gebunden bleibt.
Dass der KI-Boom nicht nur technische, sondern auch wirtschaftliche Effekte hat, zeigen zudem Unternehmens- und Finanzdaten aus der Quelle. SK hynix meldete für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von umgerechnet 55,6 Milliarden Euro, getrieben durch die starke Nachfrage nach KI-Speicher; die Ergebnisse hätten jedoch knapp hinter den Erwartungen der Investoren gelegen. Gleichzeitig entstehen auch Kriminalitätsrisiken rund um den hohen Wert von KI-Komponenten: In Taiwan wurde laut den Angaben ein ehemaliger Mitarbeiter eines großen Grafikchip-Herstellers festgenommen, der KI-Server mit beschränkten Chips nach China geschmuggelt haben soll; die Behörden ermitteln in mindestens acht ähnlichen Fällen. Für Unternehmen heißt das am Ende: Neben der Beschaffungssicherheit zählt auch die Herkunftssicherheit von Komponenten, wenn Regulatorik und Marktwert gleichzeitig zu erhöhten Anreizen für Fehlverhalten führen.
Auch der Konsum der Hardware-Teuerung wird in der Quelle sichtbar: Apple startet in diesem Kontext ein Leasing-Programm für Mac-Hardware über Klarna, mit Raten ab 24,99 Euro monatlich. Das Signal dahinter ist klar: Steigende Einstiegshürden werden zunehmend über Finanzierungsmodelle abgefedert, damit sich Investitionen trotz Preisdruck fortsetzen lassen. Für IT-Verantwortliche bleiben dennoch zwei Dinge parallel relevant: Erstens müssen Speicher- und GPU-Zyklen in Beschaffungsplanung und Architekturentscheidungen stärker als bisher berücksichtigt werden, weil Engpässe nicht nur „eine Komponente“, sondern den Engpass entlang der Lieferkette betreffen. Zweitens sollte die organisatorische Vorbereitung auf den EU AI Act frühzeitig erfolgen, damit die KI-Nutzung nicht an operativen Lücken scheitert, wenn die Hardwarepreise gerade erst die nächsten Budgetrunden auslösen.
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